Jungs, warum bastelt ihr keine Adventskalender füreinander?

Das müsste euch doch auch Spaß machen.
Von Sophie Aschenbrenner und Jamin Schneider

Sähe so ein echter „Jungs-Adventskalender“ aus? Oder was käme da rein, wenn Männer sich welche Basteln würden?

Foto: kallejipp/photocase.de

Liebe Jungs,

neulich war ich in einer WG zu Besuch. In der Küche war ein selbstgebastelter Adventskalender aufgebaut. Gebastelt hatte ihn die einzige Frau in der WG als Abschiedsgeschenk zu ihrem Auszug. Alle fanden das fantastisch. Im Gespräch stellte sich dann heraus, dass jeder und jede von uns schon mal so einen Kalender geschenkt bekommen hat. Vor allem von unseren Müttern, aber auch von Freundinnen - allerdings nie von einem Kumpel oder dem Vater. Aber wieso ist das eigentlich so? Dass in der Regel Frauen Adventskalender basteln und verschenken?

Denn im Grunde müsste das doch jedem Spaß machen: über 24 kleine Überraschungen für jemanden, den man mag, nachzudenken. Oder sie impulsiv auf einmal zu kaufen, sie dann einzupacken, mit Nummern zu beschriften und zu überlegen, an welchem Tag der oder die Beschenkte welches Päckchen auspacken soll. Schokolade, um den Montag zu versüßen, einen kleinen Wodka für den Freitagabend, eine Adventskerze für die Sonntage zum Beispiel. Wie der Lieblingsmensch da gucken wird! 

Das wird täglich ein Fest, denken wir uns voller Vorfreude. Und manchmal packen wir dann tatsächlich noch eine ordentliche Ladung Weihnachts-Glitzer obendrauf, weil das die ganze Angelegenheit einfach noch schöner macht.

Habt ihr daran denn keinen Spaß? Sonst würdet ihr ja öfter selbst Adventskalender basteln. Aber bisher tut ihr Jungs das eben eher selten – und wenn dann nur in diesem einen Fall: wenn eure feste Partnerin sich einen wünscht.  Ihr macht aber keine für: Brüder, Väter oder beste Freunde. Das gegenseitige Bebastele hat unter Männern wohl nichts zu suchen.

Weil ihr einfach nicht auf die Idee kommt? Oder könnt ihr den Kalendern generell nichts abgewinnen und freut euch im Geheimen doch nicht so richtig über den Kalender von der Mama oder der Freundin? Befürchtet ihr, euer Gebastle würde zu „girly“ wirken? Und traut euch dann nicht, weil ihr denkt, das käme beim Kumpel komisch an?

Oder andersrum: Würdet ihr euch denn nicht freuen, wenn euer Kumpel euch mal einen Adventskalender basteln würde? Und was hättet ihr dann gerne drin – wirklich 24 verschiedenen Biersorten oder vielleicht doch etwas weniger klischeehaftes?

Eure Mädchen

Liebe Mädchen,

die Richtigkeit eurer Beobachtung, dass wir Jungs uns gegenseitig eher selten einen Adventskalender basteln oder schenken, ist nicht von der Hand zu weisen. Ich erinnere mich an keinen Moment meiner (Vor-)Weihnachts-Karriere zurück, an dem ich einem Freund einen solchen Kalender geschenkt hätte. Geschweige denn, dass ich selber einen von einem Typen geschenkt bekommen hätte.

Und ich glaube, das liegt an zwei Dingen, die diese Sache mit dem Adventskalender erfordert: Erstens wird das Basteln eines Adventskalenders häufig mit Weiblichkeit in Verbindung gebracht. Jedenfalls hat man es so während der Kindheit kennengelernt: Die Jungs machen sich beim Fußballspielen die Knie kaputt und Mädchen leben ihren kreativen Basteldrang aus. Klingt nach einer antiquierten Vorstellung, war damals aber für die meisten so. Auch heute gibt es Aktivitäten, die viele einem bestimmten Geschlecht zuordnen. Als Junge habe ich früher zwar auch gebastelt, da hat es sich dann aber vorrangig um irgendwie zusammengeschusterte Feuerwerkskörper gehandelt. Und ich glaube das zählt nicht.

Während Schenken bei Mädchen nur Zeugnis ihrer Freundschaft ist, haben Jungs es schwerer

Punkt zwei ist das Schenken: Das Geschenk zwischen Junge und Junge ist vor allem zu Schulzeiten etwa nicht so akzeptiert, wie das Geschenk zwischen Mädchen und Mädchen. Während es bei Mädchen eine liebe Geste und Zeugnis ihrer Freundschaft ist, haben die Jungs es da schwerer. Hätte ich angefangen, meinem besten Freund kleine Aufmerksamkeiten zu schenken, oder gar einen ganzen Adventskalender, wären mir schnell Sachen wie  „Wie schwul bist du denn?“ und „Nur Pussys schenken sich was!“ an den Kopf geworfen worden. Und das wäre als Beleidigung gemeint gewesen, Kinder können grausam sein. Es hat sich also gar kein Gedanke formen können, der heutzutage hervorkommt und mir vorschlägt, noch schnell einen schönen Adventskalender für einen guten Freund zusammenzustellen.

Dass wir solchen Kalendern aber grundsätzlich nichts abgewinnen können, würde ich so nicht sagen. Jeden Morgen schaue ich voller Neid darauf, was meine Freundin als nächstes auspackt. Den Kalender mit 24 unterschiedlich gefüllten Tüten habe leider nicht ich ihr gebastelt. Sondern ihre Tante. Über einen solchen Kalender würde ich mich riesig freuen. Socken, Stempelkissen, Sticker, etc. pp. Auch gerne mit viel weihnachtlichem Glitter, um richtig in Stimmung zu können!

Ein Bier-Adventskalender ist dagegen eher weniger festlich, wie ich meine. Ich möchte damit zwar keinem Mann sein Bier absprechen. Aber allzu besinnlich wirken 24 Bier an 24 Tagen einfach nicht auf mich.

Ich glaube nicht, dass es zwingend „jungsspezifische“ Geschenke sein müssten

Was ich stattdessen in einen Adventskalender für Kumpel stecken würde, weiß ich leider aber auch nicht genau. Das könnten aber auch mal nützliche Sachen wie ein Ladegerät sein, praktische Socken, Süßigkeiten, Gutscheine. Ich glaube jedenfalls nicht, dass es zwingend „jungsspezifische“ Geschenke sein müssten. Und übergäbe ich das gute Stück dann nicht dem Super-Macho der die Angelegenheit als „lame!“ abtun würde, sondern einem feingeistigeren Freund, würde dieser sich glaube ich riesig freuen. Und mir nächstes Jahr vielleicht sogar auch einen basteln.

Aber das alles ist nicht umsonst im Konjunktiv geschrieben. Unglaubliche Ambitionen, einen solchen Kalender für einen guten Freund zu basteln, hege ich bisher noch nicht. Kann aber daran liegen, dass ich dieses Jahr meiner Freundin einen basteln wollte und das verbaselt habe. Jetzt wäre also erstmal sie dran.

Bei einer festen Freundin ist die Adventskalender-Thematik nämlich ganz anders zu betrachten. Gegensätzlich, könnte man sogar sagen: Hier gilt es ja, das Romantische, das man bei der Schenkung zwischen zwei Jungs vermeidet, klar zu zeigen. Je romantischer, desto besser. Merry Christmas!

Eure Jungs

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