Peng-Kollektiv will, dass Werber ethisch fragwürdige Projekte leaken

Die sagen: gute Idee, falscher Ansatz.
Von Sophie Aschenbrenner

Die Aktivistinnen und Aktivisten hinter Peng wollen auf moralisch fragwürdige Werbung aufmerksam machen.

Foto: Peng

Sophia Thomallas Brüste, die Werbung für einen Baumarkt machen. Die Smoothie-Marke „True Fruits“, die mit Slogans wirbt wie „Unser Quotenschwarzer“. Beispiele für sexistische und rassistische Werbekampagnen, die hart kritisiert wurden, gibt es viele. Das Berliner Künstlerkollektiv „Peng“ hat jetzt eine Aktion gestartet, die solche Kampagnen torpedieren möchte, bevor sie in der Welt sind, oder besser: zeitgleich. Die Aktivistinnen und Aktivisten hinter dem Kollektiv richten sich an Menschen, die in Werbeagenturen an Kampagnen arbeiten, die sie ethisch und moralisch fragwürdig finden. Rassistische und sexistische Werbung, aber auch Kampagnen für Großkonzerne wie Monsanto oder Nestlé. „Wir sabotieren Werbung“ steht groß auf der Website „adblockers“, die das Kollektiv dafür ins Leben gerufen hat. „Du leakst anonym Material von Kampagnen, an denen du arbeitest: Daten, Texte, Logos, Bilder“, heißt es weiter. Peng will dann zum Kampagnenstart eine Gegenkampagne veröffentlichen.  

„Wir hoffen, dass Werbende dann auch über ihre Verantwortung nachdenken und darüber, welche Rolle Werbung in unserer Gesellschaft spielt“, sagt ein Sprecher von Peng, der sich Jona Ziegler nennt, über die Motive gegenüber jetzt.

Auch Werbende finden es wichtig, sich kritisch zu hinterfragen

Seit Donnerstag ist die Seite online. Bisher seien noch keine verwertbaren Leaks bei den Aktivistinnen und Aktivisten eingegangen, so der Sprecher. „Das braucht Zeit, wir geben der Aktion Wochen oder sogar Monate. Infos aus der eigenen Firma zu leaken, das ist ein Schritt in Richtung Aktivismus“, sagt Jona. Und dafür brauche man Mut.

Laut Peng gibt es allerdings viele Menschen, die in der Werbebranche arbeiten und ethische Zweifel an dem haben, was sie tun. „Das wollen wir rauskitzeln.“ Jona ist sich sicher: In der Werbebranche hat die Aktion schon die Runde gemacht. „Viele haben uns gesagt, dass sie das gut finden.“

Gespräche mit zwei Agenturmitarbeitern ergeben allerdings: So bekannt ist die Aktion noch nicht. „Bei uns war das noch kein Thema“, sagt einer, der selbst in einer großen Agentur arbeitet. Die Aktion nennt er „interessant“. Er findet: „Es ist wichtig, Werbung immer wieder kritisch zu hinterfragen. Und manchmal transportiert man in seiner Arbeit Dinge, mit denen man sich privat nicht identifizieren kann.“ Ab und zu sei es auch wirklich so, dass man in dem Job „aus pragmatischen Gründen seine Ideale verraten“ müsse.

Die Mittel der Aktion, nämlich das Weitergeben interner Daten, sieht er allerdings kritisch: „So scheut man die Konfrontation mit den eigentlichen Problemen, nämlich den Kunden.“ Produktboykotts oder Aufklärungskampagnen darüber, mit welchen Mitteln manche Großkonzerne arbeiten, hält er für sinnvoller und besser als „einen Shitstorm zu produzieren“.

Auch Jochen Heimann, Gründer der Agentur „Futur III“ in Hannover, findet es wichtig, das Thema moralisch fragwürdiger Werbung zu diskutieren. „Es werden immer wieder Fehler gemacht“, sagt er. Allein deshalb sei die Aktion von Peng gut. Doch er glaube nicht daran, dass dabei wirklich eine Kampagne geleakt wird. „Wenn man sich illoyal gegenüber Kollegen und Kolleginnen verhält, indem man sie oder ihre Arbeit sabotiert, schadet man nicht nur dem Projekt oder dem Team, sondern auch sich selbst“, so Jochen Heimann. Anonymität hin oder her – in den kleinen, eng miteinander verwobenen Teams der deutschen Agenturlandschaft wüssten die meisten sofort, wer für etwaige Leaks infrage käme. Stattdessen rät er, klar Stellung zu beziehen, wenn sich jemand mit einem Kunden oder einer Kampagne nicht wohlfühlt. Oder den Arbeitgeber zu wechseln.

Mit dieser Ansicht ist er gar nicht so weit weg von Peng. Dem Kollektiv ist es vor allem wichtig, zu sensibilisieren. Wer Angst vor einem Leak hat, solle lieber mit den Kollegen sprechen. Eine spektakuläre Gegenkampagne sorgt vielleicht kurzfristig für Aufregung. Langfristig hilft es aber wohl mehr, dem Kunden direkt zu kommunizieren, dass man als Agentur gewisse Standards hat.

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