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Rund 2900 Euro brutto für die Zugbegleiterin

Sandra, 26, erklärt uns, wie sie mit Schwarzfahrern umgeht. Und wie man sich merkt, wer in den Zug neu eingestiegen ist.
Protokoll von Viktoria Klimpfinger
  • job zugbegleiterin cover
    Foto: Privat

Die Idee

 

Ich bin im August 2017 aus dem Einzelhandel zur Deutschen Bahn gewechselt. Davor war ich bei einem Discounter. Ich kümmere mich besonders gerne um Kunden und spreche mit den Menschen. Dafür blieb in meinem Job beim Discounter nur wenig Zeit. Als ich hier in München die Stelle als Zugbegleiterin ausgeschrieben sah, dachte ich mir: Da kommt alles zusammen, was mir wichtig ist: reisen, die Welt entdecken und natürlich der direkte Kontakt zu Kunden.

Die Ausbildung

 

Die Schulung dauerte zehn Wochen. Im Praxisteil hatten wir zum Beispiel einen Sicherheitskurs, in dem wir lernten, wie man den Zug evakuiert oder was man im Brandfall macht. Wir übten an einem abgestellten Zug. An verschiedenen Stellen waren Feuer-Piktogramme angebracht, die symbolisierten, wo es brennt. Die Trainer übernahmen die Rolle der Fahrgäste, die wir evakuieren mussten. Wir nahmen die Feuerlöscher aus der Halterung und taten so, als würden wir das angebliche Feuer löschen. Auch die Lautsprecherdurchsagen haben wir an den unterschiedlichen Sprechanlagen geübt. Der theoretische Teil umfasste tarifliche Fragen, den Bahnbetrieb, den technischen Aufbau der Züge. Danach konnten wir das alles in ersten Praxisfahrten anwenden. 

 

Der typische Arbeitstag

 

Den Plan, wann ich wohin fahre, bekomme ich zwei Monate im Voraus. Ich fahre morgens oder nachmittags zur Dienststelle und bereite mich vor: Ich richte meine Geräte ein, mein mobiles Terminal und meine restlichen Arbeitsutensilien. Dann bekomme ich den Arbeitsauftrag für den Tag. Anschließend treffe ich meinen Chef und wir bereiten den Zug vor: Wir legen Reisepläne aus und beantworten schon mal die ersten Fragen der Fahrgäste. Vor der Fahrt fertigen wir den Zug ab. Das heißt: Jeder von uns hat einen Bereich des Bahnsteigs zugeteilt, den er im Auge behalten muss. Bevor die Türen zugehen, geben wir ein Pfeifsignal und spielen die Bandansage ab, die zum Einsteigen auffordert. Dann kontrollieren wir, ob die Türen ordnungsgemäß geschlossen sind und achten von unserer Tür aus darauf, dass niemand mehr an den Zug herantritt.

 

Während der Fahrt kümmern wir uns vor allem um die Ticketkontrolle. Der gastronomische Service gehört aber auch zu meinen festen Aufgaben. Diesen führe ich in Absprache mit den anderen Kollegen an Bord gemeinsam durch. Wir helfen uns da gegenseitig. Wenn ich mit der Ticketkontrolle durch bin, kann ich ja auf dem Rückweg zum Beispiel leere Tassen und Gläser mitnehmen.  

 

Im Moment fahre ich mit unterschiedlichen Zugchefs, um von jedem etwas zu lernen. Später kann ich auch mit einem fixen Teampartner fahren. Unsere Schichten wären dann parallel und ich wäre somit regelmäßig die zweite Hand des Zugchefs.

Das Privatleben

 

Für mich ist der Job durchaus mit meinem Privatleben vereinbar. Es freut mich sehr, dass mein Partner absolut kein Problem damit hat, wenn ich in einer anderen Stadt übernachten muss oder auch mal eine Nachtschicht habe. Wir haben uns vor Kurzem sogar einen Hund geholt. 

 

Das Reisen

 

Teilweise habe ich Schichten, durch die ich nur zwei, drei Stunden in einer Stadt bin oder erst um 23 Uhr ankomme. Da gibt’s kaum Zeit für Sightseeing. Ich habe aber auch Schichten, bei denen ich um 18 Uhr ankomme und die jeweilige Stadt in Ruhe erkunden kann. Oder zumindest die Bahnhofsnähe. Wenn ich eine Übernachtung habe, ist mein Hotel fast immer in der Nähe des Bahnhofs. Falls es weiter weg ist, bekomme ich Gutscheine für die Taxifahrt. Das Finanzielle übernimmt komplett die Deutsche Bahn. Ich muss im Hotel eigentlich nur mehr kurz Bescheid sagen, mit welchem Zug ich von welchem Standort gekommen bin, und kann direkt einchecken. Manchmal bekomme ich am nächsten Morgen auch ein kleines Frühstück.

 

Die Kundenbetreuung

 

Oft kann man die Fahrgäste schon mit kleinen Gesten überraschen und animiert sie zu einem Lächeln oder einem „Danke“. Zum Beispiel, wenn ich älteren Fahrgästen mit ihrem Gepäck oder beim Aussteigen helfe. Das ist ein Aspekt des Jobs, der mir große Freude macht.

 

Wenn unser Zug Verspätung hat, kann der Zugchef das bei den Anschlusszügen melden. Wir geben den Fahrgästen dann Bescheid, ob ihre Züge auf sie warten. Falls nicht, schauen wir nach, welcher Zug die beste Alternative für sie wäre. Wir haben die Zeit zwar immer im Blick, aber bei einer Verspätung fragen die Fahrgäste ohnehin sehr schnell von selbst nach, ob sie ihren Anschlusszug noch erwischen. Etwa fünf Minuten vor Ankunft geben wir über die Lautsprecher Bescheid, wie sie zu den nächsten Zügen kommen.

 

Es gibt ab und zu auch Fahrgäste, die zum Beispiel heimlich auf der Toilette rauchen. Das ist natürlich streng verboten. Erst vor Kurzem habe ich bei der WC-Kontrolle Zigarettenstummel gefunden. Zwar kann man im Nachhinein nichts mehr tun, aber viele Zugchefs machen dann eine Durchsage, dass die Züge rauchfrei sind – auch auf den Toiletten. Auf frischer Tat ertappt habe ich aber noch niemanden.

 

Die Schwarzfahrer

 

Bei der Ticketkontrolle war es am Anfang echt schwer, sich zu merken, wen man schon kontrolliert hat und wer neu zugestiegen ist. Denn wir fragen natürlich nicht immer wieder aufs Neue jeden einzelnen Fahrgast. Mit der Zeit entwickelt man aber einen Blick dafür. Wie das funktioniert, kann ich gar nicht genau sagen. Manchmal sind es eben die grünen Hosen oder die schrillen Haare, die im Gedächtnis bleiben. Man merkt sich nicht wirklich jedes Gesicht, aber man hat ein Bild davon im Kopf, wie das Abteil ungefähr bei der letzten Kontrolle ausgesehen hat, und dann stechen neue Fahrgäste hervor.

 

Die Tickets kann man auch direkt bei uns im Zug kaufen. Wenn also jemand von sich aus auf mich zukommt und nach einer Fahrkarte fragt, gibt es da keine Probleme. Wenn aber Leute ohne Ticket offensichtlich herumdrucksen und ich das Gefühl habe, sie gehen mir absichtlich aus dem Weg, dann muss ich eine Rechnung fürs Schwarzfahren ausstellen. Die Strafe dafür beträgt mindestens 60 Euro, ist aber von der Strecke und vom Zug abhängig. Ich muss mir das zum Glück nicht selbst ausrechnen – das übernimmt mein mobiles Terminal für mich. So richtig ausfällige Gäste hatte ich noch nicht, die meisten sehen die Strafe ein. Einmal konnte ich allerdings die Daten nicht aufnehmen, weil der Pass der Fahrgäste nicht entzifferbar war. Da musste sich dann die Polizei am nächsten Bahnhof verständigen.

 

Wir haben außerdem oft  Bundespolizisten an Bord, die auf dem Weg in die Arbeit oder auf dem Heimweg sind. In Uniform fahren sie nämlich kostenlos. Wenn ich sie im Zug sehe, frage ich sie immer, wie weit sie mitfahren, damit ich mich in einem Notfall an sie wenden kann. Sollte es zu einem Zwischenfall kommen, wird außerdem das Sicherheitspersonal der Deutschen Bahn benachrichtigt, das dann am nächsten Bahnhof einschreiten kann. 

 

Das Geld

 

Es ist schwierig, das Gehalt als festen Wert zu nennen, weil ich Schichtzulagen, Wochenendzulagen und Nachtzulagen bekomme. Ungefähr verdiene ich als Zugbegleiterin rund 2.900 Euro brutto im Monat.

 

Die Frage, die auf Partys immer gestellt wird

 

Oft werde ich gefragt, ob ich den ganzen Tag nur Tickets kontrolliere. Das ist aber ein total falsches Bild von dem Job, weil wir ja für die komplette Fahrt und den Service mitverantwortlich sind.

 

 

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