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Grafik: jetzt; Foto: privat

Die Ausbildung

Ich habe einen Magister in Kunstgeschichte, Philosophie und Kunstpädagogik gemacht. Während des Studiums habe ich schon für Kunstinstitutionen gearbeitet: Zunächst habe ich ein Praktikum beim Frankfurter „Städel Museum“ gemacht und dann als Werkstudentin dort weitergearbeitet. Auch bei der DZ BANK Kunstsammlung war ich zunächst studentische Mitarbeiterin, heute arbeite ich frei für sie.

Das Geld

Als Freiberuflerin habe ich natürlich kein festes Gehalt und je nach Auftragslage kann das zwischen 1700 und 2500 Euro brutto im Monat schwanken. Ich bekomme für eine Stunde Führung 40 bis 65 Euro. Das klingt vielleicht erstmal nach einem tollen Stundenlohn, aber die Zeit, die ich zur Vorbereitung brauche, kommt noch hinzu. Und die kann bei einer neuen Sonderausstellung auch mal mehrere Arbeitstage umfassen. Da sollte man sich den tatsächlichen Stundenlohn besser nicht ausrechnen. Reich werde ich dadurch also nicht, aber im Großen und Ganzen kann ich selbst in einer Stadt wie Frankfurt gut davon leben. Und am Ende zählt für mich, dass ich meinen Job wirklich gerne mache. Das ist mir wichtiger als ein Topgehalt.

Die Frage, die auf Partys immer gestellt wird

„Du bist dann also die, die uns die Kunst erklärt?“ So sehe ich mich selbst überhaupt nicht. Bei Führungen ist mir zum Beispiel ein Dialog sehr wichtig. Ich finde es toll, wenn mir Fragen gestellt werden. Auch die für manche Kollegen vielleicht nervige Frage „Warum soll das jetzt Kunst sein?“ finde ich sehr interessant. Denn Fragen drücken immer Neugierde und Diskussionsbereitschaft aus. Ich sehe mich auch nicht als Wissensvermittlerin, sondern möchte Menschen einen Zugang zur Kunst ermöglichen. Ich habe meinen Job dann richtig gut gemacht, wenn Menschen mich nach einer Führung eigentlich gar nicht mehr als Vermittlerin brauchen, aber trotzdem noch mal buchen, weil es mit mir mehr Spaß macht.

Das Privatleben

Ich habe noch Freunde, Hobbys aber nicht mehr. Es ist tatsächlich so, dass ich auch nebenher viele Kunst-Events besuche und somit selbst abends irgendwie für die Arbeit unterwegs bin. Das ist aber eigentlich toll, da gerade auf solchen Veranstaltungen die „Bubble“ Kunst auch mal aufgebrochen wird und man Kunst auf neue Weise entdeckt. Dabei sammele ich auch immer wieder Inspirationen für meine eigenen Führungen oder Workshops. Meine Freunde nehme ich auch oft mit zu meinen Führungen, um ehrliches Feedback zu erhalten. Früher habe ich sie sogar an ihnen erstmal ausprobiert.

Die Arbeitszeiten

Wenn ich möchte könnte ich 24/7 arbeiten, da Museen schließlich auch am Wochenende geöffnet haben. Nachtschichten kommen auch mal vor, wenn ich abends noch eine Buchung für den nächsten Tag bekomme und ich mich vorbereiten muss. Außerdem muss ich als Freiberuflerin immer erreichbar sein. Das kann auch anstrengend sein und manchmal würde ich mir etwas geregeltere Arbeitszeiten wünschen. Deswegen versuche ich mir Montag, den Tag, an dem Museen geschlossen haben, freizuhalten.

Die Motivation

Ich liebe es, dass ich jeden Tag etwas Neues lerne – und nicht nur über Kunst, sondern vor allem auch über Menschen. Denn ich habe mit sehr unterschiedlichen Gruppen von Personen zu tun – von Schulkindern bis hin zu Bankern. Seit ich Führungen gebe, habe ich viele Vorurteile abgebaut und bin immer wieder fasziniert über die unterschiedlichen Herangehensweisen an Kunst, die Menschen haben. Besonders stark merke ich das, wenn ich Workshops für Schulklassen gebe, da der Blick von Kindern auf Kunst noch sehr unvoreingenommen ist. Für mich ist es immer wieder schön an diese unschuldige Betrachtungsweise von Kunst erinnert zu werden.

Die abgedrehte Kunstwelt 

Viele der Klischees über extravagante Menschen in der Kunstwelt kann ich nicht bestätigen. Die meisten Leute in meinem Umfeld sind überhaupt nicht abgehoben, sondern ganz normal. Denn viele Aufgaben im Museums- und Kunstbetrieb sind sehr organisatorischer Natur und unterliegen einer sehr geregelten Struktur. Allerdings arbeite ich auch für große Institutionen und nicht für Galerien. Über den kommerziellen Kunstbetrieb kann ich leider keine Aussage treffen.

Aussichten

Es wäre schön, einen festen Kundenstamm zu etablieren und damit auch eine sicherere Auftragslage und geregeltere Arbeitszeiten zu haben. Ich könnte mir aber auch vorstellen irgendwann wieder an die Uni zurückzugehen, um zu promovieren und zu lehren. Schließlich kann man auch in Seminaren Kunst vermitteln und mit Studenten diskutieren.

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