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Illustration: Katharina Bitzl

Schluss machen ist eine schwierige Angelegenheit. Wenn man nicht schon während der Beziehung einen massiven Hass auf die andere Person angesammelt hat, möchte man ihr die Nachricht so schonend wie möglich beibringen. Schließlich hat man sich ja bis vor sehr kurzer Zeit geliebt und hält für gewöhnlich immer noch große Stücke auf den anderen. Andererseits will man auch einen klaren Schlussstrich ziehen, weil man aus eigener Erfahrung weiß: Es gibt nichts Schlimmeres, als über den Status der eigenen Beziehung im Unklaren gelassen zu werden.

Also planen die meisten von uns ein ziemlich detailliertes Drehbuch fürs Schluss machen: was man sagen wird, welche Emotionen zu erwarten sind, Gegenargumente prüfen und verwerfen, sogar das Outfit wird für den letzten Trennungsakt häufig sorgfältiger gewählt als vor einem Bewerbungsgespräch. Es gibt nur eine Variable, bei der man nie sicher sein kann, welchen Einfluss sie auf das zu führende Gespräch hat: der Ort. Dabei ist die Wahl des richtigen Ortes für so ein unangenehmes Gespräch ausgesprochen wichtig. Denn jeder von ihnen hat Vor- und Nachteile.

Möglichkeit 1: beim Anderen

beim andern schluss
Illustration: Katharina Bitzl

Ambiente: In der gemütlichen WG-Küche mit Kaffee aus der Macchinetta oder einem Glas mittelgutem Weißwein. Du wirst ganz melancholisch bei dem Gedanken, wie sehr du diese wunderbare kleine Wohnung vermissen wirst, die eine Weile lang dein zweites Zuhause gewesen ist.

Vorteile: In einer vertrauten Umgebung ist es für den Anderen einfacher, schlechte Nachrichten zu empfangen. Schließlich weiß er, wo der Schnaps steht und welches Zimmer am besten schallgedämpft ist für den Heulkrampf beziehungsweise Wutanfall nach dem sechsten Stamperl. Zudem ist der Weg ins Bett nicht weit, wo es sich bei akutem Liebeskummer bekanntlich am besten aushalten lässt.

Nachteile: Du hast also beschlossen, die allerheiligste Privatsphäre deines baldigen Ex-Partners zu benutzen, um ihm mitzuteilen, dass alles aus ist. Ganz, ganz tolle Idee, du Wurst! Anschließend wird er sich jeden Morgen beim Gang in die Küche daran erinnern, dass ihr dort zum letzten Mal zusammensaßt. Wenn er ein Glas Wein trinkt, wird er an den letzten gemeinsamen Wein denken, wenn er Kaffee macht, wird ihn der Geruch zurücktransportieren zu diesem schlimmen Tag. Sag mal: Geht's noch?

Note: 2 von 10

Möglichkeit 2: bei dir zu Hause

daheim schluss
Illustration: Katharina Bitzl

Ambiente: Du bist nervös und hast dir infolgedessen irgendwie zu viel Mühe gegeben: was Schickes angezogen, die Wohnung aufgeräumt, eine Kleinigkeit zum Snacken auf den Tisch gestellt, die Getränke gekühlt. Hä? Wolltest du nicht gerade Schluss machen?

Vorteile: Du hast dir das schon richtig ausgedacht: Wer gerade sein Herz von jemandem herausgerissen bekommen hat, der neigt dazu, dieses schmerzhafte Erlebnis mit  dem Ort in Verbindung zu bringen, an dem es geschah. Du schlauer Fuchs hast nun einen Ort gewählt, an den der Verlassene höchstwahrscheinlich nicht mehr so bald kommen wird. Deine Milchmädchenrechnung: Wenn er nicht mehr ans Schluss machen erinnert wird, kann er auch keinen Schmerz empfinden. Okay...

Nachteile: Du hast in wenigen Minuten einen dicken, fetten Trauerkloß bei dir sitzen und weißt nicht, wie du ihn wieder loswerden sollst, ohne sehr, sehr unhöflich zu werden. Und jetzt mal angenommen, der Andere ist mit der Trennung nicht einverstanden – dann wird er denken, dass die solange nicht vollzogen ist, wie er noch in deiner Küche oder auf deinem Sofa sitzt. Er wird womöglich versuchen, das Ende und den schrecklichen Moment, wenn er alleine auf der Straße steht, so lange wie möglich hinauszuzögern. Womöglich wird er sich sogar im Türrahmen verkeilen, wenn du versuchst, ihn rauszuwerfen. Also: erhöhtes Dramapotential.

Note: 6 von 10

Möglichkeit 3: in der gemeinsamen Stammkneipe

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Illustration: Katharina Bitzl

Ambiente: Schau da, der Flipper, an dem ihr euch das erste Mal tief in die Augen geschaut habt. Und hier, auf der Speisekarte, der gebackene Camembert, den ihr immer als Grundlage für Saufturniere vernichtet habt. Und dort, der Tisch im Eck, an dem ihr immer saßt und eure Hände ineinander geflochten habt. Und der Joe und die Kathl und die Vroni und der Sepp sind auch alle da.

Vorteile: Eine Verabredung in der Stammkneipe ist ein bisschen wie ein ausgiebiger Sofaabend nach einem anstrengenden Tag: nicht wirklich originell, aber sehr gemütlich. In so einer entspannten Atmosphäre ist man großzügig mit anderen Menschen und wer weiß: Vielleicht kann der Verlassene in so einer Stimmung auch diesen dummen Satz „Lass uns Freunde bleiben“ aushalten. Außerdem kann man nach dem Ende der Konversation sofort mit den anderen Stammtischlern weitersaufen.

Nachteile: Hast du dir das wirklich gut überlegt? Du willst dich von deinem Partner an einem Ort trennen, an dem jeder zweite Anwesende genauestens über euch Bescheid weiß? Du willst, dass dein Ex-Partner von nun an die Lieblingskneipe mit diesem fiesen Event gleichsetzt? Oder steckt dahinter eventuell folgender fieser Plan: Du willst erreichen, dass die Kneipe in der Konkursmasse eurer Beziehung an dich übertragen wird? Das wäre eine ganz, ganz fiese Nummer.

Note: 4 von 10

Möglichkeit 4: auf der Straße

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Illustration: Katharina Bitzl

Ambiente: Sachlich, nüchtern, minimalistisch und vor allem: komplett neutral.

Vorteile: Was die Straße an Stimmung vermissen lässt, macht sie mit der guten Verkehrsanbindung wieder wett. Sobald das finale Trennungsgespräch vollendet ist, kann jeder von euch beiden sofort seiner Wege gehen.

Nachteile: Jeder Mensch, der auch nur die minimalste Erziehung genossen hat, weiß: auf der Straße wird nicht gegessen und nicht getrunken. Und genauso, wie ein zufällig vorbeikommender Passant es nicht verdient hat, Zeuge zu werden, wie du dich durch einen Döner schlabberst, so wenig hat er es verdient, Zeuge deines Beziehungsdramas zu werden. Es gibt genug Gelegenheiten, sich fremd zu schämen. Beziehungsarbeit (seien das feuchte Küsse oder Trennungstränen) sollten nicht dazu gehören.  

Und erst recht nicht Schluss machen. Das ist ganz, ganz schlechter Stil.

Note: 2 von 10 

Möglichkeit 5: im Burger King am Hauptbahnhof

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Illustration: Katharina Bitzl

Ambiente: Der deprimierendsten Ort, den man sich vorstellen kann. Noch dazu schön laut und fettig. Also insgesamt: das Gegenteil von romantisch. Was für den Zweck eures Treffens sehr passend  ist.

Vorteile: Wer von seinem Partner an so einen Ort bestellt wird, der ahnt schon auf dem Weg, dass er bestimmt keine guten Nachrichten zu erwarten hat und ist emotional darauf vorbereitet. Sollte das Gespräch unangenehmer als geplant verlaufen, kannst du außerdem immer behaupten, du müsstest sofort los, um noch den Zug zu erwischen.

Nachteile: Die Lautstärke der Umgebung bringt mit sich, dass du gleich sehr laut über deine Gefühle sprechen werden musst. Willst du über ein Bistro-Tischchen hinweg deinem Partner zubrüllen, dass du einfach mehr Zeit für dich brauchst? Dass es nicht an ihm liegt? Dass du schon lange nicht mehr glücklich warst? Und dass es, das muss er doch auch zugeben, einfach nicht mehr gut lief – auch im Bett? Außerdem: Überall misstrauische Bundespolizisten, die dich womöglich gleich verhaften, weil du deinen Ex-Partner zum Weinen gebracht hast. Tatbestand: Herz gestohlen und dann gebrochen. Fies.  

Note: 4 von 10

Und wenn du gar keinen Schlussmach-Ort brauchst, weil du es eh nicht persönlich machen willst, hier entlang: