Zu dir oder zu mir?

Zu Hause, beim anderen, im Hotel – wo vögelt man eigentlich in einer offenen Beziehung?
Von Katja Lewina

Illustration: Julia Schubert

C. und ich, wir hatte beide richtig Bock. Das war jetzt schon unser drittes Date, die Gespräche waren göttlich, das Knutschen auch, und eigentlich hätte es endlich zur Sache gehen können. Wenn da nicht dieser eine Umstand gewesen wäre. „Zu mir können wir nicht. Meine Frau ist zu Hause“, sagte C. „Und bei mir ist mein Mann“, sagte ich. Also drückten wir uns knutschend im fahlen Licht der Straßenlaterne herum, bis uns die Nasen froren, und gingen unverrichteter Dinge wieder nach Hause. Mitten in der Nacht notgeil an irgendeinem Hotelempfang aufzulaufen, um zwei Stunden später wieder die Biege zu machen, wäre uns dann doch irgendwie unangenehm gewesen.

Sexuelle Logistik kann in offenen Beziehungen ganz schön kompliziert sein. Schließlich entscheidet man nicht allein über Sofa und Esstisch, sondern muss sich auch noch mit seinem Partner absprechen. Bei uns zum Beispiel war die Wohnung sogar anfangs komplett tabu für unsere Dates. Das war unser gemeinsamer Raum und das, was mit den anderen passierte, sollte auch woanders bleiben. Heute sehen wir das nicht mehr so eng. Andere Menschen sind willkommen, solange der Partner nicht zu Hause ist. Mein Mann und ich sind zwar okay damit, dass wir Sex mit anderen haben. Es aber auch nur indirekt mitzubekommen, finden wir nicht ganz so prickelnd, wie wir seit unserer Experimentierphase mit Sexpartys eindeutig wissen. Natürlich achten wir darauf, dass unsere Dates die Wohnung verlassen haben, bevor der andere nach Hause kommt. Ein paar Mal ist es aber trotzdem passiert, dass sich zwei im Treppenhaus begegneten, um sich gewissermaßen die Klinke in die Hand zu geben. Im schlimmsten Fall grüßte man betreten, im besten konnten alle drüber lachen.

Ein Zuhause-Date fühlt sich oft viel zu intim an

 

So wahnsinnig oft passiert es aber ohnehin nicht, dass wir jemanden mit nach Hause bringen. Denn erstens können wir nicht erwarten, dass der andere immer gerade dann unterwegs ist, wenn wir das brauchen. Und zweitens fühlt sich ein Zuhause-Date gerade, wenn wir die Menschen noch nicht so gut kennen, oft viel zu intim an. Darum landen wir in den allermeisten Fällen auch in der Koje unserer Love Interests, denn das ist auch einfach die niedrigschwelligste aller Varianten. Schließlich sind die meisten von ihnen Single und haben niemanden, auf den sie Rücksicht nehmen müssen. Trotzdem haben wir uns auch schon Schlüssel von den leerstehenden Wohnungen oder nachts sowieso geschlossenen Läden unserer Freunde geben lassen oder auch mal für eine Nacht ein Hotel gebucht, weil zu Hause Partner, Babysitter oder hellhörige Mitbewohner warteten.

Und wenn die Nummer etwas ernster wird, dann genießen wir es total, für ein paar Tage zusammen wegzufahren. Weil sich in einer fremden Stadt die Frage nach diesem durch so viele Faktoren determinierten „Zu dir oder zu mir“ überhaupt nicht stellt. Und wir für einen kurzen Moment einfach tun und lassen können, was wir wollen.

Ihr wisst nicht, wo ihr eure Dates vögeln sollt? Hier sind alle Vor- und Nachteile:

Beim anderen: Bester Ort, jedenfalls wenn er Single ist. Kostet nix, Getränke, Kondome, Bett sind hoffentlich auch vorhanden.

Bei euch: Schlechtester Ort. Vorteile wie oben, dafür umso mehr Nachteile: Partner wegorganisieren, Spuren von Körperflüssigkeiten beseitigen, Bettwäsche wechseln.

Im Hotel: Teuer. Dafür muss man sich weder mit Mitbewohnern rumschlagen noch in Sorge ums Laken sein.

In leerstehenden Räumen (Wohnungen oder Läden): Ist nett, lässt sich aber nicht immer organisieren. Und wenn man einmal nachts im Liebestaumel vergessen hat, die Alarmanlage wieder scharf zu stellen, dann kann man eine Wiederholung eh vergessen.

An öffentlichen Orten (im Park, auf dem Klo in der Bibliothek, im Nebenzimmer auf der Party …): Für Zwischendurch recht erbaulich, als Dauerlösung eher ungeeignet. Irgendwann kriegt man nämlich Rücken.

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