[object Object]

Foto: Clara Rechenberg, Tierheim Berlin; Bearbeitung: jetzt

Die Frage, die auf Partys immer gestellt wird

„Wie gehst du mit all dem Leid um?“ Das ist meistens das Erste, woran Menschen denken, wenn sie hören, dass ich im Tierheim arbeite: das Leid der Tiere. Das ist aber nur die halbe Wahrheit. Manchmal sind es zwar wirklich sehr schlimme Geschichten und es ist nicht immer leicht zu wissen, wie einige Menschen ihre Tiere behandeln, aber es gibt auch ganz andere Gründe, warum die Tiere hier zu uns ins Heim kommen. Zum Beispiel, wenn sich die Lebensumstände der Menschen verändern: Jemand hat in seinem neuen Job keine Zeit mehr für das Tier, eine Familie erwartet ein Kind oder der Besitzer ist verstorben. Egal was es ist, ich möchte den Tieren den Aufenthalt hier so schön wie möglich machen und ihnen schnell ein liebevolles, neues Zuhause finden – das ist mein Antrieb.

Die Anfänge

Als Kind habe ich immer alle Tiere, die mir zugelaufen sind oder die ich verletzt gefunden habe, mit nach Hause gebracht – meine Eltern sind fast wahnsinnig geworden – aber daher wusste ich schon sehr früh, das Tierpflegerin genau mein Ding ist. Mit 13 fing ich dann an, Hunde auszuführen. Dabei habe ich gemerkt, wie sehr ich Hunde und die Arbeit mit ihnen liebe. Nach der Schule entschied ich mich für eine Ausbildung zur Tierpflegerin und speziell für die Fachrichtung „Tierheim und Tierpension“. In den drei Jahren lernt man alles über die einzelnen Tierarten, über ihre Haltung, Pflege, Fütterung, Krankheiten und auch wie die Vermittlung abläuft. Mittlerweile arbeite ich seit zwei Jahren im Tierheim und obwohl der Alltag sehr strukturiert ist, wird es nie langweilig.

Der typische Arbeitstag

Mein Tag im „Struppihaus“ – der Bereich der Hundevermittlung – beginnt immer um Viertel vor acht. Als Erstes gehe ich eine Runde durch die einzelnen Häuser und gucke, ob es allen Tieren gutgeht, und bereite dann das Futter vor. Nach der Fütterung setze ich die Tiere in die Ausläufe und reinige die Boxen. Nach dem Mittag kommen die Kunden, um sich die Tiere anzusehen und ich beantworte Fragen oder führe Interessentengespräche. Ab 15.30 Uhr muss ich dann wieder das Futter für die Abendfütterung vorbereiten. Hier bei uns gibt es keinen Schichtdienst, aber natürlich müssen die Tiere auch an den Wochenenden und an Feiertagen

versorgt werden. Zwei Tage in der Woche sind Ruhetage, an denen kommen keine Kunden und wir haben besonders viel Zeit für die Hunde – da wird gespielt, gekuschelt und auch trainiert. Manchmal testen wir, wie sich die Hunde untereinander verstehen und ob sie zusammenleben können. Je mehr wir über die Tiere und ihr Verhalten wissen, umso besser lassen sie sich vermitteln.

Die Voraussetzungen

Es reicht nicht, einfach nur tierlieb zu sein, um als Tierpflegerin zu arbeiten. Natürlich ist das auch ein großer Teil des Berufs, aber mindestens genauso wichtig ist eine gute Menschenkenntnis. In den Kundengesprächen muss man herausfinden, ob der Hund und seine Bedürfnisse zu einer Person und ihren Vorstellungen passen könnten. Außerdem sollte man, was die Arbeitszeiten angeht, sehr flexibel sein und auch körperliche Fitness ist wichtig, denn die Arbeit mit den Tieren oder das Reinigen der Boxen ist wirklich anstrengend. Dabei sollte man besser auch keine Hemmungen oder Ekel haben

Das Schöne und das nicht so Schöne

Die Beziehung zu den Tieren ist wirklich sehr eng und oft denke ich mir: „Am liebsten würde ich euch alle mit zu mir nehmen und behalten.“ Das geht natürlich nicht – auch, weil ich schon drei Hunde aus dem Tierheim habe –, aber ich finde, jeder Hund hat eine zweite Chance verdient und ich würde mir wünschen, dass mehr Menschen erst einmal gucken, was für Tiere im Tierheim leben, bevor sie einen „neuen“ Hund beim Züchter holen. Gleichzeitig ist es für mich manchmal aber auch sehr schwer, wenn ein Hund abgeholt wird, weil er mir fehlen wird. Aber die Freude, dass er jetzt ein neues Zuhause hat, überwiegt natürlich.

Das Geld

Ich verdiene brutto etwa 1.910 Euro im Monat. Je nachdem, wie viele Feiertage oder Wochenenden ich in einem Monat arbeite, kommen da noch Zuschläge oben drauf. Das Gehalt ist häufig auch davon abhängig, wie groß die Tierheime sind. In kleineren Betrieben bekommt man meistens weniger Geld. Man wird als Tierpflegerin nicht reich, das war mir auch immer klar, aber ich kann gut davon leben und ich mache den Beruf aus Leidenschaft.