Wie Paare sich die Kosten für Verhütungsmittel aufteilen

Fünf junge Menschen erzählen, wer in ihrer Beziehung für Pille, Spirale und Kondome bezahlt.
Protokolle von Tabea Mirbach

Illustration: Federico Delfrati

Wenn zwei Leute Sex haben, ohne gleich eine Familie gründen zu wollen oder sich mit Geschlechtskrankheiten anzustecken, dann sollten sie gut verhüten – so weit, so klar. Aber Pille, Spirale, Kondome oder Verhütungsringe kosten Geld. Wer übernimmt diese Kosten? Fünf junge Menschen erzählen, wer in ihrer Beziehung für die Verhütung bezahlt.

„Die Kosten zu teilen, hätte meine Beziehung belastet“

Für Inga, 24, bedeutet es Unabhängigkeit, die Spirale selbst zu zahlen:

„Wie ich verhüte, hat einen direkten Effekt auf meinen Körper und da mein Körper kein Gemeinschaftsgut ist, möchte ich einfach die Entscheidung treffen, wie ich damit umgehe. Unabhängig davon, wie viel es kostet. Die Spirale für 400 Euro war eine Investition, aber ich habe dafür gespart und konnte es mir alleine leisten. Die Kosten zu teilen, hätte meine Beziehung belastet. Was wäre, wenn wir wieder auseinandergehen würden? Hätte er dann einen Anteil an mir? Hätte ich ihn dann auszahlen müssen oder hätte mein Nächster das abgelöst? Ich habe viele Freundinnen, deren Freund einen Teil der Pille mit zahlt. Das ist für mich wie ein Abo-Modell, das man monatlich kündigen kann. Bei mir mit der Spirale wäre es aber eher ein Festpreis-Modell, das 400 Euro kostet.

Andere finanzielle Entscheidungen treffen mein Freund und ich zusammen: Wie zum Beispiel den Kauf eines Kühlschranks. Den bezahlen wir dann gemeinsam. So Sachen wie Klamotten zahlt jeder für sich selbst. Das Thema, ob wir die Kosten der Spirale teilen, ist bei uns nie aufgekommen, weil wir da erst frisch zusammen waren. Ich möchte auch nicht, dass er mir dafür jetzt noch Geld gibt. Ihm ist es wichtig, dass ich mich mit der Verhütung wohlfühle und dass sie effektiv ist.“

Ich sehe nicht ein, dass sie das allein zahlt, weil sie ja schon die Pille schlucken muss

                      

Clemens, 25, hat sich die Kosten für die Pille mit seiner Freundin geteilt:

„Meine Freundin hat sich am Anfang der Beziehung die Pille verschreiben lassen. Wir haben dann ziemlich bald drüber geredet, dass wir uns die Kosten teilen. Das ist fair, weil sie zusätzlich die hormonelle Belastung hat. Ich sehe nicht ein, dass sie das allein zahlt, weil sie ja schon die Pille schlucken muss. Die Verhütung ist ja letztendlich für uns beide. Vor Kurzem hat sie sich dann entschieden, die Pille abzusetzen. Seitdem benutzen wir Kondome. Ich habe dann eine große Box bestellt und die habe ich bezahlt. Aber es ist dann letztendlich mal so mal so, wer bezahlt.

In meiner vorherigen Beziehung hat meine Ex-Freundin auch die Pille genommen. Die hat sie selber bezahlt, weil es bei uns irgendwie nie Thema wurde. Grundsätzlich hätte ich mitbezahlt, bin aber von alleine nicht darauf gekommen, das zu tun. Das ist, glaube ich, auch das grundsätzliche Problem. Die Frau nimmt die Pille und viele Männer wären dafür offen, die Hälfte zu zahlen. Es denkt nur niemand daran, diese Kosten zu teilen.“

„Wenn man in einer offenen Beziehung ist, ist das schwieriger“

Katharina, 34, zahlt selbst für die Kondome:

„Da ich unfruchtbar bin, geht es bei meinen Beziehungen nicht darum, eine Schwangerschaft zu verhindern, sondern sich mit Kondomen vor Krankheiten zu schützen. In einer längeren Beziehung ist das dann aber nicht mehr so nötig. Aktuell bin ich in so einer Art offenen Beziehung, oder eher Freundschaft plus, aber der Mann schläft nicht mit anderen Frauen. Deswegen verzichten wir auf Kondome. Wenn ich zum Beispiel auf Festivals bin und dort mit anderen schlafe, dann kümmere ich mich um die Kondome. Zu Hause kommt es dann immer darauf an, bei wem man ist. Meistens sind wir bei mir, deshalb besorge ich die Kondome. Die bezahle ich alleine, was ja auch nicht so fair ist. So eine richtige Regelung haben wir da noch nicht gefunden. Es wäre schon fair, die Kosten zu teilen. Aber wenn man in einer offenen Beziehung ist, ist das schwieriger.“

„Wenn beide kein Kind wollen, dann müssen auch beide für die Verhütung zahlen“

Sarina, 31, hat die Kosten für die Pille mit ihrem Freund geteilt:

„Als ich noch in einer Beziehung war, haben mein Freund und ich die Kosten geteilt. Ich habe die Pille bezahlt und er die Kondome. Wir haben das nie irgendwie ausgeglichen, weil ich bei der Pille auf 60 Euro im Jahr kam. Bei mehreren Packungen Kondome kommt man ungefähr auf den gleichen Preis. Das Thema mit der Kostenteilung kam irgendwann am Anfang in der Beziehung auf. Für uns war das okay, dass er für sich die Kondome bezahlt und ich die Pille. Wir wollten beide unseren Spaß haben und jeder hat seinen Teil dafür bezahlt, dass das so bleibt. Und wenn beide kein Kind wollen, dann müssen auch beide für die Verhütung zahlen. In einer Partnerschaft kann das nicht nur an einem liegen.“

Bei meiner Ex-Freundin habe ich die Spirale für 350 Euro bezahlt, dann hat sie Schluss gemacht

Die Freundin von Aaron, 22, hat zunächst alleine die Pille bezahlt:

„Meine Freundin nimmt die Pille und die zahlt sie bisher auch selber. Wir haben kein festes Abkommen darüber, dass ich dafür mal andere Sachen bezahle. Das war nie ein Thema bei uns. Sie überlegt gerade, ob sie die Pille absetzt, weil sie die schon seit sieben Jahren nimmt und dass ich im Gegenzug dafür ab dann die Kondome bezahle. Das ist dann der Deal.

Es ist schon unfair, dass ich mich bisher nicht daran beteiligt habe. Sie nimmt jeden Tag die Pille, bezahlt die Kosten und dann kommt noch die Belastung durch die Hormone dazu, wie zum Beispiel Stimmungsschwankungen. 

Bei meiner Ex-Freundin habe ich die Spirale für 350 Euro bezahlt, dann hat sie Schluss gemacht. Zwei Wochen später. Das fand ich natürlich echt mies. Bei der Pille ist das flexibler, da wäre es schon cool von mir gewesen, die zu bezahlen. Ich glaube ein Problem dabei ist, dass wir Männer unter uns gar nicht über die Verhütung reden und dann nicht auf die Idee kommen, uns daran zu beteiligen. Wenn die Frau die Pille nimmt, betrifft es uns nicht direkt.“

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