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So soll das Prinzip von "Juliet" funktionieren.

Screenshot: itunes.apple.com

Rechts wischen, links wischen, rechts wischen, links wischen – schon lange hat Tinder den Markt der Dating-Apps für sich erobert, doch die Konkurrenz ist auf dem Vormarsch. Eine skurrile Matchmaking-App befindet sich seit Anfang Dezember in den US-amerikanischen und kanadischen Playstores. Ihr Name ist „Juliet“ – eine Künstliche Intelligenz (KI), die erschaffen wurde, um deinen perfekten Partner zu finden.

Das Besondere an der App: Juliet gibt dir nicht nur potenzielle Partnervorschläge, sondern schreibt dir auch vor, wie viel Zeit du mit ihnen verbringen darfst. Entwickelt wurde sie von dem 24-jährigen Programmierer Julian Alexander, die Idee jedoch stammt aus einer Folge der vierten Staffel der Netflix-Dystopie-Serie „Black Mirror“.

„Sie macht das so lange, bis sie jemanden gefunden hat, der wirklich gut für dich ist.“

In deren Episode „Hang the DJ“ leben die Menschen in einer Gesellschaft, in der ein kleines, rundes Tablet namens „Coach“ für die Partnerwahl zuständig ist. Das System wählt aus einem großen Pool ein passendes Date aus und gibt anschießend einen festen zeitlichen Rahmen vor, in dem User die Möglichkeit haben, sich zu treffen. Diese Dauer kann variieren zwischen wenigen Stunden, Tagen, Wochen bis hin zu Monaten und Jahren. Rückt das Ablaufdatum näher, bedankt man sich für die gemeinsame Zeit und muss zum nächsten Match.

Wieso die ganzen Details aus der Serie? Weil „Juliet“ tatsächlich genauso funktionieren soll wie „Coach“. Mit jedem Partnervorschlag, den die App dir gibt, wird ein Zeitrahmen gesetzt, in dem du die Person daten darfst. Nach jedem Treffen soll die App lernen. Das Date soll mit Hilfe eines Fragebogens bewertet und anhand dieser Kriterien ein noch kompatibleres, neues Date gesucht werden. Das geht dann so lange bis der, laut KI „Juliet“, perfekte Lebenspartner gefunden wurde. Es gibt keine Profile, kein Wischen, das einzige, was zählt sind deine sexuelle Orientierung und deine Location. „Sie (Anm. d. Red.: die KI – Juliet) macht das so lange, bis sie jemanden gefunden hat, der wirklich gut für dich ist.“, erklärt Alexander gegenüber Mashable.

In einer E-Mail an Forbes beschreibt der junge Entwickler den Hintergrundgedanken der terminierten Partnersuche. Andere Apps auf dem Markt orientierten sich am Prinzip Quantität. Sie seien so konzipiert, dem Nutzer eine möglichst große Bandbreite an Matches, mit niedriger bis hin zu gar keiner Kompatibilität, vorzuschlagen. „Mein Ansatz ist Qualität, bei dem immer nur ein Match pro Person vorgeschlagen wird. Mit dieser Methode haben Menschen wirklich eine Möglichkeit, eine Verbindung zueinander aufzubauen.“

Alexander entschied sich dafür, das offizielle Erscheinen der App am 2. Januar öffentlichkeitswirksam auf Reddit zu verkünden. Seitdem wurde die App bereits 1500 Mal installiert, was nicht allzu viele ist für eine Dating-Plattform. Die Reddit-User benötigten nicht lange, um die Ähnlichkeiten zwischen Julians „Juliet“ und Black Mirrors „Coach“ festzustellen. Auf die Nachfrage, ob er sich die Inspiration aus „Black Mirror“ holte, bestätigte er, dass er ein großer Fan sei.

„Juliets“ Alleinstellungsmerkmal ist ihre KI die eben nur funktioniert, wenn sie auch wirklich lernt.

Doch noch leben wir nicht in einer dystopischen Diktatur, die uns vorschreibt, wie wir unseren Partner zu suchen haben – so stellen viele Reddit-Nutzer fest, dass die App noch ein paar große Haken hat. Warum sollten Leute sich Mühe geben bei ihren Dates, wenn sie wissen, dass danach sowieso ein besserer Vorschlag kommt? Können User den Beziehungs-Countdown aufhalten, wenn sie mit einem Match zufrieden sind? Überhaupt: Warum sollte jemand auf „Juliet“ hören? Warum sollte jemand ein gut laufendes Date abbrechen, nur weil eine KI es so sagt? Gibt es die Möglichkeit ein aktuelles Match zu überspringen, wenn das Ablaufdatum noch nicht erreicht ist? Wie wird die Zeit generiert, die man zusammen verbringen darf? Fragen, auf die wir gerne noch Antworten hätten - und natürlich auf die Frage, ob das Projekt wirklich ernstgemeint oder doch nur clevere Eigen-PR ist. 

Das Konzept ist tatsächlich nicht gänzlich neu. Die Dating-App „Bumble“ gibt dir die Möglichkeit dein Match nur innerhalb von 24 Stunden anzuschreiben. Andere Apps wie „Coffee meets Bagel“ oder „Once“ geben ihren Nutzern nur eine limitierte Anzahl an Partnervorschlägen pro Tag. „Juliets“ Alleinstellungsmerkmal ist ihre KI, die eben nur funktioniert, wenn sie auch wirklich lernt. Doch ihr Entwickler ist überzeugt, dass „Juliet“ sich immer weiter verbessern wird. „Sie wird schlauer.“

Wer sich immer noch nicht sicher ist, ob er sich eine Dating-App installieren sollte, die inspiriert wurde von einer dystopischen Fernsehserie, die uns eigentlich aufzeigen sollte, wie krank gewisse technische Errungenschaften sind und in welches Verderben diese falsch gelaufenen Entwicklungen uns stürzen könnten, kann aufatmen. Bis die App im deutschen Playstore landet wird es wohl noch eine Weile dauern. Wer bis dahin aber herausfinden möchte, wie das Prinzip funktioniert, kann das hier tun. Bereits zum Valentinstag letzten Jahres veröffentlichten die Macher der Serie eine Seite, auf der das Verfallsdatum deiner jetzigen Beziehung angegeben wird. Was damals ein PR-Gag war, wird nun vielleicht Wirklichkeit.

kael

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