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Horror-Date: Die anzügliche Rosenmontags-Bekanntschaft

Jeder hatte schon einmal ein Date, das total danebenging. In dieser Serie erzählen wir davon.
  • horrordate bambi cover
    Illustration: jetzt

Dating-Situation: Date nach betrunkenem Erstkontakt am Rosenmontag

Geschlecht und Alter des Dating-Partners: männlich, 36 Jahre alt

Horror-Stufe: 9 von 10  

Mein Tipp an alle: Wenn ihr sehr viele Weinschorlen intus habt, im Bambi-Plüschkostüm durch die Straßen fallt und der Rosenmontag schon bald vorbei ist, gebt niemals, wirklich niemals eure Nummer raus. Denn dann kann nur so etwas passieren:

In meiner Erinnerung war er süß, groß und muskulös, als er mich ansprach. Auch das Gespräch, das wir führten, war interessant, wenn auch – wie sich später herausstellte – nicht mal fünf Minuten lang. Mir schwebten am nächsten Tag auch nur noch einzelne Wortfetzen im Kopf herum, die zusammen null Sinn ergaben. Nummern hatten wir – Bambi und der Doktor – aber ausgetauscht, seine war bei mir eingespeichert unter dem Namen „Rosenmontag“.

Am nächsten Morgen hatte ich auch schon eine Nachricht von ihm, dem Rosenmontag (seinen richtigen Namen hatte ich natürlich vergessen). Es folgte ein Hin- und Hergeschreibe, nicht aufdringlich, alles recht normal, und zwei Tage später dann das Date.

Nachdem ich ihn am Bahnhof gefunden hatte (obwohl er ganz anders aussah als am Rosenmontag) liefen wir gemeinsam Richtung Innenstadt. Er hatte ein Restaurant ausgesucht, in dem wir etwas tranken. Da saßen wir also: Der Rosenmontags-Doktor stierte nur auf meinen Körper und ich versuchte krampfhaft, das Gespräch am Laufen zu halten.

Mitten im Satz unterbrach er mich plötzlich. „Hast du schon den neuen ‚Shades of Grey‘ gesehen?“ „Äh, nee, wieso?“ „Der ist richtig gut.“ Dann wieder Schweigen. Zwei Minuten später hatte er wohl das Verlangen mir näher zu kommen, setzte sich neben mich auf die Bank und griff nach meiner Hand. Seltsame Fragen nach meinem Gewicht und ob ich mal übergewichtig gewesen sei folgten. 

Wieso ich da noch nicht die Flucht ergriffen habe, ist mir bis heute nicht klar

Beim zweiten Getränk und einem immer noch zähen Gespräch dann die nächste kuriose Frage: „Schauspielerst du ab und an?“ „Nein.“ „Könnte ich mir bei dir ja gut vorstellen.“ Immerhin fühlte ich mich da noch geschmeichelt. Bei der nächsten unpassenden Bemerkung gingen aber die Alarm-Glocken an: „Ich drehe manchmal Filme.“ „Aha.“

Wieso ich da noch nicht die Flucht ergriffen habe, ist mir bis heute nicht klar. Kurze Zeit später zahlte er und wir verließen gemeinsam das Restaurant. Ich überlegte währenddessen, wie ich mich aus der Affäre ziehen könnte, laberte irgendwas vor mich hin, erzählte, dass ich morgen arbeiten müsste. Plötzlich hatte er beide Arme um meine Taille gelegt und hob mich hoch. Sein Kommentar: „Ach, so schwer bist du ja gar nicht!“

Entweder ich war versteinert oder ich hatte Mitleid, aber ich blieb, immer noch in der Hoffnung, er würde irgendwann normal. Ich erzählte gerade irgendeine Anekdote aus meinem letzten Urlaub, schwupp, hatte er mich an sich rangezogen und presste mir einen vor Nässe triefenden Kuss auf die Lippen. „Du redest mir zu viel“, sagte er danach.

Und der Horror nahm kein Ende. Zwei Meter weiter stand plötzlich sein Auto. Ganz lässig ließ er das in einem Nebensatz fallen und stieg ein. Verwirrt öffnete ich die Beifahrertür, fragte, ob er heimführe und wollte mich verabschieden. „Nee, lass bei mir ein Film gucken.“ „Ähh. Nee.“ „Was soll das denn jetzt?“ „Was soll was? Ich hab da keinen Bock drauf.“ Schmollend stieg er wieder aus. „Dann lass noch was trinken gehen.“

Mit einem Blick auf die Uhr merkte ich, dass mein nächster Zug erst in 30 Minuten fahren würde und stimmte widerwillig zu. Anstatt Wein bestellte ich dann aber einen Tee. Ich versuchte nicht mehr, das Gespräch am Laufen zu halten, wollte mich nur aufwärmen, nachdem draußen immer noch Minusgrade herrschten. Der Rosenmontags-Doktor wirkte langsam, als hätte er Perversen-Tourette: Schräge Fragen und die Aufforderung, dass ich doch noch Schnaps trinke solle, damit ich ganz wild würde, folgten. Doch dann war auch mein letzter Funke Mitleid verflogen. Zehn Minuten später wartete ich am Bahnhof auf meinen Zug. Alleine.

Dieser Text wurde von einer jetzt-Leserin eingereicht. Sie hat darum gebeten, anonym bleiben zu dürfen, ihr Name ist der Redaktion aber bekannt.

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