Wie du eine Trennung überstehst, ohne deinen Ex zu hassen

Die fünf typischsten Tipps für Menschen, die verlassen wurden – und warum sie Bullshit sind.
Von Katja Lewina
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Illsutration: Daniela Rudolf, Fotos: Freepik

Es gibt Dinge, die werden sich nie ändern: Aschenbecher werden immer stinken, kalte Duschen werden immer foltern und wenn sich der Mensch, den du liebst, gegen dich entscheidet, wird das immer höllisch wehtun. Kein Wunder also, dass jeder Ratschlag, den das Netz für solche Situationen ausspuckt oder deine wohlmeinenden Freunde von sich geben, darauf abzielt, deinen Schmerz möglichst schnell vergessen zu machen. Das Leben muss schließlich weitergehen. Wie man das am besten erreicht? Indem man den Menschen, mit dem man bis eben grade noch sein Innerstes und vielleicht sogar seinen Alltag geteilt hat, aussortiert. Und zwar sofort. Am besten unter dem Stempel „Oberpenner. Nie wieder.“

Aber ist das wirklich die einzig wahre Möglichkeit, mit Trennung und Liebeskummer umzugehen? Hier kommen ein paar der weitverbreitetsten Tipps für diese Lebenslage – und Erwägungen, warum sie vielleicht trotzdem totaler Blödsinn sind:

Typischer Tipp Nr. 1: Hass ist doch eine Lösung

Menschen, die uns wehtun, sind böse. Wer dich also zum Teufel schickt, verdient es nicht, in guter Erinnerung zu bleiben. Da tut auch all das Schöne, das ihr miteinander hattet, nichts mehr zur Sache. Nicht die zärtlichen Löffelchen-Nächte, nicht das animalische Gestöhne davor, nicht mal die Herzschmelze beim ersten „Ich liebe dich“. Du schneidest dir nur ins eigene Fleisch, wenn du das alles nicht sofort aus deinem Bewusstsein verbannst. Denk lieber an seine bekifften Buddys und daran, was für ein träger Sack er war. Echt mal, du kannst froh sein, dass du ihn los bist!

Warum das Bullshit ist:

Ja, er hat eine Entscheidung getroffen, mit der du unglücklich bist. Aber macht das eure Höhenflüge ungeschehen? Hört deine Zuneigung deshalb plötzlich auf? Falls deine Antwort hier wider Erwarten „Ja“ lauten sollte, brauchst du nicht weiterzulesen. Denn dann kannst du tatsächlich froh sein, dass es aus ist – so dolle war das Ganze dann wirklich nicht. 

Es ist durchaus kein Widerspruch, verletzt oder wütend zu sein, und trotzdem dem Anderen gewogen zu bleiben. Ihn als Individuum zu betrachten, dessen Bedürfnisse sich von deinen unterscheiden dürfen. Du musst ihn jetzt nicht hassen. Das wäre sogar sehr unnatürlich. Schließlich hast du ihn dir nicht umsonst als Partner ausgesucht und hättest ihn gern als diesen behalten. Weil er nämlich ein durch und durch fabelhafter Mensch ist. Und daran ändert auch die Trennung nichts.

Typischer Tipp Nr. 2: Weg mit allem, was dich an ihn erinnert

Gemeinsame Fotos? Weg damit! Das Bändchen von eurem Festivalbesuch? Duchschneiden! Die angebrochene Flasche Whisky, die euch diese höllische Nacht beschert hat? Ausgießen! Gib ihm seinen Scheiß zurück, und wehe, du wagst es nochmal, deine Nase in sein T-Shirt zu stecken. Du bist doch nicht masochistisch veranlagt, oder? 

Warum das Bullshit ist:

Kurzfristig mag es Erleichterung verschaffen, ihn aus deinem Sichtfeld zu verbannen. Es wird deinen Schmerz aber nie wirklich lindern können. Weil der nicht von diesem Festivalbändchen verursacht wurde, sondern davon, dass dein Liebster beschlossen hat, ab jetzt ohne dich weiterzumachen. Lass lieber die Tränen laufen vor lauter Wehmut, wenn du dich an die Nächte im Zelt erinnerst, in denen trotz Dauerregens alles noch so großartig schien. Denn je mehr du jetzt von ihnen laufen lässt, desto eher versiegt der Schmerz. Nichts verfolgt uns unerbittlicher als unausgelebte Emotionen. Also lass dich von all dem Zeug an ihn erinnern, und zwar so lange, bis es dich irgendwann nicht mehr berührt. Das ist der Punkt, an dem du wirklich drüber weg bist. Und je weniger du ihn aufschiebst, desto schneller wirst du ihn erreichen.

Typischer Tipp Nr. 3: Lenk dich ab

Irgendwann ist auch mal gut. Wenn du so weiter machst, kommst du nie mehr raus aus deinem jämmerlichen Loch. Was jetzt hilft, ist Ablenkung! Buch den Töpferkurs, den du schon immer mal machen wolltest. Schnapp dir ein, zwei Saufkumpanen und stürz bei der nächstbesten Happy Hour ab. Positiver Nebeneffekt: Du bist gezwungen, vorher in die Dusche zu steigen und deine Haare zu kämmen. 

Warum das Bullshit ist:

Wenn du dich zwingst, dein Loch zu verlassen, bevor du wirklich so weit bist, wirst du es immer mit dir rumschleppen. Also siff so lange vor dich hin, wie du es brauchst (und dein Arbeitgeber es zulässt). Der Töpferkurs ist in deinem Zustand eh rausgeschmissenes Geld. Wirst du jemals aus einer von einem Zombie gefertigten Schale essen, die nach dem Blut deines eigenen Herzen schmeckt? Und auch das Feierngehen kannst du dir sparen. Du wirst ein paar Cocktails runterstürzen und betroffen guckenden Fremden vorlallen, wie toll dein Ex war, um ihnen dann auf die Füße zu reihern. Dafür hast du nun echt nicht geduscht. Also entspann dich. Deine Zeit kommt schon wieder. Und sie tut es von ganz allein.

Typischer Tipp Nr. 4: Meide ihn 

Lauf ihm bloß nicht hinterher. Schreib keine Nachrichten, ruf nicht an, lass dich nicht in eurer Lieblingsbar sehen oder beim Geburtstag seiner Schwester. Er hat Schluss gemacht, und jeder Kontaktversuch von deiner Seite kann nur auf eine einzige, absolut demütigende Art und Weise betrachtet werden: als die totale Selbsterniedrigung. Also reiss dich zusammen. Tu es für deinen Stolz. 

Warum das Bullshit ist:

Dein Stolz sollte dich einen Scheiß interessieren. Viel wichtiger ist, dass es dir gut geht. Und unterdrückte Gefühle tragen ganz sicher nicht dazu bei. Du willst deinen Ex anrufen und ihm sagen, wie sehr du ihn vermisst? Tu das. Er wird sich ohnehin denken können, dass du nicht gleich ein neues, besseres Leben angefangen hast (weder deine starre Miene noch dein neuer Glanz-Blouson wird ihn davon überzeugen). Du darfst nur nicht erwarten, dass er wegen deines Geheuls zurück kommt. 

Und lass dir bloß nicht einreden, du solltest seinetwegen dein soziales Leben umkrempeln und einen Haufen Menschen und Orte zur Todeszone erklären, nur, weil sie auch für ihn eine Bedeutung haben. Wenn dir nicht danach ist, ihm auf der Party zu begegnen, feier halt woanders. Aber gib nicht die Hälfte deines Lebens auf, wenn du sie eigentlich behalten möchtest.

Typischer Tipp Nr. 5: Freunde bleiben? Vergiss es! 

Wer seinem Ex nach der Trennung eine Freundschaft vorschlägt, will ihn in Wirklichkeit nur zurück – eine Verzweiflungstat sozusagen. Außerdem ist es eh ein Ding der Unmöglichkeit, dass eine Beziehung einfach so von einem Zustand (Liebe) in den anderen (Freundschaft) diffundiert. Da braucht man mindestens ein Jahr Abstand, um wieder unbefangen aufeinander zugehen zu können. 

Warum das Bullshit ist:

Nur weil eure Liebesbeziehung vorbei ist, muss nicht alles zwischen euch aus sein. Beziehungen sind äußerst wandelbar, wenn wir uns trauen, die vorgefertigten Ideen davon, wie sie auszusehen haben, hinter uns lassen. Vielleicht werdet ihr noch eine Weile miteinander schlafen wollen. Vielleicht wird er noch ein paar Nächte mit dir über deiner Hausarbeit hocken. Vielleicht braucht es noch ein paar gemeinsam geleerte Weinflaschen, um eure Beziehung auf ihre Schwachstellen zu durchleuchten. Es braucht kein Label für das, was da passiert. Es braucht nur euch beide und die Bereitschaft, es so zu nehmen, wie es ist.

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