Horror-Date: Der Blumen-Creep

Jeder hatte schon einmal ein Date, das total danebenging. In dieser Serie erzählen wir davon.
Illustration: Katharina Bitzl

Dating-Situation: Date mit dem Ex-Freund der Schwester der Ex-Affäre

Geschlecht und Alter des Dates: männlich, 27

Horror-Stufe: 8 von 10

Chris, mit dem seit ein paar Wochen was lief, lud mich zu seinem Geburtstag ein. Dort lernte ich seine Familie und Freunde kennen – unter anderem seine Schwester, die mit ihrem Partner dort war: Julian. Die beiden wirkten allerdings nicht sehr harmonisch. Den Abend über hatte ich das Gefühl, dass Julian ein bisschen zu nett zu mir war und etwas zu interessiert an einem Gespräch, was seine Freundin ebenfalls bemerkte. 

Kurz nach dem Geburtstag war mit Chris Schluss. Ein paar Tage später hatte ich in der Dating-App Lovoo ein Match – mit Julian. Wir schrieben ein bisschen hin und her. Er erzählte mir, dass er sich von Chris’ Schwester getrennt hatte. Und er fragte, ob wir uns treffen wollten. Da wir uns am Geburtstag gut verstanden hatten und er auch jetzt nett wirkte, hatte ich kein Problem damit. Erst später fand ich heraus, dass er sich extra bei Lovoo angemeldet hatte, weil er von Chris wusste, dass ich dort einen Account hatte.  

Wir trafen uns an einem Freitagabend bei mir. Wir haben uns wunderbar verstanden, sehr viel geredet und er ging morgens um halb 7 zur Arbeit, ohne geschlafen zu haben, weil er so viel Zeit wie möglich mit mir verbringen wollte. Am Sonntagabend waren wir wieder verabredet. Wir küssten uns. Eigentlich war alles gut. Das Problem war allerdings: In der Zeit, in der wir uns nicht sahen, schrieb er mir gefühlt ununterbrochen und war direkt angefressen, wenn ich nicht sofort antwortete. Er wollte immer wissen, was ich gerade machte, überhäufte mich mit Komplimenten – und plante sogar schon einen gemeinsamen Urlaub.

Er schrieb, er hätte sich in mich verliebt und noch nie jemanden wie mich kennengelernt

Zwei Tage nach dem zweiten Date habe ich für ihn gekocht. Er kam mit einem Strauß Rosen an. Ich merkte, dass mir das alles zu viel wurde, er wirkte so versessen. Nach dem Abend habe ich ihm deswegen geschrieben, dass ich kein weiteres Interesse habe, da ich mich eingeengt fühlte. Das konnte er überhaupt nicht verstehen. Er schrieb mir, er hätte sich in mich verliebt, noch nie hätte er so jemanden wie mich kennengelernt, er wüsste dass ich es auch wollte, all sowas. Später wurde er aggressiv und beschimpfte mich, dann tat ihm das wieder leid, und so weiter. Schließlich blockierte ich ihn.

Einige Tage später rief mich eine Kollegin an und sagte, bei ihr sei jemand für mich. Ich ging rüber – und traf auf den Mitarbeiter eines Blumenlieferdienstes mit einem riesigen Strauß in der Hand. Meine Kollegen amüsierten sich extrem, aber ich bekam Angst: Auf der beigelegten Karte stand „Ich hasse dich“. 

Das Seltsame ist, dass ich ihm nie erzählt habe, wo ich arbeite, auch in den sozialen Netzwerken steht es nirgends. Ich weiß nicht, wie er es gemacht hat, wo er rumgefragt hat, beinahe würde ich wetten, dass er ist mir zu Arbeit gefolgt ist. Die Tage danach hatte ich ein mulmiges Gefühl, wenn ich im Dunkeln zur Garage ging oder meine Balkontür offenstand. 

Was er jetzt macht? Ich weiß es nicht, und gesehen habe ich ihn auch nie wieder. Und das will ich auch nicht. Seitdem habe ich nie wieder jemanden so schnell zu mir eingeladen. 

Dieser Text wurde von einer jetzt-Leserin eingereicht. Sie hat darum gebeten, anonym bleiben zu dürfen, ihr Name ist der Redaktion aber bekannt.  
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