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Illustration: jetzt

Dating Situation: erstes Date mit Falaffelverkäuferin

Geschlecht und Alter des Dates: weiblich, 27 Jahre

Horror-Stufe: 3 von 10

Nichts gegen nackte Haut. Welcher heterosexuelle Typ beschwert sich schon, wenn sich eine gutaussehende Frau neben ihn legt, sich von einem Großteil ihrer Kleidung befreit und ihn dabei auch noch anlächelt? Eben. Und so hatte ich auch keine Einwände, als sich Anna* am Flussufer ziemlich genau so verhielt. Anna, die ich beim Falaffelladen um die Ecke kennengelernt hatte, weil sie dort arbeitet. Beim dritten Besuch hatte ich mich getraut, sie im Gespräch über Gemüse und Soße ganz nebenbei zu einem gemeinsamen Getränk einzuladen. Sie war überrascht, aber nicht abgeneigt, und wir verabredeten uns für einen Nachmittag am See.

Ich war zuerst da, legte eine Picknickdecke aufs Gras, stellte Bier und Limo parat und machte einen Moment lang die Augen zu. Die Sonne brannte, es war schweineheiß. Shirt und Shorts ließ ich trotzdem an. Shorts sowieso, aber auch ein oberkörperfreies Kennenlernen hätte ich komisch gefunden. Ganz anders: Anna. „Hey hey!“, hörte ich sie irgendwann. Ich blinzelte gegen das Licht an und sah zu, wie sie ruckzuck Top und Hotpants auszog und sich im Bikini auf die Picknickdecke legte, und zwar auf den Bauch und mit dem Gesicht zu mir, lächelnd.

Als sie mit zwei Fingern ihr Bikinihöschen zurechtrückte und dabei kurz ihren Kopf kontrollierend nach hinten drehte (und ich ihr auf die Brüste guckte), sagte sie: „Ich bin schon wieder voll weiß!” Meine Frage war aufgrund ihrer flächendeckend sonnengebräunten Haut berechtigt: „Wo?” „Na, an den Beinen, guck doch mal!” Sie fuhr sich mit dem Zeigefinger langsam über den Oberschenkel, bis sie den Po erreichte, diesen makellosen, kugelrunden Po. Anna blieb dabei: „Megaweiß!” Ich: „Megabraun!” Sie: „Und guck mal hier!” Anna zog die Bikiniträger an den Schultern leicht nach außen und sah sich selbst aufs Dekolleté. Ich spürte, wie ich rot wurde. Was sollte ich denn dazu sagen? Auch „megabraun”? Ich sagte nichts. „Marokko ist erst zwei Wochen her, und schon alles weg!”

Ihr war es anscheinend wichtig, zuallererst auf ihren Körper hinzuweisen, bevor Charakterzüge ins Spiel kamen

In ihrer Enttäuschung richtete sich Anna auf, setzte sich in den Schneidersitz, das Kreuz weit durchgedrückt, die Brüste auf mich gerichtet. „Voll doof”, meinte sie, schätzungsweise immer noch die Bräune betreffend. Und langsam checkte ich’s. Ich Depp. Ihr war es anscheinend wichtig, zuallererst auf ihren nahezu perfekten Körper hinzuweisen, bevor irgendwelche Charakterzüge eine Rolle spielen konnten. Und sie ging noch weiter. „Findest du’s auch bisschen frisch?” Sie grinste. Und ich konnte nicht anders, denn das war ein Hinweis, und ich sah auf ihre Brüste, auf zwei Kugeln mit Nippeln, die deutlich erkennbar gegen den dünnen Stoff piksten. Aus meinem roten Kopf wurde gefühlt ein feuerroter, was für eine Frau, dachte ich, aber auch: Wie Banane ist die denn? Wie seltsam ist diese Situation? Was hat die noch vor? Warum spiele ich da mit?

Tatsächlich saßen wir noch eine Weile da, tranken und redeten über Marokko und knutschten nach dem dritten Bier auch kurz in der Abenddämmerung. Nachdem wir an dem Abend auseinandergegangen waren, haben wir allerdings nie wieder etwas voneinander gehört. Sie nichts von mir, weil ich Bock auf Kopf und Körper und nicht nur auf Körper habe. Und ich nichts von ihr, weil sie vermutlich Besseres zu tun hat. Bräunungsurlaub, zum Beispiel.

*Name geändert

Der Autor dieses Textes hat darum gebeten, anonym bleiben zu dürfen. Er ist der Redaktion aber bekannt.

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