Jungs, wann findet ihr ältere Frauen heiß?

Was macht eine richtige Milf aus?
Von Martina Holzapfl und Elias Steffensen

Hauptsache: Reset - Geschichten übers Neuanfangen. Hier findest du alle Texte aus unserem Schwerpunkt-Thema.

Illustration: Katharina Bitzl

Die Mädchenfrage:

Liebe Jungs,  

neulich erzählte mir eine Freundin, die ein paar Jährchen nun schon keine zwei mehr vorm Alter stehen hat, also in ihren Dreißiger ist, dass sie da so einen Moment mit einem 18-Jährigen hatte. In einer Bar, rauchend, trinkend, Konversation betreibend. Er habe sie dabei die ganze Zeit so, naja, fasziniert angeschaut und ein gewisses Love-interest nicht verbergen können.

Nun hat er sie aber nicht direkt angebaggert. Dafür war er zu schüchtern. Ein Angebot von ihrer Seite aber hätte er sofort angenommen. Sofort. Könnte sein, dass er sich an dem Abend heimlich nichts sehnlicher gewünscht hat, als dass diese heiße, interessante Frau Mitte 30 ihn an der Hand nimmt und mit nach Hause nimmt für die Nacht. Und vielleicht für noch ein paar Nächte mehr. Das konnte man erstens spüren, sagt meine Freundin. Und zweitens hat es ihr der große Bruder dieses 18-Jährigen am Tag drauf auch noch unmissverständlich gesteckt: Der fand dich rattenscharf.  

Das ist deshalb ja etwas ungewöhnlich, weil die Norm doch eher die umgekehrte Situation ist: Ältere Jungs stehen auf jüngere Mädchen. Jüngere Mädchen stehen auf ältere Jungs. Und auch ganz generell gilt ja immer: Alte Männer haben ein größeres Attraktivitätspotenzial als alte Frauen. Aber irgendwie habe ich trotzdem das Gefühl, diese beschriebene 18-Jähriger-verzehrt-sich-nach-Mittdreißigerin-Begegnung ist kein Einzelfall. Da gibt es eben doch irgendeine erotische Knisterei zwischen jungen Typen und älteren Frauen. Und die haben wir noch nicht ganz verstanden.  

Die einfache Antwort eurerseits wäre jetzt: WTF ihr sexistischen Mädchen, auch wir haben das Recht auf ein Pendant zu eurer Bill-Murray-Sehnsucht! Aber ist es wirklich so einfach? Kann man das so simpel erklären?   Wir haben das Gefühl, da schwingt noch etwas anderes mit. Wir denken da unter anderem an das Buch „Der Vorleser“. Wir spüren auf eurer Seite so eine etwas untypische Sehnsucht nach Passivität und Dasein als williger Untertan, so eine fast schon masochistisch-erotische Lust am Braver-Zögling-sein. Zumindest auf Zeit. Denn auch das ist ja interessant: Die Kombi junger Typ und ältere Frau kenne ich eher aus Affären als aus langfristigen Beziehungen.

Und dann ist da noch der Eindruck, als sei so ein Verhältnis mit einer älteren Frau auch eine Art Ritterschlag für euch. Hm! Ihr seht: So richtig gut passt das für uns alles nicht zusammen. Oder doch? Aber wie denn nun?

Aufklären, bitte!  

Mädchen

Die Jungsantwort von Elias Steffensen:

Liebe Mädchen,

gut, dass ihr fragt. Das Thema ist nämlich tatsächlich etwas komplexer, funktioniert auf mehreren Ebenen und hängt vom Alter ab. Also von unserem. Und ihr stochert schon recht wild im Nebel rum.

Grobe Faustregel mal vorab:  

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  • -Fünf Jahre älter geht immer.
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  • -Zehn Jahre älter geht bis 30 immer und wird dann langsam Geschmackssache.
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  • -20 Jahre älter wird spätestens ab 20 deutliche Geschmackssache.
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Geschmackssache ist wertfrei. Und „geht immer“ verändert seine Bedeutung mit dem Alter. Immer noch unserem. Weil: Ihr müsst mal versuchen, euch in so einen 18-Jährigen reinzubeamen. Mit etwas Glück hat er die Pickel gerade gegen ein bisschen Bart eingetauscht. Wahrscheinlich ist das eine aber noch nicht so richtig, richtig weg, und das andere noch nicht so richtig, richtig da. Was in Summe viel Talg im Gesicht ergibt.

Wahrscheinlich hat er schon ein bisschen Sex gehabt, mit etwas Pech aber auch noch nicht. Und wenn er schon Sex hatte, reden wir wohl auch eher von einem Glückstreffer – er hatte schon mal eine Ausstrahlung, die souverän/nett/überzeugend/attraktiv/cool/süß genug war, um euch zu gefallen. Aber was er dafür jetzt genau richtig gemacht hat, weiß er noch nicht (weiß er später auch nicht wirklich, aber vielleicht ein bisschen mehr).

Er ist also in aller Regel noch halbfertig. Und euch gegenüber in der Entwicklung noch immer etwa zwei Jahre hinterher. Und wenn er, weil er früher gereift ist, schon aufgeschlossen hat, kann er sich an das Gefühl, hinterher zu sein, meistens noch erinnern. Ergo: schüchtern.

Und jetzt steht er da also, versucht, souverän zu rauchen und Bier aus der Flasche zu trinken, und hat diese Frau vor sich, die ihn an sexueller und Lebenserfahrung mannshoch überragt. Ja, was meint ihr denn?! Die strahlt das doch aus. Und wie. Und in so einem ungleichen Verhältnis gleich noch mehr. Die wäre auch so „rattenscharf“ (muss man vielleicht wieder öfter benutzen, das Wort!). Aber sie ist natürlich mehr. Sie wäre, nähme sie ihn tatsächlich mit, die absolute, reine Vergewisserung seiner nahen oder womöglich sogar schon erfolgten Reife. Der letztgültige Beweis: Knabenliga ist rum – von hier an Herrentennis, bitches!

Das Prinzip funktioniert locker ein paar Jahre. Und ja, da können schon Spuren von „Der Vorleser“ enthalten sein. „Passivität und Dasein als williger Untertan“ – meinetwegen. Außerdem gibt’s ja auch wirklich was zu lernen, von so einer rattenscharfen (ja, muss man wieder öfter benutzen) Mittdreißigerin. Aber das Coming-of-Age-Element ist größer. Das wäre also der 18-Jährige. Und eigentlich lässt sich das mit der größeren Erfahrung, die wir bei älteren Frauen suchen, auch auf höhere Altersstufe heben. Nur eben mit anderem Hintergrund. Erfahrung macht ja alles leichter. Oder wohl besser: routinierter. Vor allem im Zwischenmenschlichen.

Und da vor allem die Unverbindlichkeit: „Die Kombi junger Typ und ältere Frau kenne ich eher aus Affären, als aus langfristigen Beziehungen“, hast du geschrieben. Ich glaube, die Beobachtung stimmt. Und ich glaube, dass es kein Zufall ist. Vermutlich suchen wir, wenn wir etwas älter sind, bei einer älteren Frau meistens Unverbindlichkeit. Weil das unkomplizierter erscheint. Weil die Codes klarer sind. Glauben wir zumindest. Mit 35 weißt du halt, dass nicht jeder Barflirt sofort eine Beziehung werden muss. Und du scheust dich nicht, das auch klar zu sagen.

Und mit 40 suchst du, hoffen wir mal, keinen Kindsvater, wenn du dir nen 25-Jährigen aufreißt. Sondern Spaß. Und Spaß ist ja toll. „The older the berry, the sweeter the juice“, rappt der prolligere Bruder aus „The Empire“ über seine Cougar-Freundin (gespielt von Naomi Campbell). Erfahrung. Routine. Spaß. Wir wollen das zumindest mal glauben.

Ach so: Da sind wir jetzt natürlich nur im Kosmos „Bars und Rauchen und Flaschenbier und so“. Richtige Beziehungen sind wieder was ganz anderes. Die müssten wir noch mal gesondert verhandeln. Aber ihr wollt Bill Murray ja auch nicht unbedingt gleich heiraten, oder? 

Wir hätten da noch eine Frage: