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Illustration: Federico Delfrati

Nicht alles im Leben ist freiwillig. Die Survival-Kolumne ist Anlässen gewidmet, denen wir uns stellen müssen – ob wir wollen oder nicht. Ein Leitfaden zum Überleben. Heute: Naaaa, wie war dein Urlaub?

Du hast es ja eh schon nicht leicht. Noch vorgestern hast du dich in türkisem Wasser geräkelt oder bist durch hüfttiefen Schnee geglitten und musstest dich dabei um wenig mehr kümmern, als den passenden Filter für Instagram. Heute geht es wieder um fürchterlich banale Dinge: Früh aufstehen, öffentliche Verkehrsmittel benutzen, Geld verdienen. Der erste Arbeitstag nach dem Urlaub hält aber noch eine weitere Aufgabe für dich bereit: Du musst allen – wirklich allen – von deinem Urlaub erzählen.

Warum zwingen sie dich zu dieser Anekdoten-Gebetsmühle?

Das kann ja beim ersten Mal noch Spaß machen. Dem ersten Arbeitskollegen, dem du morgens in der S-Bahn sonst aus dem  Weg gehst, erzählst du einfach deinen kompletten Urlaub von A wie Ananas bis Z wie, äh... Zonnencreme. Der kann dann alle zehn Sekunden den Kopf schief legen und so etwas sagen wie :„Oh Mann, klingt voll schön!“ Du fühlst dich erhaben und irgendwie weltgewandt, die S-Bahn-Fahrt ist schneller vorbei als dir lieb ist.

Aber warum zwingen dich ALLE zu dieser Anekdoten-Gebetsmühle? Und wie schaffen sie es bloß, dass dabei immer nur genau ein Kollege im Raum ist und du deswegen jede verdammte Geschichte zehn Mal erzählen musst? Und falls dann doch mal jemand anderes zuhört, kennt er die Geschichte bereits und sagt bestimmt sowas wie „vorhin meintest du aber noch, das Zimmer hätte nur 45 Euro gekostet!“ 

Dein eigener Urlaub beginnt, dich zu langweilen

Dazu kommt, dass dir der Urlaub, der Strand, die Erfahrungen wertloser vorkommen, wenn du sie so in zweiminütige Smalltalk-Förmchen einschmilzt. Dein eigener Urlaub beginnt, dich zu langweilen. Was ist bitte so interessant an Flugdauer und Zimmerpreisen? Warum sollte Kollege Rolf wissen müssen, wie und mit wem du deine Urlaubstage verbracht hast? Du wünschst dir, du wärst gar nicht erst weggefahren. Aber keine Sorge, du kannst es überstehen!

Wie immer in dieser Kolumne kannst du zur Bewältigung der aussichtlosen Situation mehrere Wege einschlagen. Der erste: Drama. Bereits bei der Nachfrage Nummer eins reagierst du mit deinen besten Theatergruppen-Schauspielskills, starrst etwa fünf Sekunden lang mit halboffenem Mund ins Leere und hauchst dann: „Ichwillnichtdarübersprechen.“ Das entspricht erstens der Wahrheit und wird zweitens dazu führen, dass der jeweilige Kollege alle anderen warnen wird, dir bloß keine Fragen nach deinem Urlaub zu stellen. Weiß Gott, was da passiert ist! Dass ein Urlaub eben doch auch eine sehr persönliche Angelegenheit ist, hast du hiermit eindrücklich dargelegt.

Du magst es umgänglicher, weniger dramatisch? Oder suchst eine Ein-für-alle-mal-Lösung, die zwar mit einem gewissen Aufwand verbunden ist, dich aber auch nach künftigen Urlauben vor Fragereien schützt? Dann setze ein Meeting an, in dem du allen auf einen Schlag per anderthalbstündiger Präsentation die hard facts deines Trips grafisch ansprechend präsentierst (Höchst- und Tiefsttemperaturen, Wellengang, Schneefall etc.). Danach noch die Top-10-Anekdoten in 500 Folien und ein kleines Quiz. Du  schließt deinen Vortrag mit „nun haben wir Zeit, das Erlebte zu diskutieren!“ 

Sollte dir das dann doch zu aufwändig sein, stellen wir dir hier zum Schluss die etwas unmoralische, aber eben doch einfachste Lösung vor: Lügen. Sag einfach, du warst daheim. Oder in Lissabon – das kann nämlich wirklich keiner mehr hören. Keine weiteren Fragen.

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