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Foto: pollography / photocase.de; Bearbeitung: jetzt

Liebe Mädchen,

Ich habe es neulich schon mal erwähnt: Was Orgasmen angeht, sind wir Jungs im Vergleich zu euch sehr unterkomplex. Wir kommen eigentlich immer, wenn wir es darauf anlegen (und manchmal sogar, wenn wir damit gerne noch ein wenig warten würden). Unser Orgasmus ist also eine Konstante in unserem Sexleben, die eigentlich keine weiteren großen Fragen aufwirft. Außer es funktioniert aus gesundheitlichen Gründen nicht, aber das ist ein anderes Thema.

Bei euch ist das nach allem, was man so hört, ja ganz anders. Eure Komm-Quote ist im Vergleich zu unserer bemitleidenswert. Die Wege, auf denen ihr zu eurem Höhepunkt kommt, sind verschlungener. Was bei uns ein kurvenloser Highway ist, ist bei euch eher ein Labyrinth. Da muss man erstmal den richtigen Weg finden und herumprobieren, bis man weiß, wie man ankommt. Und dann ist das auch noch bei jeder von euch ein bisschen anders! Die eine braucht es so, die andere so, die dritte wieder anders. Auch die Intensität und Art eurer Orgasmen kann sich angeblich unterscheiden.

All das führt mich zu einer Frage: Woher wisst ihr eigentlich, dass ihr gekommen seid? Habt ihr da manchmal Zweifel? Schließlich habt ihr – zumindest die Nicht-Squirterinnen unter euch, die ich deutlich in der Überzahl vermute – keine eindeutig sichtbaren Anzeichen für euren Orgasmus.

Und gerade am Anfang eurer sexuellen Karriere, so denke ich mir, ist doch da sicher manchmal die Frage im Raum: War das jetzt schon ein Orgasmus oder nur ein Rantasten? Und wenn’s einer war, war der eher Champions League oder Kreisliga C? Müsst ihr euch erst mal durch Selbstbefriedigung Klarheit verschaffen, um dann beim Sex mit Partner zu erkennen, wann es soweit ist? Oder würde das auch gar nichts bringen, weil die selbst- und fremdverursachten Höhepunkte sich sowieso unterscheiden?

Oder sind all diese Fragen einfach totaler Quatsch?

Eure Jungs

Mädchenantwort

Mädchenantwort

Collage: jetzt.de

Liebe Jungs,

eure Frage klingt für viele Frauen furchtbar banal. Schließlich, so sagen sie, weiß man natürlich, wann es soweit ist. Euer Orgasmus ginge ja auch nicht unbemerkt an euch vorbei. Warum also sollten wir unseren nicht einordnen können? Nicht mehr so banal klingt eure Frage allerdings, wenn man sie etwas abgeändert aus Perspektive einer Frau stellt: „Woher weiß ich, ob ich gekommen bin?“ Allein die Suchergebnisse bei Google zeigen: Es gibt eben doch viele Frauen, die sich wundern, ob sie eigentlich schon mal einen Orgasmus erlebt haben oder nicht.

Diese Frage kommt (wie ihr richtig vermutet habt) vor allem in der Zeit auf, in der eine Frau oder ein Mädchen erste sexuelle Erfahrungen macht. Denn den wenigsten von uns ist ein Orgasmus bei den ersten Malen (egal ob Masturbation oder Sex mit dem Partner) vergönnt. Meistens dauert es eine ganze Weile bis zur Orgasmus-Premiere, manchmal ergibt sie sich sogar erst im späten Erwachsenenalter.

Man weiß zu dem Zeitpunkt ja noch nicht, auf welches Gefühl man eigentlich wartet

Bis dahin gibt es aber eben auch andere Momente, in denen es sich untenrum irgendwie besonders super anfühlt. Von denen kann man schon mal vermuten, dass die vielleicht ein Orgasmus seien. Schließlich weiß man zu dem Zeitpunkt ja noch nicht, auf welches Gefühl man eigentlich wartet.

Andersrum gibt es sicherlich auch Frauen mit, sagen wir, moderaten Orgasmen, die denken, sie hätten vielleicht noch gar keinen gehabt. Die zweifelnd auf das große Feuerwerk mit Ganzkörperverkrampfungsanfall warten.

Solche Unsicherheiten dürften eigentlich auch gar nicht überraschen: Schließlich inzensieren Medien weibliche Orgasmen oft als unglaubliche, weltverändernde Erfahrungen. Bei so viel Fuzz um die Sache, fragt man sich doch natürlich auch mal: Reden die echt von dem Gefühl, das ich so auch schon erlebt habe? Warum brülle ich dann nicht so wie die?

Eigentlich wäre die Frage also auch gut als Mädchen-Mädchen-Frage gewesen. Denn so ein weiblicher Orgasmus ist eine hochindividuelle Angelegenheit, die bei jeder Frau ein bisschen anders aussieht.

Zweifel regen sich, wenn man seinen eigenen Orgasmus mit dem anderer Frauen vergleicht

Manche kommen öfter und schneller, manche brauchen lange und kommen nur selten bis nie. Manche brauchen einen Partner oder eine Partnerin dafür, manche können dagegen nur sich selbst dabei gebrauchen. Viele kommen über die Klitoris, andere vaginal, und wieder andere über anale Stimulation. Manche Orgasmen sind dabei wahnsinnig intensiv, manche fast schon enttäuschend lasch. Letzteres kennt ihr ja auch (zumindest ein bisschen) von euch selbst, oder? Nicht jeder Orgasmus ist gleich.

Während es einen manchmal richtig durchschüttelt, sich die Füße verkrampfen und man in Ekstase verzückt aufschreit, macht sich in anderen Fällen eher ein subtiles, bitzelndes Gefühl am Kitzler breit, das von dort aus warm in den restlichen Körper ausstrahlt. Man genießt es mal in absolutem Stillstand, mal mit sanften Bewegungen des Beckens.

Und normalerweise, wenn man ein solch erfüllendes Gefühl der einen oder der anderen Art hatte, denkt man dann bei sich: „Ja, ich bin gekommen.“ Und wahrscheinlich ist es dann auch so.

Und trotzdem regen sich manchmal Zweifel. Nämlich vor allem dann, wenn man seinen eigenen vermeintlichen Orgasmus mit dem anderer Frauen vergleicht. Wenn ich beispielsweise sehe, wie Pornodarstellerin teilweise abgehen. Oder wenn ich mal wieder von erogenen Zonen höre, die bei mir noch nie irgendwas an Erregung, geschweige denn einen Orgasmus ausgelöst hätten.

Es gibt ein Indiz, das uns relativ verlässlich sagen kann, ob es das nun war oder nicht

Oder anders, wenn meine Freundin, die glaubt, noch nie einen Orgasmus gehabt zu haben, mit dem Thema auf mich zukommt. Sie erzählt dann, dass sie schon oft so ein tolles Gefühl gehabt habe, aber eben nicht glaube, dass es das schon gewesen sei. Halte ich also für einen Orgasmus, was in Wahrheit nur Vorgeplänkel ist?

Ich bin deshalb nicht sicher, ob ich wirklich zu einhundert Prozent WEISS, dass ich gekommen bin. Schließlich kann ich es nicht sehen wie bei euch. Ich muss mich auf meine Wahrnehmung und Hörensagen verlassen, beides zusammenbringen und mir denken: Dieses wunderbare Gefühl nennt man wohl einen Orgasmus.

Trotzdem glaube ich, dass ein bestimmtes Indiz uns Frauen schon relativ verlässlich sagen kann, ob das nun einer war oder nicht: Wenn der vorher angespannte Körper erst von einem maximalen Wohlgefühl durchströmt wird und danach erleichtert zusammensackt. Wenn wir rundum zufrieden damit sind, dass es jetzt vorbei ist, weil die Lust von uns abgefallen ist, der Trieb uns wieder losgelassen hat. Dann glaube ich, sind wir uns eigentlich immer sicher, dass wir das hatten, was man einen Orgasmus nennt.

Eure Mädchen

Jungsfragen gibt es auch zum Anhören: