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Foto: Oliver Hadlee Pearch / freepik / Collage: jetzt.de

Der Weg

Ich habe mit 17 Jahren mit dem Modeln angefangen. Damals wurde ich einfach von einer Fotografin auf der Straße angesprochen und sie hat mich an eine Agentin weitergeleitet. Die fand mich gut und wir haben direkt den Vertrag unterschrieben. Die Agentin war auch wirklich sehr gut, trotzdem war ich nach vier Jahren erst einmal durch mit dem Modeln und habe aufgehört.  

Für diese Agentur war es wichtig, dünn zu sein. Ich sollte 45 Kilogramm wiegen bei einer Größe von 1,72 m und habe daher auch manchmal nichts gegessen. Irgendwann wurde mir klar, dass ich aus der Branche raus musste. Aufgrund von privatem Stress habe ich mir eines Tages die Haare abrasiert. Es folgte eine Zeit, in der ich viel in Berliner Bars gearbeitet habe und ganz happy war. 

Ich bin dann durch einen guten Freund zurückgekommen, der ein super Agent ist. Er hat mich gefragt, ob wir nicht zusammenarbeiten wollen. Ich habe zugesagt und bin wieder ins Business eingestiegen. Dort wurde mir dann auch nicht mehr vorgeschrieben, wie viel ich zu wiegen hatte. Meine abrasierten Haare haben mir wohl auch geholfen, da mein Gesicht dann noch mehr zur Geltung kam. Durch den Agenten habe ich auch die richtigen Leute kennengelernt, um wieder einzusteigen und letztlich hat mich dann einer der besten Fotografen der Welt entdeckt: David Sims. 

David hat viele Shootings mit mir gemacht und mich irgendwann exklusiv gebucht, sodass niemand anderes zu der Zeit Fotos mit mir machen durfte. Durch Davids Arbeit haben mich später irgendwann sehr viele Leute erkannt und gebucht. Ich glaube, ich hatte einfach sehr viel Glück und auch eine Persönlichkeit, die scheinbar gut ankam. 

Dadurch bekam ich auch die Chance für große Kunden zu arbeiten wie beispielsweise Amazon und Zalando. Meine Mutter hat mich damals auf Plakaten überall in Berlin fotografiert. Und ich dachte mir nur so: „Oh Mama, lass das.“

Die Motivation

Ich habe nie darüber nachgedacht zu modeln, sondern bin da einfach so reingerutscht. Eigentlich bin ich nämlich gar nicht so ein Schicki-Micki-Girl. Die optimale Größe zum Modeln habe ich auch nicht unbedingt. Mit meinen 1,72 m bin ich für ein Model relativ klein. 

Der Alltag

Mein Alltag besteht aus vielen Reisen und natürlich der Zusammenarbeit mit den Kunden. Wenn ich arbeite und coole Kunden habe, dann lachen wir auch mal den ganzen Tag. Ab und an gehe ich auch mal zu Castings, allerdings kennen mich meine Kunden meist schon und buchen mich dann einfach direkt.

Ansonsten lebe ich momentan in New York, wo ich viele Freunde habe. Die sind zum Glück alle sehr bodenständig und oft auch nicht im Modelbusiness unterwegs, was für mich ein positiver Einfluss ist. 

Das Gehalt

Es kann sein, dass ich in einem Monat keine Aufträge habe und nichts verdiene, es kann aber umgekehrt auch sein, dass ich einen Job für 30.000 Dollar habe. Je nach Job ist das Gehalt ganz unterschiedlich. Gleichzeitig muss ich aber immer an die Abgaben für Steuern denken, die wirklich einen großen Teil ausmachen. Und dann gibt es noch die Agenturprozente, schließlich will die Agentur auch etwas an mir verdienen. Normalerweise muss ich 20 bis 25 Prozent meines Gehalts an die Agentur abgeben. Bei Jobs in Paris sind es sogar 70 Prozent. Die haben da noch mal ein anderes System. Aber allgemein ist das Gehalt natürlich sehr gut. Ich würde sagen, es liegt über dem eines Rechtsanwalts.

Die Vorteile

Der größte Vorteil am Modelbusiness ist natürlich, dass man gutes Geld verdient. Man kann von dem Gehalt sehr gut leben. Außerdem gefällt mir an dem Job, dass man wirklich viele tolle Menschen trifft. Dabei erlebt und lernt man viel und das formt natürlich auch den Charakter. 

Die Nachteile 

Das Modelbusiness hat natürlich auch seine Schattenseiten. Durch das ganze Reisen verlernt man dieses Privileg zu schätzen, dass man einen Tag in Paris sein kann und am nächsten schon ganz woanders auf der Welt. Man hört leider sogar auf, die gute Bezahlung zu schätzen. Heißt: Wenn der eine Job weniger Geld bringt als der Auftrag zuvor, dann beschwert man sich. Dabei sollte man besser im Hinterkopf behalten, wie viel Geld das noch immer für einen Tag Arbeit ist. 

Es ist nicht mehr so wie es früher, als Models Superstars waren. Heutzutage ist jeder Zweite ein Model und sehr viele Mädchen bekommen diese Chance. Gerade für die jüngeren unter ihnen kann das auch ein Nachteil sein. Denn je jünger man ist, desto größer ist der Einfluss der Agenten auf die eigene Persönlichkeit. Man kann da schon fast von Gehirnwäsche sprechen.

So bekommt man letztlich eine absolut falsche Vorstellung von der Realität und den Werten, die im Leben wichtig sind. Und natürlich auch davon, was Schönheit ist. Als Model sagen einem Agentur und Kunden die ganze Zeit, wie schön man ist und dass man die Beste ist. Zum Glück bin ich ein sehr herzlicher Mensch und habe das immer für Bullshit gehalten. Aber natürlich ist es als junger Mensch dann manchmal schwer, sich von dem ganzen Gerede nicht blenden zu lassen. 

Es kann passieren, dass man dadurch total arrogant wird. Vor allem, wenn man quasi als Kind viel Geld in die Hände bekommt, kann man nicht immer damit umgehen. Und wenn das sich irgendwann wieder ändert, wissen die Wenigsten, wie sie mit der Situation umgehen sollen. Schließlich sind sie es gewöhnt, gut zu verdienen und begehrt zu sein. Das Problem ist, dass sich die Kunden, Agenturen und auch Models an Schönheit gewöhnen. Aber man wird ja auch älter und wer dann nichts im Kopf hat, hat später nichts mehr zu bieten. 

Die Frage, die auf Partys immer kommt

Früher hatte ich keine Lust zu sagen, dass ich Model bin, wenn ich gefragt wurde. Das war mir peinlich. Dann habe ich gesagt, ich studiere Chemie oder sowas. Wenn ich mit jemandem darüber rede, sagen die Leute oft: „Oh Wow, du bist ein Model“. Andere sagen hingegen ironisch: „Jaa genau, du bist Model, ist klar.“

Ich bin viel in Los Angeles und dort reagieren die Leute auf Partys nicht besonders überrascht, wenn ich von meinem Job erzähle. Das liegt daran, dass dort gefühlt jeder Zweite Model ist. In New York ist es noch etwas anders. Wenn dich dort ein Typ auf einer Party anspricht und feststellt, dass du Model bist, dann findet er das meist sehr cool. Da hat es scheinbar einen besonderen Reiz, Models zu daten. Ich habe daran aber überhaupt kein Interesse und versuche die Typen dann schnell loszuwerden. 

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