Auf Festivals und Konzerten wird oft gepogt – meistens übernehmen das die Männer, Frauen sieht man dabei eher selten. Aber warum eigentlich?

Auf Festivals und Konzerten wird oft gepogt – meistens übernehmen das die Männer, Frauen sieht man dabei eher selten. Aber warum eigentlich?

Foto: Stephen Arnold / unsplash

Liebe Jungs,

zusammen mit dem Sommer neigt sich auch die Festival-Saison ihrem Ende zu. Wir sind traurig deswegen – und freuen uns gleichzeitig ein bisschen darüber. Denn so bleibt uns fürs Erste euer verdammtes Gepoge erspart. Vorausgesetzt natürlich, dass wir im Winter nicht gleich wieder die Konzerte unserer Lieblings-Punkbands ansteuern.

Das Pogen ist nämlich eine Leidenschaft von vielen Jungs, die die wenigsten von uns Mädchen teilen. Ihr springt, rennt, stolpert dabei mit vollem Körpereinsatz gegeneinander und achtet währenddessen offenbar auf überhaupt nichts mehr. Weder darauf, was links und rechts von euch passiert oder ob ihr Unbeteiligte dabei an- oder sogar umrempelt, noch darauf, ob eure Bewegungen in irgendeiner Form zur Musik passen.

Was soll dieses unkoordinierte Rumgespringe und Geschubse denn bezwecken? Wir sehen weder Sinn noch Vorteile darin. Denn einmal in das Chaos hineingeraten – entweder, weil wir denken, dass man das halt so macht oder weil ihr uns dort reinzieht – ist das Pogo-Tanzen für uns eine sehr unangenehme, weil schmerzhafte Erfahrung. Ständig springt einem jemand auf die Füße, haut einem das Knie an den Oberschenkel oder den Ellenbogen auf die Nase. Dasselbe dann zurückzugeben, macht den meisten von uns auch keinen Spaß. „Wie kann das jemand gut finden?“, fragen wir uns und euch da.

Genießt ihr das Pogen denn tatsächlich? Was daran? Oder macht ihr das nur, weil man euch von klein auf beigebracht hat, dass das „zum Abrocken“ halt dazu gehört? Ist das Pogo-Tanzen bei euch so beliebt, weil ihr nicht wisst, wie man sich sonst zur Musik bewegen soll? Ist bei Rock und Punk und so ja oft tatsächlich ein bisschen schwerer als bei anderen Musikrichtungen, wo einem das Tanzen dazu schon in den Musikvideos vorgemacht wird. Oder mögt ihr das Pogen einfach, weil es dabei so hart zugeht und ihr euch endlich mal ein bisschen raufen könnt, ohne dass es gleich Konsequenzen hat? Steht ihr insgeheim auf Schmerzen? Oder darauf, sie anderen ganz casual zuzufügen? Erklärt doch mal bitte.

Eure Mädchen

Jungs-Antwort

Liebe Mädchen,

das Thema „Pogen“ scheint euch ja echt aggressiv zu machen. Nach euren Erläuterungen können wir das sogar verstehen. Es ist sicher nervig, wenn man sich eigentlich nur ein Konzert anschauen will und dabei ständig einen Ellenbogen im Gesicht hat. Aber wenn ihr gerade schon so aggressiv seid, vielleicht wäre dann genau jetzt der richtige Zeitpunkt das Pogen nochmal schnell auszuprobieren. Denn tatsächlich sind, wie ihr richtig vermutet habt, unsere Aggressionen der Grund für unsere Liebe zum Pogo. Denn die kann man dabei richtig schön rauslassen – und zwar ohne gegen irgendwelche Regeln zu verstoßen, weil alles im Pogo-Kreis einvernehmlich geschieht.

Es gibt sehr wohl Regeln beim Pogen!

Wer sich in diesen Kreis begibt, der unterschreibt nämlich einen stillen Vertrag. Auf dem steht: Jeder lässt einfach alles raus, „springt, rennt, stolpert dabei mit vollem Körpereinsatz gegeneinander“. Aber auch: „Lass verdammt noch mal deine eigenen Ellenbogen auf Brust- und nicht auf Kopfhöhe und hilf den Leuten, die unfreiwillig auf dem Boden gelandet sind.“

Deshalb fragen wir uns, in welchen gesetzlosen Pogo-Kreisen ihr denn unterwegs wart? Dass wir auf überhaupt nichts mehr achten, stimmt für die meisten von uns nämlich gar nicht. Im Pogo-Kreis existiert mehr Rücksicht, als ihr denkt: Wer fällt, um den wird ein Kreis gebildet, dem wird aufgeholfen. Das ist sogar das oberste Gebot des Pogos.

Wahrscheinlich kann man den Ursprung des Pogo-Drangs, wie so vieles, am Ehesten in unserer Kindheit finden. Die meisten von uns haben als großer Junge/Mann nämlich noch ziemlich viel von ihrem früheren, jüngeren Ich in sich. Und die meisten kleinen Jungs, das ist zumindest unsere Erfahrung von früher, raufen nun mal gerne miteinander. Warum das so ist, wissen wir nicht. Das hat bestimmt irgendwas mit Ur-Instinkten aus der Kategorie „Wer-ist-der-Stärkere” oder so zu tun, da fragt ihr aber besser mal einen Biologen. Soweit es uns betrifft, raufen wir uns halt einfach gern – und da man sich in einem gewissen Alter nicht mehr auf dem Schulhof prügeln sollte beziehungsweise in der Regel gar keinen mehr dafür zur Verfügung hat, brauchen wir Alternativen.

Das „Austeilen” macht so viel Spaß, dass wir das „Einstecken” auch gerne hinnehmen

Also ja – das Pogen macht uns sehr viel Spaß! Und nein, wir stehen nicht (zwingend) auf Schmerzen, aber die gehören nunmal dazu. Wer austeilt, muss auch einstecken können. Und das „Austeilen” – wir reden hier von dem einvernehmlichem Austeilen (heilige Pogo-Regel Nummer zwei) – macht so viel Spaß, dass wir das „Einstecken” auch gerne hinnehmen.

Das alles hat nichts damit zu tun, dass wir denken, dass das Pogen zum Abrocken dazu gehört. Beim Pogo-Tanz läuft es ähnlich, wie bei jedem anderen Tanz auch. Wir drücken das aus, was die Musik in uns auslöst. Und laute Musik, sei es Rock oder Hip-Hop, löst in vielen von uns halt den Drang aus, andere Menschen mit unseren Ellenbogen zu bearbeiten.

Wir glauben übrigens, dass das Pogen gar nicht mehr so viel mit dem Genre der Musik zu tun hat. Auf einem Rap-Konzert wird mittlerweile genauso gepogt wie auf einem Punk-Konzert. Denn auch dort sind eben viele große, kleine Jungs unterwegs, die sich manchmal ein bisschen hauen wollen.

Aber ihr habt natürlich Recht: Wir sollten mehr Rücksicht auf die nehmen, deren Kopfhöhe sich auf unserer Brusthöhe befindet, die am nächsten Tag nicht mit zehn blauen Flecken am Körper aufwachen wollen und ihren Alltagsfrust vielleicht ein bisschen besser im Griff haben, als die meisten von uns. Deshalb ein großes Sorry für alle blauen Flecken und blutigen Nasen, die wir euch im Pogo-Rausch verpasst haben. Soll nicht wieder vorkommen!

Eure Jungs

Was die Mädchen sich sonst noch fragen: