Wie man mit Zocken richtig viel Geld verdient

Darüber hat Pro-Gamer Mirza Jahic ein Buch geschrieben. Im Interview erzählt er, wie man so weit kommt.
Interview von Sophie Aschenbrenner

Mirza Jahic ist 28 Jahre alt und Pro-Gamer. Das bedeutet oberflächlich gesehen, dass er mit FIFA zocken viel Geld verdient – ein Traum für viele Menschen. Mit 20 begann er mit dem Spielen. Jetzt hat er ein Buch veröffentlicht: „Vom Hobbyzocker zum Pro-Gamer“ ist ein Leitfaden für Menschen, die vom Gaming leben wollen. Im Interview erzählt Mirza unter anderem, welche Fehler er heute nicht mehr machen würde, und was seine Eltern eigentlich zu seinem Beruf sagen. 

jetzt: Mirza, ich bin jetzt 27 und habe noch nie FIFA gespielt. Da stehen meine Chancen, noch Pro-Gamerin zu werden, wahrscheinlich eher schlecht, oder?

Mirza Jahic: Ja, schon. Das könnte sehr schwer werden, weil man Jahre braucht, um auf ein bestimmtes Niveau zu kommen. Außer du kapierst das Spiel auf Anhieb und bist ein Supertalent – das ist nicht komplett ausgeschlossen, aber eher unwahrscheinlich.

Gehen wir mal von jemandem aus, der schon viel FIFA gespielt hat und sich nicht schlecht anstellt. Was muss er tun, um Pro-Gamer zu werden?


Auf jeden Fall täglich trainieren, und zwar gezielt. Es bringt ab einem bestimmten Level nichts mehr, nur zu zocken. Ich empfehle, immer gegen Leute zu spielen, die mindestens genauso gut sind wie man selber. Außerdem sollte man sein Training gezielt analysieren und schauen, wo man Fehler macht und was man besser machen kann.

Was ist noch wichtig? 


An so vielen Turnieren teilnehmen wie möglich, um routiniert zu werden und sich einen Namen zu machen. Ich habe am Anfang jedes noch so kleine Turnier gespielt und ich habe alles gewonnen. Das war verrückt. Jedes Turnier hat mich irgendwie weitergebracht. Langsam kannten mich die Leute. Insgesamt rate ich immer dazu, niemals aufzugeben. Wenn du glaubst, dass du es schaffen kannst, dann mach auf dich aufmerksam. Ich nutze auch gezielt Social Media, um bekannter zu werden und um mit anderen zu kommunizieren.

Welchen Anfängerfehler würdest du heute nicht mehr machen?

Als ich es am Anfang meiner Karriere nicht geschafft habe, mich zur Weltmeisterschaft zu qualifizieren, das hat mich richtig in ein Loch gezogen. Und ich habe viel zu lange getrauert. Das würde ich heute nicht mehr zulassen. Ich versuche, nicht so lange über Niederlagen nachzudenken, sondern wieder nach vorne zu schauen.

Wie reagierst du, wenn jemand zu dir sagt: Du sitzt ja nur daheim und zockst?

Ich versuche immer, zu erklären, dass das nicht so ist. Ich habe sehr strukturierte Tagesabläufe wie viele andere Selbstständige auch. Und es ist so: Es macht mir auch nicht immer Spaß, zu spielen. Aber wenn ich bestimmte Fehler ausbessern will, muss ich das eben machen. Das ist wie mit jedem anderen Job auch. Ich mache zum Ausgleich viel Sport. Beim Spielen sitzt man die ganze Zeit, und ich fühle mich dann insgesamt besser. Außerdem muss ich mich regelmäßig um meine Kanäle auf YouTube und Instagram kümmern, und ich streame viele meiner Spiele.

Was sagen deine Eltern denn dazu, dass du mit FIFA dein Geld verdienst? Für die meisten ist es ja eine Horrorvorstellung, dass ihr Kind nur Computer spielt.

Heute unterstützen meine Eltern mich total und finden gut, was ich mache. Das war aber nicht von Beginn an so, und das liegt vor allem an mir. Das ist auch so ein Fehler, den ich nicht mehr machen würde: Ich habe am Anfang nicht genug kommuniziert. Ich habe gemerkt, dass meine Familie das nicht so gut findet, und mich dann sehr zurückgezogen, nicht mehr über FIFA geredet und einfach mein Ding durchgezogen. Das war ein Fehler. Ich würde jedem empfehlen, genau zu erklären, wieso man so viel spielt, wo das hinführen soll und kann. Das ist sehr wichtig.

Womit hättest du zu Beginn deiner Spielerkarriere nicht gerechnet?

Wie anstrengend der Job auch mental sein kann. Ich bin auch auf YouTube und anderen sozialen Medien sehr aktiv, und werde da teilweise massiv angegangen. Damit musste ich erst mal lernen, klarzukommen. Außerdem können Turniere natürlich extrem aufreibend sein. Deswegen gehe ich auch regelmäßig zu einem Mentaltrainer, um mir da Unterstützung zu holen.

Würdest du Menschen dennoch dazu ermutigen, zu versuchen, Pro-Gamer zu werden? Oder sollte man es besser beim gemütlichen Zocken belassen?

Der Markt wächst auf jeden Fall rasend schnell. In den vergangenen drei Jahren haben sich die Preisgelder teilweise verzehnfacht. Es gibt immer mehr Bundesligavereine, und in Zukunft wird es immer mehr Jobs in der Branche geben. Das bedeutet, dass in Zukunft noch viele Menschen als Gamer leben werden.

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