Was kann ich gegen einen Kater tun?

Kopfweh, Durst, Übelkeit – der Tag nach einer durchzechten Nacht ist oft qualvoll. Das Lexikon des guten Lebens erklärt dir, warum ein "Konterbier" jetzt keine gute Idee ist, und was du tun kannst, um den Kater zu vermeiden.
Von Franziska Deller
Foto: pheebs / photocase.de

Der Morgen nach einer Party: Müde halte ich meinen dröhnenden Kopf, kneife die Augen zu und bereue sämtliche Shots, Gläser Rotwein und Flaschen Bier der vergangenen Nacht. Und ich frage mich: „Warum hab ich nur so viel durcheinander getrunken? Warum Beck’s, davon kriege ich doch wirklich jedes Mal Kopfweh! Und warum zur Hölle wurde noch nichts erfunden, was dieses Elend einfach verhindert?“ Verkatert sein ist schrecklich: Kopfschmerzen, Durst, Müdigkeit, Übelkeit und Lichtempfindlichkeit sind die häufigsten Katersymptome. Manche Menschen, so wie ich, glauben, dass ein bestimmtes Getränk schuld daran ist. Aber kann das überhaupt sein? Und was kann man tun, um den Kater zu vermeiden?

Um das zu klären, rufe ich Manfred Singer an. Der Professor für Innere Medizin und Vorstandsvorsitzende der Stiftung für Biomedizinische Alkoholforschung nimmt mir gleich die Hoffnung auf eine einfache Lösung. Er sagt, dieses Gebiet sei hochkomplex und bisher nicht besonders gut erforscht.

Über die Ursachen der Katerbeschwerden sind sich die Mediziner nicht einig. Ein wichtiger Faktor ist auf jeden Fall, dass Alkohol zur Dehydratation führt: „Der Körper verliert erheblich an Wasser, obwohl man viel trinkt“, sagt Singer. Als weitere mögliche Ursache nennt er Acetaldehyd. Diese toxische Substanz entsteht beim Abbau von Ethanol (Alkohol) im Körper und soll ebenfalls für die Kopfschmerzen verantwortlich sein.

Ein dritter möglicher Auslöser sind sogenannte Fusel- oder Begleitalkohole, die als Zusatzprodukt bei der alkoholischen Gärung entstehen.  Sie werden in der Leber ebenfalls zu toxischen Stoffwechselprodukten abgebaut. „Je reiner der Alkohol, desto besser scheint man ihn zu vertragen“, sagt Prof. Florian Eyer, Leiter der Abteilung für Klinische Toxikologie am Klinikum rechts der Isar der Technischen Universität in München. Die Reinheit hängt davon ab, woraus der Alkohol gewonnen und wie sorgfältig er destilliert wurde. Als rein gilt beispielsweise mehrfach gefilterter Wodka.

Neben Alkohol beeinflussen auch noch Zucker, Säuren und andere chemische Stoffe, wie der Körper ein bestimmtes Getränk verträgt: „In Bier sind mehr als 2000 verschiedene Substanzen, in Wein um die 1000“, sagt Singer. Die chemischen Inhaltsstoffe sind von Getränk zu Getränk unterschiedlich. Wie sensibel ein Mensch auf diese Faktoren reagiert, ist individuell verschieden. „Es gibt Leute, die exzessiv trinken und hinterher kaum oder keinerlei Beschwerden haben. Sie neigen eher zu Alkoholismus. Der Kater ist in gewisser Weise also auch ein Schutz“, sagt Eyer. Zu den gängigen Katererklärungs- und -vermeidungsversuchen sagen die beiden Mediziner: Wissenschaftlich belegt ist davon so gut wie nichts. Vieles klingt aber nach momentanem Wissensstand recht plausibel.

Zum Beispiel halten Singer und Eyer meine „Beck’s“-Unverträglichkeit durchaus für möglich. Denn Bier ist nicht gleich Bier – obwohl die Grundstoffe die gleichen sind, ist die genaue chemische Zusammensetzung bei jeder Marke unterschiedlich. Auf irgendeinen Stoff in diesem Bier reagiere ich offenbar besonders sensibel. Welcher Stoff das genau ist und warum er bei mir Kopfschmerzen auslöst, können sie mir nicht sagen.

Vor dem Trinken reichhaltig, am besten fettig essen

Sie halten es auch für denkbar, dass Durcheinandertrinken einen schlimmeren Kater verursacht, als wenn man sich den ganzen Abend an nur ein Getränk hält: Je mehr verschiedene alkoholische Getränke ich trinke, desto größer wird der Mix aus Fuselalkoholen und Begleitsubstanzen, die ich damit aufnehme. Die Wahrscheinlichkeit, dass ich etwas davon nicht vertrage, wird also höher.

Was tatsächlich helfen kann, einen Kater zu vermeiden: vor dem Trinken reichhaltig, am besten fettig essen. „Der Alkohol geht dann langsamer ins Blut und der Alkoholspiegel steigt insgesamt nicht so hoch“, sagt Eyer. Denn der Körper ist permanent dabei, den aufgenommenen Alkohol wieder abzubauen. Deswegen spielt der Faktor Zeit eine Rolle. Je langsamer der Alkohol aufgenommen wird, desto weniger spürt man die Folgen.

Außerdem keine dumme Idee: nach jedem alkoholischen Getränk ein großes Glas Wasser trinken. Das wirkt der durch den Alkohol ausgelösten Dehydratation entgegen. Außerdem mindert es den Durst – auch auf alkoholische Getränke.

Von der Einnahme von Kopfwehtabletten oder speziellen Anti-Kater-Mitteln vor dem Schlafen rät Eyer ab: „Aus medizinischer Sicht ist das nicht zu empfehlen. Grundsätzlich sollte man Medikamente nur bei entsprechendem Krankheitsbild einnehmen, sie haben ja auch Nebenwirkungen. Ein Kater ist sicher keine Indikation für die Einnahme eines Medikaments wie Aspirin.“ Und die Wirkung von Anti-Kater-Pillen sei wissenschaftlich nicht belegt. „Teilweise sind das nur Vitamin- oder Spurenelement-Präparate.“

Gleiches gilt für das sogenannte „Konterbier“: Der Glaube an seine Wirkung beruhe auf der Annahme, dass der Kater auch eine Entzugssymptomatik darstellt, die durch die erneute Zufuhr von Alkohol gelindert wird. Diese Ansicht ist aber wissenschaftlich nicht belegt. Eine weitere Erklärung ist laut Eyer, dass dem Körper wieder verlorene Flüssigkeit zugefügt wird. Diesen Zweck erfüllen aber nichtalkoholische Getränke viel besser. „Letzten Endes verzögert das Konterbier den Kater nur um einige Zeit, weil der Alkoholspiegel wieder erhöht wird“, sagt Eyer.

Meine Recherche hat mir gezeigt: Ein einfaches Mittel gegen Kater gibt es (noch) nicht. Professor Singer hat aber noch einen naheliegenden Rat für mich: „Wissen Sie, was der sicherste Weg ist, keinen Kater zu bekommen? Ganz einfach gar keinen Alkohol trinken.“

Wenn Franziska, 22, das nächste mal feiern geht, will sie ausschließlich Wodka-O und dazu viel Wasser trinken – und ist schon gespannt auf den Tag danach.

Fünf Tipps gegen Kater:

  • Auf Sekt oder Glühwein lieber verzichten. Zucker- und kohlensäurehaltige Getränke treiben den Alkoholspiegel im Blut besonders schnell in die Höhe und verursachen deswegen eher einen Kater.
  • Mit einem fettigen Essen für eine gute Grundlage sorgen: Dadurch geht der Alkohol langsamer ins Blut und der Körper hat mehr Zeit, ihn wieder abzubauen.
  • Nach jedem alkoholischen Getränk ein Glas Wasser trinken.
  • Nicht versuchen, Alkohol mit Alkohol zu heilen – das Konterbier zögert den Kater nur hinaus.
  • Und, am einfachsten: in Maßen trinken! 

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