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Bildrechte: Tommy Lee Walker / photocase.de; Bearbeitung: jetzt

Liebe Mädchen,

Valentinstag droht schon wieder, der „Tag der Verliebten“. Der Tag also, an dem man als Frau laut Hollywood fröhlich die Straße runter hüpft, in der einen Hand Rosen und Pralinen, an der anderen Hand ein heißes Date. Welche Frau sowas nicht hat, sitzt traurig unter einer Kuscheldecke mit Ärmeln vor dem Fernseher, schaut „PS: Ich liebe dich“ und schaufelt aus einem Eimer Eiscremé mit Cookies’n’Cremé-Geschmack.

Eigentlich gehen wir davon aus, dass das aber eben nur auf Hollywood-Leinwänden so ist und die Aufgeklärten unter euch den Valentinstag kategorisch panne finden. Er bedient ja fast ausschließlich Klischees (siehe oben) und ist von der kapitalistischen Industrie zum Ultra-Umsatztag gemacht worden. Wer sich liebt, kann sich das außerdem auch an jedem anderen Tag zeigen. Aber gibt es unter euch nicht auch einige, die sich insgeheim auf den Valentinstag freuen?

So kommt uns das nämlich oft vor: Wenn wir ansprechen, ob ihr den Tag mit uns in irgendeiner Weise feiern wollt, dann fühlen sich viele von euch oft beleidigt, als würden wir euch Oberflächlichkeit unterstellen.Und wenig später seid ihr unter Umständen beleidigt, wenn jede andere Geschenke bekommt, nur ihr nicht. Oder?

Was genau erwartet ihr also von uns? Gemeinsame Vorausplanung? Eine Überraschung? Einen normalen Tag wie sonst auch? Lieber ein Date mit Pralinen und Rosen oder doch eher mit uns und einem Dosenbier auf der Parkbank sitzen und diese klischeehaften Opfer-Pärchen auslachen?

Erklärt doch mal: Wie tappen wir nicht in die Valentins-Falle? Sollen wir euch nach euren Wünschen fragen? Auf gut Glück eine Kleinigkeit besorgen? Weil Romantik an jedem Tag gut ist? Oder beleidigen wir euch am 14. Februar damit nur unfreiwillig in eurer Emanzipiertheit? Schämt ihr euch vielleicht, den Valentinstag gut zu finden?

Eure Jungs

maedchenfrage

Liebe Jungs,

erste Reaktion der Frauen in unserer jetzt-Konferenz als diese Frage aufkam: kollektives Augenrollen. Valentinstag??? Fürchterlich. Kann man direkt in die Tonne werfen zu den ganzen schlaffen Rosen, die nach dem 14. Februar wochenlang in den heizungswarmen Wohnungen vor sich hingammeln. Schrecklich, das alles!

Ich habe mich dann ehrlicherweise, wie du schon ganz richtig vermutest, ein kleines bisschen geschämt. Denn ich weiß: Als emanzipierte Frau darf ich den Valentinstag nicht mögen. Muss ihn verdammen als Massaker der Blumenindustrie, als Symbol des Patriarchats, das an diesem Tag mal wieder meint, mit ein paar Rosen und Perlenohrringen seien der ganze andere ungerechte Scheiß wie Gender-Pay-Gap, sexuelle Belästigung und fragwürdige Bilder vom idealen Frauenkörper wieder vergessen.

Alles inhaltlich total richtig. Aber was, wenn ich den Valentinstag trotzdem ein bisschen mag, obwohl objektiv alles an ihm falsch ist? So wie Germany’s Next Topmodel?  

Denn eigentlich finde ich, wie vermutlich viele meiner Geschlechtsgenossinnen, die Botschaft hinter dem Valentinstag völlig solide: Hallo du Mensch, den ich die meiste Zeit sehr gern mag - ich setze heute ein Zeichen, damit du das auch weißt. Ich könnte dieses Zeichen natürlich auch an den 364 anderen Tagen im Jahr setzen, aber da mich der Kalender heute so angenehm daran erinnert, tue ich es eben jetzt. Darin kann ich tatsächlich nichts so verdammenswertes sehen.

Damit wären wir aber auch beim zweiten Teil deiner Frage: unsere Erwartungen an diesen Tag. Und ich glaube, hier kommen wir dem Phänomen „Hass auf den Valentinstag“ sehr viel näher. Anstatt an diesem Tag dem anderen einfach eine nette Geste zu zeigen, also zum Beispiel einen Kuchen zu backen oder mal wieder ins Kino zu gehen, ist der Tag, der Werbeindustrie sei dank, mit überbordenden Erwartungen beladen.

Der schöne Tag verkommt zu einer klebrigen Soße mit zweifelhaftem Frauenbild

Da müssen Frauen mit Parfum übergossen und Ringe in Champagnergläsern versteckt werden, ist am Abend das Bett nicht voller Rosenblätter, sollte man sich sofort trennen. Das ist eine einfache Reproduktion von Klischees. Nicht nur, weil sich nicht alle Frauen über Rosenblätter im Bett freuen (hat die jemand von euch schon mal wegräumen müssen? Irre nervig!), sondern auch, weil der Valentinstag nicht nur in eine Richtung funktionieren muss.

Frauen können an diesem Tag genauso gut auch Männern etwas schenken, homosexuelle Menschen ihren Partnerinnen und Partnern und von mir aus auch Singles ihren Tinder-Dates. Aber weil das alles in der Werbung und somit auch in der Realität vieler Menschen nicht stattfindet, verkommt er zu einer klebrigen Soße mit zweifelhaftem Frauenbild. Und das macht den Tag so wahnsinnig unsympathisch, dass man ihn gar nicht offen mögen darf.

Deshalb wäre mein Rat an euch Valentingstagsverwirrte Jungs: Schenkt uns etwas, wenn ihr euch damit gut fühlt. Aber macht es authentisch für beide Seiten. Ihr müsst uns nicht in ein Edelrestaurant einladen oder nackt mit einer Rose im Mund auf dem Bett warten, wenn ihr eigentlich von BAföG lebt und eher schüchtern seid. Wenn das wiederum aber total euer Ding ist und eure Partnerin schon immer von einem Heiratsantrag im vollbesetzten Kino geträumt hat, dann tut es! Der Valentinstag soll ja ein Tag der Liebe sein – und Liebe kennt bekanntermaßen keine Konventionen. Deshalb sollte eigentlich auch niemand darüber urteilen, wie Paare diesen Tag erleben – so lange es im Konsens geschieht, natürlich.

Und wenn ihr uns am Valentinstag nichts schenkt, ist das auch völlig okay. Solange es an irgendeinem anderen Tag im Jahr dann eine nette Geste gibt. Denn so ganz ohne Zuwendung hält keine Beziehung. Aber das wisst ihr ja vermutlich eh.

Eure Mädchen