2800 Euro brutto für den Hausmeister in einer Wohnanlage

Patrick, 25, erklärt, wie viel sein Job mit Serien wie „Hausmeister Krause” wirklich zu tun hat.
Protokoll von Caroline Bergwinkl
jobkolumne hausmeister

Foto: privat; Bearbeitung: jetzt

Wie sieht dein Alltag als Hausmeister aus?

Das öffentliche Bild des Hausmeisters wurde von Fernsehserien wie „Hausmeister Krause“ schon ziemlich bestimmt. Man stellt ihn sich gerne als Ordnungsfanatiker vor, der im grauen Arbeitskittel die Bewohner penetrant an die Hausordnung erinnert. Auch wenn ich die Serie selbst sehr witzig finde, hat das wenig mit meiner Arbeitsrealität zu tun. Ich trage eine einfache schwarze Arbeitshose und freue mich am meisten, wenn alles harmonisch abläuft.

Ich betreue acht Wohnhäuser mit Grünanlagen für etwa 200 Mieter und wohne selbst in einem in einer Zweizimmerwohnung. Das ist sehr praktisch: ich hab keinen Arbeitsweg und kann erst kurz vor Arbeitsbeginn aufstehen. Die Corona-Krise beeinflusst meine Arbeit auch nicht, da ich ja sowieso die meiste Zeit alleine arbeite.

Zu Beginn eines jeden Arbeitstages kontrolliere ich die Wohnanlage und teile mir selbst ein, was ich wann mache. Ich kehre die Wege, mähe den Rasen oder repariere kaputte Fenster und Türen. Wenn der Schaden zu groß ist, kontaktiere ich einen Spezialisten. Putzarbeiten im Haus mache ich nicht, dafür ist eine Reinigungskraft bei uns angestellt. Ich erledige auch Büroarbeiten, meistens sind das TÜV-Kontrollen oder Schadensmeldungen an die Versicherung.

Im Laufe des Tage rufen mich die Bewohner immer mal wieder auf meinem Arbeitshandy an, wenn beispielsweise die Wohnungstüre nicht mehr richtig schließt oder irgendetwas anderes nicht mehr funktioniert. Ein paar Mal wurde ich mitten in der Nacht aus dem Schlaf geklingelt, weil sich jemand ausgesperrt oder fremde Leute in der Tiefgarage gesehen hat. Das passiert aber eher selten.

Wie ist dein Verhältnis zu den Hausbewohner*innen?

Die meisten Hausbewohner sind Rentner, die sich oft langweilen. Häufig beobachten sie mich beim Rasenmähen aus ihren Fenstern oder verwickeln mich in lange Gespräche. Das kann schon anstrengend werden, aber ich versuche natürlich höflich zu bleiben. Grundsätzlich habe ich ein sehr gutes Verhältnis zu den Bewohnern. 

Es ist aber auch schon vorgekommen, dass sich Bewohner bei der Hausverwaltung über mich beschwert haben, weil ich mich angeblich nicht gut genug um den Rasen kümmern würde. Davon lasse ich mir aber die Laune nicht verderben, es gibt immer Leute die meckern.

Manchmal bin ich überrascht, wie unbeholfen manche Bewohner sind. Vor kurzem hat mich eine Frau angerufen und geklagt, dass kein Wasser mehr in ihre Waschmaschine rein käme. Ich hab sie gefragt, ob sie schon den Wasserhahn der Maschine aufgedreht habe und sie hat es mehrmals bejaht. Als ich dann zu ihr kam, war er nicht aufgedreht. Sie hat mich ganz erstaunt angesehen und es stellte sich heraus, dass sie den Wasserhahn am Waschbecken aufgedreht hatte. 

Welche Herausforderungen hast du als Hausmeister?

Viele denken, dass meine größte Herausforderung Nachbarschaftsstreits sind. Aber eigentlich kann ich da gar nicht so viel eingreifen. Ich kann den Betroffenen natürlich sagen, dass sie aufhören sollen, aber ob sie auf mich hören, ist eine andere Sache. Dafür ist dann eher der Vermieter oder die Polizei zuständig.

 

Für mich ist vor allem der Winterdienst eine Herausforderung. Wenn es sehr viel schneit und ich in der ganzen Anlage Schnee schippen muss. An solchen Tagen arbeite ich teilweise bis 21 Uhr. Generell darf ich von Oktober bis April keinen Urlaub nehmen, weil im Herbst und Winter die meiste Arbeit anfällt. An Weihnachten und an den Feiertagen habe ich auch nur frei, wenn es nicht schneit. 

Was gefällt dir an deinem Job ?

Am meisten gefällt mir an meiner Arbeit, dass sie so entspannt ist. Mir macht körperliche Arbeit nichts aus und ich verrichte sehr gerne Gartenarbeit. Tagsüber ist es meistens sehr ruhig. Ich bin einfach da, mache etwas im Garten oder Haus und keiner stresst mich. Es motiviert mich, wenn die Hausbewohner freundlich sind und sich für meine Arbeit auch mal bedanken.

Wie bist du Hausmeister geworden?

Nach meiner Ausbildung zum Industriemechaniker wollte ich mir eigentlich einen Job in der Maschinenbaubranche suchen. Da mein Vater als Hausmeister bei der Bayerischen Versorgungskammer angestellt war, hat er mir geraten, mich dort zu bewerben. Ich hab dann sehr schnell ein Job- und Wohnungsangebot bekommen und mir wurde sogar angeboten, etwas weniger Miete als die anderen Mieter zu bezahlen. Das ist aber nicht immer so. Mittlerweile bin ich dort seit fast sechs Jahren als Hausmeister angestellt.

 

Grundsätzlich ist Hausmeister kein anerkannter Ausbildungsberuf in Deutschland, in der Regel schließt man davor eine technische oder handwerkliche Ausbildung ab. Viele, die ich kenne, sind gelernte Elektrotechniker oder Installateure.

Wie viel verdienst du? 

Ich verdiene 2800 Euro brutto im Monat und das reicht für mich alleine völlig zum Leben.  Alle zwei Jahre gibt es eine kleine Gehaltserhöhung und ich bekomme eine Zusatzrente, weil ich im öffentlichen Dienst angestellt bin.

 

Welche beruflichen Pläne hast du?

Momentan kann ich mir nicht vorstellen einen anderen Job zu machen, weil es mir einfach sehr gut gefällt. Durch meine Ausbildung zum Industriemechaniker bin ich schon eher überqualifiziert, aber das stört mich eigentlich nicht.

 

Welche Frage wird dir immer gestellt, wenn du von deinem Beruf erzählst?

Ich werde oft gefragt, wie alt ich denn sei, die meisten kennen wohl nur ältere Hausmeister. 

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