Fünftes Rad am Wagen? Konkurrentin? Nix davon, sondern gute Freundin!

Fünftes Rad am Wagen? Konkurrentin? Nix davon, sondern gute Freundin!

Fotos: antifalten, photocase / Courtney Clayton, Unsplash / Collage: jetzt.de

Ich hatte mal einen guten Freund, Christian. Wir trafen uns regelmäßig und fuhren sogar gemeinsam mit anderen Freunden in den Urlaub. Auch Christians damalige Freundin ist mitgefahren. Wir verstanden uns gut, ich war froh über eine weitere Frau in der Gruppe, weil sie ansonsten nur aus Jungs bestand – und sie war froh, dass ich dabei war. Denn immer, wenn Christian etwas über die Stränge schlug, habe ich ihn unauffällig eingebremst.

Da war zum Beispiel das Morgen-Bier, das bei den Jungs auf keinen Fall zum Frühstück fehlen durfte. Ich sah, dass Christians Freundin ihn zumindest bis zum Mittagessen gerne nüchtern für sich gehabt hätte und habe es ihm gesagt. Aus dem Morgen-Bier wurde dann einfach der Mittags-Weißwein. Denn ich hatte für diese Ansage eine viel bessere Position als Christians Partnerin, die vermutlich gleich die meckernde Freundin gewesen wäre. Es war ein harmonischer Urlaub. Ein halbes Jahr später haben sich die beiden getrennt, aber das ist eine andere Geschichte. 

Dann lernte Christian seine neue Freundin kennen. Von da an sah ich ihn immer seltener. Gut, dachte ich, er ist frisch verliebt, da kommt das schon mal vor. Doch als ich die beiden zufällig abends in einer Bar traf, sie kein Wort mit mir redete und mir permanent böse Blicke zuwarf, wusste ich was los war: Sie war eifersüchtig auf mich. Dabei kannte sie mich ja nicht einmal. Christians und meine Freundschaft verlief sich dann schnell. 

Christians Freundin ist keine Konkurrentin losgeworden, sondern hat sich um eine Verbündete ärmer gemacht

Ich finde: Damit hat sich seine Freundin keinen Gefallen getan. Sie ist keine Konkurrentin losgeworden, im Gegenteil – sie hat sich um eine Verbündete ärmer gemacht. Denn es ist toll, wenn der Freund auch weibliche Freundinnen hat. Sie sind nicht unsere Feinde. Sie sind wertvolle Unterstützerinnen, auf die keine heterosexuelle Partnerschaft verzichten sollte. 

Im Leben geht es ja immer um die richtige Balance: Work-Life-Balance, ausgewogene Ernährung, sportlicher Ausgleich. Bei Freundschaften gilt das ebenfalls. Die Mischung macht’s. Reine Männergruppen haben oft eine eigene Dynamik, die durch einen Testosteron-Überschuss in Gang kommt und dann nicht mehr zu bremsen ist. Bei Frauen ist es dasselbe, nur mit anderen Hormonen. Das ist lustig, wichtig und gehört dazu. Aber nicht nur. 

Zum einen spricht es für den Partner, wenn er Freundinnen hat. Er ist dann nicht nur mit seinen Jungs zusammen, sondern hat sich einen Ausgleich geschaffen. Eine gute „Friendship-Balance“ sozusagen. Es zeigt, dass er Interesse am anderen Geschlecht hat – aber nicht nur sexuell. Als ich meinen Partner neulich fragte, was der Unterschied zwischen seinen Freundinnen und seinen Freunden sei, sagte er ganz klar: die Gespräche. Mit seinen Freundinnen spricht er über andere, oft tiefere Themen. Das kann er zwar mit seinen Kumpels auch, aber sie tun es sehr selten. Und es ist eine schöne und wichtige Abwechslung für ihn.

Freundinnen des Partners können die besten Beziehungsratgeber überhaupt sein

Zum anderen profitieren auch die Mädchen und Frauen von den weiblichen Kumpels ihres Partners. Denn sie können die besten Beziehungsratgeber überhaupt sein. Klar, eigentlich sollten Beziehungsprobleme vom Paar selbst geklärt werden. Aber das klappt eben nicht immer – und dann kann ein bisschen Unterstützung von außen nicht schaden. Freundinnen des Freundes sind da das Beste, was einem passieren kann, weil sie den Standpunkt – von Freundin zu Freundin – wahrscheinlich verstehen und dem Partner die Augen für die andere Seite öffnen können.

Es ist Quatsch, Freundinnen des Partners aufgrund ihres Geschlechts und ihrer potenziellen Konkurrenz abzulehnen. In den meisten Fällen sind es tatsächlich nur gute Freunde. Wenn sie etwas voneinander wollen würden, hätten sie dafür genug Zeit und Gelegenheit gehabt. Und dass es sich um einen Fall von „Wir kennen uns schon so lange, lieben uns eigentlich, aber irgendwie ist immer was dazwischen gekommen“ handelt, ist die Ausnahme und kommt im Film viel öfter vor als im richtigen Leben. Vertrauen tut da sehr gut. 

Natürlich checkt jeder und jede die Freunde und Freundinnen des Partners erst einmal ab: Was ist das für eine Person? Wie verhält sich mein Freund in ihrer Anwesenheit? Mag ich sie? Im schlimmsten Fall mag man sie nicht. Das ist blöd, kann aber bei jedem anderen Kumpel genauso passieren. Im besten Fall kann man nur gewinnen – und zwar eine neue Freundin. 

Wer sich jetzt fragt, wie das mit Christian und seiner eifersüchtigen Freundin ausgegangen ist: Sie sind nicht mehr zusammen. Denn sie ist mit einem seiner besten Kumpels durchgebrannt. 

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