Etwa 6500 Euro brutto Einstiegsgehalt für die Pilotin

Johanna, 33, arbeitet seit acht Jahren als Co-Pilotin bei Lufthansa.
Protokoll von Mercedes Lauenstein

Foto: Lufthansa; Bearbeitung: jetzt

Der Wunsch

Ehrlich gesagt wusste ich nach dem Abitur überhaupt nicht, wohin mit mir. Zum Fliegen hatte ich gar keine Verbindung, da ich aus der Oberpfalz komme und der nächste Flughafen immer gute zwei Stunden von zu Hause entfernt war. Ich habe erstmal wie fast jeder aus meinem Jahrgang angefangen zu studieren, unter anderem Mathematik mit Nebenfach Wirtschaft. Aber ich konnte mich nicht wirklich dafür begeistern. Ich wusste eigentlich nur eines ganz sicher: dass ich unbedingt die Welt kennenlernen wollte. Weil die Schwester meines Schwagers Flugbegleiterin war und davon schwärmte, habe ich mich einfach als Flugbegleiterin bei Lufthansa beworben und wurde auch gleich genommen. Als Flugbegleiterin darf man dann ja auch mal ins Cockpit schnuppern. Es klingt verrückt und ich kann es auch gar nicht weiter erklären, aber als sich mir die Cockpit-Tür öffnete, wusste ich es plötzlich: Ich will Pilotin werden.

Die Ausbildung

Viele glauben, man brauche nahezu übermenschliche Fähigkeiten, um überhaupt an der Flugschule angenommen zu werden. Aber das stimmt gar nicht. Wichtig sind natürlich Intelligenz, Gesundheit und eine gewisse Körpergröße, damit man zum Beispiel gleichzeitig die Pedale erreichen und an die Knöpfe und Schalter an der Decke fassen kann. Ich glaube, was viele Bewerber abschreckt, ist, dass man schon ein recht breites Grundwissen braucht, beziehungsweise einfach ein sehr universales Denkvermögen. Es reicht nicht, Inselbegabungen zu haben, man muss schon in allen Themenbereichen gleich gut sein, unter anderem in Mathe, Physik, Englisch – also diese typischen Mittelstufen-Fächer. Die Herausforderung liegt aber darin, dass man in all diesen Fächern einfach noch ein ganz kleines bisschen über dem Durchschnitt liegen muss, gar nicht besonders viel. Das ist machbar. Dazu kommen ein gutes räumliches Vorstellungsvermögen und die Fähigkeit, mehrere Dinge gleichzeitig abarbeiten zu können, ohne eine Aufgabe komplett zu vernachlässigen.

Als Frau in einem (noch) Männerberuf

Leider gilt der Pilotenberuf immer noch bei vielen als Männerberuf. Völlig zu Unrecht, denn es gibt rein gar nichts an diesem Job, das eine Frau nicht genauso gut könnte. Ich kann also wirklich nur jeder Frau, die sich für das Fliegen interessiert, sagen: Mach es unbedingt! Es ist so ein toller Beruf und es braucht darin viel mehr weibliche Rollenvorbilder. Ich finde es jedenfalls immer wahnsinnig erfrischend, wenn ich in den Genuss komme, mit einer Kapitänin zu fliegen. Leider ist es in meinen acht Jahren, die ich jetzt schon fliege, erst zwei Mal vorgekommen. Nur etwas mehr als sechs Prozent aller rund 11 000 Piloten in der Lufthansa Group sind weiblich, bei Lufthansa sind es sieben Prozent und damit 330 Cockpit-Kolleginnen. Auch ich hatte den Beruf ja als Mädchen und junge Frau lange gar nicht auf dem Schirm. Meine männlichen Kollegen hingegen berichten oft, sie hätten schon mit sechs Jahren gewusst, dass sie einmal Pilot werden wollen. Wegen Familiengründung muss sich übrigens auch keiner Sorgen machen, die Schichtpläne sind sehr flexibel und soweit möglich super auf die eigenen Bedürfnisse abzustimmen. Ich kenne übrigens auch Pilotenpärchen mit Kindern, die sich mit dem Fliegen gleichberechtigt

abwechseln.

Das Gehalt

Aber das Fixgehalt bei Lufthansa liegt in der Einstiegsstufe bei etwa 66 000 Euro brutto. Inklusive variabler Vergütungsbestandteile wie Urlaubsgeld, durchschnittliche Mehrflugstundenvergütung und Ergebnisbeteiligung bekommt man etwa 78 000 Euro, dazu kommen noch Spesen. Lufthansa Kapitäne in der höchsten Vergütungsstufe können ein Fixgehalt von bis zu 285 000 Euro inklusive variabler Vergütungsbestandteile und zuzüglich Spesen erreichen.

Die Herausforderungen

Natürlich sollte man schon eine Faszination fürs Reisen mitbringen, das ist klar. Die Dienstpläne sind zwar flexibel und es gibt auch die Möglichkeit, nur Kurzstrecke zu fliegen, aber es gehört auch zu diesem Beruf, viel unterwegs zu sein und oft auswärts zu schlafen. Ich finde das aber super, jenseits des nine-to-five-Lebens. Wichtig ist auch, sein Immunsystem gut fit zu halten, denn das Fliegen und die unterschiedlichen Zeitzonen sind schon eine Belastung für den Körper. Wenn ich das regelmäßige Joggen und die gesunde Ernährung ein bisschen schleifen lasse, merke ich das schnell.  Als Flugbegleiter oder Pilot darf man wegen des Druckausgleichs selbst mit einer Erkältung nicht fliegen, da muss man auf sich achten.

Die Lieblingsstrecke

Noch fliege ich auf der sogenannten Kurz- und Mittelstrecke, vor allem europaweit und maximal vier bis fünf Stunden am Stück. Hin und wieder fliege ich auch etwas weiter entfernte Ziele an, wie zum Beispiel Tunesien und Ägypten im Norden Afrikas oder es geht in den Nahen Osten Richtung Libanon, Jordanien oder Israel. Wir übernachten an tollen Zielen, die ich privat vielleicht nie bereist hätte und es bleiben oft auch ein paar Stunden Freizeit, um sich vor Ort die Stadt anzusehen. Ich habe natürlich mittlerweile überall so meine Lieblingsplätze und weiß also, was ich wo am liebsten mag. Das vermisse ich dann auch schnell, wenn ich länger nicht dorthin fliege. Ich weiß zum Beispiel, wo ich in Italien am besten esse, welche Strandbar in Barcelona super ist, oder wo ich in Madrid am besten einkaufe.

Gute Momente vs. schlechte Momente

Weil ich neben dem reinen Fliegen auch Büroarbeit bei der Lufthansa Flotte mache, wo wir uns in einem Team aus Piloten zum Beispiel um operationelle Dinge, wie Anflüge neuer Flughäfen oder die Interessensvertretung der Piloten innerhalb des Konzerns kümmern, war ich gerade einige Wochen lang nicht in der Luft. Gerade jetzt im Winter merke ich dann, wie sehr mir die Sonne in 10 000 Metern Höhe fehlt. Dieser Moment, wenn man nach dem Start die Wolkendecke durchbricht, ist unbezahlbar. Überhaupt liebe ich die Sonnenauf- und untergänge aus der Luft. Dementsprechend weniger angenehm sind schlechte Wetterbedingungen bei Start und Landung oder medizinische Zwischenfälle an Bord. Aber wir sind für alles bestens ausgebildet und vorbereitet und gerade die Abwechslung macht das Fliegerleben so interessant, abwechslungsreich und nie langweilig.

Die Frage, die auf Partys immer gestellt wird

Ganz ehrlich, ich bin schon ein bisschen stolz erzählen zu können, dass ich Pilotin bin. Nicht nur, weil ich die Ausbildung gemeistert habe, sondern auch, weil es für viele noch immer ein total faszinierender Beruf ist. Oder vielleicht auch wieder? Denn durch die neuen Sicherheitsbestimmungen bekommt ein Passagier heutzutage gar keinen Einblick mehr ins Cockpit. Wenn also auf Partys die Berufsfrage aufkommt, prasseln die Fragen nur so auf mich ein und alle wollen es ganz genau wissen. Am häufigsten werde ich aber gefragt, ob ich noch Co-Pilotin bin oder schon Kapitänin. Das entlockt mir doch immer wieder ein kleines Schmunzeln. Ich erkläre dann, dass ich zwar noch Co-Pilotin bin, das aber in der Flugpraxis gar keinen großen Unterschied macht. Wir sprechen uns zu Beginn der Tour ab, wer als sogenannter „Pilot Flying“ – also fliegender Pilot – aktiv das Flugzeug steuert und wer die Aufgabe des „Pilot Monitoring“, des überwachenden Piloten, übernimmt. Das ist dann quasi in die eine Richtung der „Co“, in die andere der Kapitän. Aus Sicherheitsgründen sind die Hierarchien im Cockpit ohnehin so gut wie abgebaut, auch wenn die finale Entscheidungsgewalt und die Verantwortung für den Flieger natürlich beim Kapitän liegen.

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