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Bis zu 2500 Euro brutto für den Zoolotsen

Marcel, 34, hat als Zoolotse nicht nur mit süßen Tieren, sondern auch mit Zoogegnern zu tun.
Protokoll von Maike Frye
  • jobkolumne zoolotse coer
    Fotos: Privat / pixabay / Collage: jetzt.de

Die Aufgaben

Was ein Zoolotse genau macht, ist von Zoo zu Zoo ein wenig unterschiedlich. Die Gemeinsamkeit zwischen allen Zoos ist aber, dass man Führungen macht,  Kindergeburtstage gehören dazu, aber auch Erwachsenenführungen und Betriebsausflüge. Man plant und betreut das Ferienprogramm und setzt Veranstaltungen um. Ein Zoolotse repräsentiert also quasi den Zoo. 

Die Arbeitszeiten

In der Regel bin ich von 9 bis 18 Uhr im Zoo und das auch oft sieben Tage die Woche. Ich betreue zum Beispiel Schulklassen und Kindergeburtstage. Ab und zu fange ich auch um 7.30 an und kümmere mich um Besucher, die einen Tag Tierpfleger sein möchten. Ich zeige denen dann, wie man die Tiere füttert und erkläre ihnen etwas zu der jeweiligen Tierart. Allgemein variieren meine Arbeitszeiten schon oft, auch je nach Jahreszeit. Das bedeutet für mich, dass ich flexibel sein muss. 

Das Gehalt

Da ich schon sehr viel arbeite, komme ich so grob auf 2500 Euro brutto im Monat. Aber natürlich gibt es immer Schwankungen je nach Auftragslage.

 Der Weg dahin

Ich habe mich natürlich schon immer für Tiere interessiert und auch selbst welche gehalten, aber es sind ja oft Zufälle, die einen irgendwo hinführen.  2004 habe ich als Schüler den Nebenjob für den Bereich Service und Führungen auf der Zoo-Webseite entdeckt und gedacht: Das klingt doch cool! Dann hab ich mich dort beworben und durfte tatsächlich auch Führungen machen. So fing es also an.

Bei diesem freiberuflichen Job läuft es ganz nach dem Motto „Wenn du mehr machst, kriegst du auch mehr Geld“. Deshalb habe ich mir nach der Schulzeit im Zoo Dortmund noch ein zweites Standbein aufgebaut und erstmal ein paar Jahre nur als Zoolotse in zwei Zoos gearbeitet. Irgendwann habe ich mitbekommen, dass der Gelsenkirchener Zoo eine Marketingabteilung aufbaut und mir war klar, dass weitere Zoos mitziehen würden. Das war der Anreiz für mein „Journalismus und Public Relations“-Studium in Gelsenkirchen, bei dem ich immer im Hinterkopf hatte, mal in der Kommunikationsabteilung eines Zoos zu arbeiten. Und weil es mir im Studium so gut gefallen hat, habe ich noch den Master „Kommunikationsmanagement“ drangehängt und nebenbei die Social-Media-Kanäle für den Dortmunder Zoo betrieben.

Prägende Erlebnisse mit Tieren

Während meines Masterstudiums habe ich dann mein Praxissemester im Ausland absolviert. Ich wollte mich noch mehr dem Thema Artenschutz widmen. Deshalb bin ich zu einer NGO auf Sumatra gegangen um dort, in Anlehnung an mein Studium, die Kommunikation für diese zu machen. Außerdem habe ich als Guide Touristen durch den Urwald geführt und mit ihnen Orang-Utans beobachtet.  

Im Sinne des Artenschutzes war meine Organisation außerdem dafür zuständig Schlangen zu bergen. Wenn also beispielsweise eine Kobra in einem Haus aufgetaucht ist, sind wir gekommen und haben sie eingefangen, durchgecheckt und dann woanders wieder ausgesetzt. Aber auch Plumploris, das sind kleine Primaten, werden sehr häufig von Privatleuten gefangen gehalten und wurden dann von uns befreit. Die kamen anschließend in die Rehabilitation und mussten von uns aufgepäppelt werden. Nachdem sie jahrelang in Käfigen gesessen haben, waren viele nämlich extrem verstört. Um diesen Tieren zu helfen, habe ich jetzt auch einen Plumplori-Verein gegründet. 

Das Schöne an meinem Beruf

Mir gefällt sehr, dass ich direkten Kontakt zu den Tieren habe, aber auch zu den Menschen. Ich bin sozusagen das Bindeglied zwischen beiden Seiten. Ich möchte, dass es den Tieren gut geht und gleichzeitig die Menschen für das Thema Zoo und Artenschutz begeistern. Das ist etwas, das ich unglaublich toll finde. 

Die Nachteile des Jobs

Der Job ist keiner bei dem man sagen kann: „Das mache ich jetzt noch 30 Jahre so weiter.“ Das hängt mit der Flexibilität und der Freiberuflichkeit zusammen. Im Winter arbeite ich kaum, im Sommer dagegen praktisch drei Monate am Stück, auch am Wochenende. Dann habe ich vielleicht ein bis zwei Tage überhaupt mal frei.  Wobei ich sagen muss, dass es mir auch Spaß macht und ich das Ganze nicht wirklich als Arbeit empfinde. Ich kann mir jedoch vorstellen, dass man sich irgendwann mehr nach einer Routine sehnt. Außerdem muss ich vorab leider immer Geld ansparen, denn wenn ich mal in den Urlaub fahre oder krank werde, bekomme ich durch die Freiberuflichkeit natürlich kein Gehalt. 

Diskussionen mit Zoogegnern

Gerade über meine Social-Media-Tätigkeit komme ich natürlich auch mit Zoogegnern in Kontakt. Für sie sind die Tiere im Zoo eingesperrt und somit ihrer Freiheit beraubt. Das ist eine Betrachtungsweise, die auch viele Besucher teilen, mit denen ich spreche. Meiner Meinung nach ist das aber eine sehr menschliche Betrachtungsweise. Ich beobachte jetzt seit 14 Jahren Tiere, die im Zoo leben und letztlich ist es ja so: Ein Tier hat in der Wildnis auch ein festes Revier, in dem es lebt. Das kann nicht einfach irgendwo hingehen. Plumploris beispielsweise haben ein Revier, das ist ca. so groß wie ein Fußballplatz. Der Plumplori wird aber nicht einfach ins Nachbarrevier gehen, weil es dort leckere Früchte gibt, denn dann gibt es einen Kampf.  Hier sind die Grenzen klar gesteckt. 

Tiere sind also in der Wildnis überhaupt nicht frei. Die meisten leben in festen Revieren. Löwen in der Serengeti können zum Beispiel ihren Beutetiere nicht einfach folgen, wenn diese zu ihren großen Wanderungen aufbrechen. Denn ihr Aktionsradius wird durch die Reviergrenzen anderer Löwen eingeschränkt. Und ein Zootier sieht ja sein Gehege auch als sein Revier an.

Der Schweizer Zoodirektor Heini Hediger hat mal gesagt, dass sich Tiere nicht als Gefangene sehen, sondern als Grundbesitzer. Die Zäune im Zoo sind auch nicht für die Tiere, die würden eh bleiben, sondern dafür, dass die Menschen sie nicht stören. Viele Tiere könnten sogar aus ihrem Gehege raus, machen es aber nicht. Schließlich ist es ihr Zuhause und sie haben da Futter und ihre Familie. Die Motivation, das Gehege zu verlassen, ist also gar nicht vorhanden. Trotzdem muss man die Tiere natürlich gut halten und sie beschäftigen. Das sollte aber selbstverständlich sein.

Die Frage, die immer auf Partys kommt

Die meisten sagen immer: „Oh wie cool, du arbeitest im Zoo? Dann komme ich auch mal vorbei!“ Man wird auch sehr oft gefragt, ob wir nicht mal zusammen eine Runde im Zoo drehen können. Das mache ich natürlich immer gerne. Außerdem interessiert die Leute, mit welchen Tieren ich so zu tun habe. Das ist das Positive. Es kommt aber auch häufig Kritik. Ich ernähre mich vegan und für viele passt diese Lebensweise nicht mit der Arbeit in einem Zoo zusammen. Da kommen dann auch mal abwertende Kommentare nach dem Motto: „ Wie kannst du das unterstützen? Das ist ein Tierknast.“ Man kann also sagen, die Reaktionen auf meine Arbeit schwanken zwischen „Oh cool“ und „Oh man“.  

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