So überlebst du den Handwerker-Besuch

Manchen Situationen müssen wir uns stellen. Diese Kolumne hilft, sie zu überstehen. Diese Woche: Besuch vom Fach.
Von Quentin Lichtblau

Illustration: Federico Delfrati

Nicht alles im Leben ist freiwillig. Die Survival-Kolumne ist Anlässen gewidmet, denen wir uns stellen müssen – ob wir wollen oder nicht. Ein Leitfaden zum Überleben. Heute: Der Fremde mit dem Werkzeugkasten.

Du hast gepümpelt, gebetet und 400 Liter säurehaltige Chemikalien in den Abfluss gekippt. Die drölfzig Euro für irgendein „Power-Gel“ („entfernt sogar Haare!“) waren herausgeschmissenes Geld, die dadurch verätzten Forellenbabys sind umsonst gestorben. Dein Abfluss ist und bleibt verstopft.

Du wirst nun wohl oder übel den Schritt gehen müssen, vor dem sich ganz Deutschland – auch und gerade der männliche Teil – fürchterlich ängstigt: Du musst einen Handwerker rufen. Ein fremder Mensch wird deine Wohnung betreten und sich über unbestimmte Zeit in deinen Privaträumen aufhalten. Noch dazu wird er – oder sie – anstrengende Arbeit verrichten, du wirst zitternd daneben stehen und nicht wissen, wie du dich verhalten sollst. Musst du wirklich andächtig in der Nähe bleiben, für den Fall, dass du ihm irgendwie behilflich sein musst? Könntest du das überhaupt? Will der das? Störst du? Fühlt der sich beobachtet? Will der was trinken? Bist du ein Kontrollfreak? Kriegst du gleich Schimpfe? Dein Leben war noch nie so schwer. 

Möglichkeit eins: weiterpfuschen

Wie kommst du da durch? Möglichkeit eins: Du lässt es gar nicht erst so weit kommen! Vielleicht war der Weg, den du zunächst eingeschlagen hast, ja gar nicht so falsch. Angst ist ja manchmal ein ganz hervorragender Ratgeber! Also: weiterpfuschen. Du kaufst weitere Hektoliter Powergel, flutest damit das Bad, hämmerst anschließend die Wanne auf, dann das Abflussrohr unter den Fliesen, immer tiefer, weiter, durch die Wände, du buddelst drei Nächte durch und hältst irgendwann einen zuckenden Haufen Haarseifenfettschlonz in der Hand und lachst teuflisch. Du hast das Eindringen in deine Privatsphäre souverän verhindert und echtes Macher-Talent bewiesen! Leider ist der Triumph nur von kurzer Dauer. Entweder ziehst du anschließend um, oder du hast wochenlang Handwerker in deiner Wohnung, die sich um die Renovierung deines Badezimmers kümmmern müssen. 

Möglichkeit zwei: Der Handwerker ist König

Also doch lieber gleich der Handwerker. Aber dann bitte auf die feine Art. Per auto-suggestivem Training („Yo, ich schafffe das!“) und einem Meditationscamp in Westindien hast du dich innerlich auf den Termin vorbereitet. In der Küche erwartet den Handwerker ein Büffet aus süßen und herzhaften Snacks, dazu eine Bar für jeden Durst von Smoothie bis Edelbrand. Passend zur Stimmung wählst du entsprechende Musik aus, Räucherstäbchen sorgen für eine positive olfaktorische Aura. Über der Eingangstür hast du eine „♥-lich willkommen!“-Girlande aufgehängt, nach dem Eintreffen nimmst du dir Zeit für ein Kennlerngespräch, die Fotoalben deiner Familie hast du dabei griffbereit. Mit mehreren Werkzeugkästen und in einem Blaumann stehst du dem Handwerker mit Rat und Tat zur Seite, ein Masseur sorgt bei Bedarf für die nötige Entspannung. Zum Abschied überreichst du dem Handwerker einen Feedback-Bogen, um beim nächsten Mal noch besser für ihn da sein zu können. War doch ganz einfach!

Möglichkeit drei: rationale Langeweile

Etwas weniger Aufwand verspricht Variante drei: Der Handwerker kommt, du öffnest die Tür, beschreibst dein Problem, lässt ihn machen. Wenn er etwas braucht, sagt er es. Dann geht er wieder. Aber mal ehrlich: Das wäre doch langweilig.

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