Mädchen, warum backt ihr miteinander Plätzchen?

Lässt man die Weihnachtsbäckerei nicht mit der Pubertät hinter sich?
Von Quentin Lichtblau und Theresa Hein

Plätzchenausstechen – etwas, das Männerhände nur sehr selten tun.

Foto: ASIFE / photocase.de

Liebe Mädchen,

wir alle mögen es, Plätzchen zu essen. Plätzchen gebacken haben die meisten von uns wohl auch schon mal. Das hat uns auch Spaß gemacht, ziemlich unabhängig vom Geschlecht, damals zwischen fünf und elf Jahren. Aber irgendwo in den Bergen von Kokosmakronen, Zimtsternen und Vanillekipferln ist die Begeisterung bei uns männlichen Weihnachtsbäckern auf der Strecke geblieben. Wir schaufelten die Plätzchen zwar nach wie vor tonnenweise ins uns rein, aber backmäßig waren wir irgendwann schlagartig nicht mehr zuständig, also gefühlt.

Ihr hattet da möglicherweise auch eine Art Pause – aus Pubertäts-Gründen und dem damit verbundenen Abgrenzen von Kinderkram. Aber so ab 20 stehen viele von euch wieder ganz selbstverständlich in der Vorweihnachtszeit tagelang in der Küche, meistens miteinander und verschenken dann riesige Plätzchendosen an den gesamten Bekanntenkreis. Und das gar nicht, weil es irgendjemand rollenklischeemäßig von euch erwartet, sondern halt einfach so. Glauben wir zumindest.

Gibt natürlich auch männliche Plätzchenbäcker im Erwachsenenalter, aber so rückblickend auf die vergangenen Weihnachtsfeste kam der Großteil dann doch eher von weiblicher Seite – und treffen tun wir uns dafür in der Regel eben auch nicht. Unsere Frage wäre deswegen:

Warum macht ihr das? Habt ihr daran immer noch so viel Spaß wie früher? Oder ist das so ein bisschen Das-Zepter-von-Oma-Weitertragen-mäßig, also auch eine gewisse Verpflichtung? Und warum trefft ihr euch dafür? Und warum immer nur untereinander? Haben wir da nichts zu suchen? Oder sind wir eurer Meinung nach einfach eh viel zu faul und sollten aber besser mal mit anpacken?

Eure Jungs

Liebe Jungs,

tatsächlich haben wir uns das gegenseitig auch schon manchmal gefragt. Vor allem, wenn wir uns gerade wieder mit einer Freundin zum Plätzchen backen verabredet, unseren besten Kumpel aber wie selbstverständlich nicht dazu eingeladen haben.

Dabei stellte sich heraus: Bei den wenigsten von uns hat die Freude am Plätzchenbacken etwas mit Verpflichtung zu tun  – niemand erwartet von uns à la Oma, dass wir vor Weihnachten gefälligst diese eine Plätzchensorte mit Marmelade im Akkord herstellen. Und viele von uns haben auch noch keine Kinder, denen sie die Zeit vor Weihnachten mit Plätzchenbacken verkürzen wollen.

„Mit dem Plätzchenbacken kam die kindliche Vorfreude auf Weihnachten wieder zurück“

Obwohl das früher sicherlich einer der Hauptgründe dafür war, dass unsere Mütter mit uns (und euch) Plätzchen gebacken haben; Plätzchen waren der schönste Teil der Vorfreude vor Weihnachten. Je weniger es gab, desto näher kam Heiligabend.

Daran erinnert man sich eben manchmal. Und Irgendwann hat dann wohl eine Freundin angefangen, zum Plätzchenbacken in ihre WG einzuladen und so sind wir wieder darauf gekommen – und waren begeistert. Denn mit dem Plätzchenbacken kam die kindliche Vorfreude auf Weihnachten wieder zurück.

Dass die mit zunehmendem Erwachsenenalter sonst eher schwindet, wisst ihr ja auch. Wie traurig das ist, fällt einem allerdings erst wieder auf, wenn man Kindheitsrituale – wie Plätzchen zu backen oder den Adventskranz zu schmücken – aus der Peinlichkeitsecke herausholt und reanimiert. Und wenn das bedeutet, dass man sich dann einen Nachmittag nehmen kann, an dem man mit Freunden in der Küche steht, eine kitschige Playlist anhört, am frühen Nachmittag bereits anfängt, Glühwein zu trinken und versucht, in einer Ladung ausgerolltem Teig möglichst viele Förmchen zu versenken, warum nicht.

„Keine Gesprächsatmosphäre ist so intim wie die zweier Freunde, die Teig im Bauch haben“

Denn ein sehr wichtiger Bestandteil des Plätzchenbackens – und das habt ihr vermutlich vergessen, weil ihr nur noch das Endprodukt konsumiert – ist das Warten. Warten darauf, dass der Teig geht, warten darauf, dass jemand noch schnell zum Supermarkt rennt, um eine vergessene Zutat zu kaufen, warten darauf, dass die Plätzchen noch brauner werden, um sie dann panisch aus dem Ofen zu holen, wenn sie zu braun sind. Und während dieser Zeit kann man sich ganz fantastisch unterhalten.

Denn meistens treffen wir unsere Freunde doch mittlerweile Abends, in irgendwelchen Bars oder in größeren Gruppen, jedenfalls nicht in dieser hellen, warmen, Küchen-Atmosphäre; die jedes noch so nette Café hinter sich lässt –  weil man nicht irgendetwas bestellen muss oder darauf achten muss, ob die anderen Cafébesucher die eigenen Gespräche mithören.

Kaum eine Gesprächsatmosphäre ist so intim wie die zweier Freunde, die zu viel Teig im Bauch haben und darauf warten, dass sie die nächste Ladung Butterplätzchen in den Ofen schieben können. Unter anderem auch deshalb, weil man den Dezember-Stress –  der weniger mit Weihnachten zu tun hat, als mit irgendwelchen selbst gesetzten Deadlines für dieses Jahr – für einen ganzen Nachmittag aussperrt.

Übrigens liegt es ja nicht nur an euch, dass ihr nicht wisst, wie viel Spaß Plätzchen backen mittlerweile wieder macht. Vielleicht seid ihr zwar wirklich einfach zu faul und solltet euch mal diesen Samstagnachmittag fürs Backen mit dem Kumpel nehmen, so seltsam das im ersten Moment für euch klingen mag. Aber auch wir haben dieses „Plätzchenbacken ist nur was für Freundinnen“ schon zu sehr verinnerlicht, und das ist natürlich Blödsinn. Glühwein trinken und Teig ausstechen kann schließlich jeder. Das nächste Mal seid ihr dann wieder eingeladen. Ob ihr aber bereit seid für so viel Plätzchen-Weihnachts-Glück, bleibt dann ganz euch überlassen.

Eure Mädchen

Das fragen sich die Jungs sonst noch:

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