Kameraüberwachung im WG-Kühlschrank

Die Erfindung soll Konflikte unter Mitbewohnern lösen, ist aber doch etwas paranoid.
as_seen / photocase.de

Es gibt Beziehungen, die gehen wegen ihm kaputt. Beste Freunde, die nie wieder ein Wort miteinander reden, wegen ihm. Und Menschen, die umziehen, nur wegen ihm. Obwohl er selbst überhaupt nichts dafür kann. Der Kühlschrank. Herz jeder Wohnung, die sich mindestens zwei Bewohner teilen. Der Ort, an dem die Entscheidung fällt: Für ein ewiges Leben miteinander geschaffen, oder nicht? Kumpels oder Fress-Neider? Mitbewohner oder Feinde? 

Man könnte jetzt sicher den ganz großen Bogen spannen, übers Tierreich, wo sich etliche Herden um ein Wasserloch streiten oder bis hin zu den Menschen, die wegen dem Zugang zu Wasser und Jagdgründen Kriege angezettelt haben. Muss man aber nicht. Es reicht, wenn man in die Küche einer prototypischen WG blickt.

Mein Kumpel Chris zum Beispiel gehört zu der seltenen und komischen Spezies Mensch, die Nutella im Kühlschrank aufbewahren. Irgendwann hat er mal ein XXL-Glas im Sonderangebot gekauft, nach zwei Scheiben Brot weggestellt und dann die Lust dran verloren. Wochenlang aß er kein Nutella, die Geschichte erzählt er heute noch sehr oft. Weil dann, als er wieder Lust auf halb-gefrorene Schokolade für sein Frühstück bekam, das riesige Glas plötzlich leer war. Sein Mitbewohner hatte es gegessen. Dessen Entschuldigung: "Ich habe extra immer nur eine Messerspitze genommen, damit du es nicht merkst." Einer Schuld war er sich deswegen nicht bewusst.

Chris reagierte, indem er seitdem penibel den jeweiligen Füllgrad von Flaschen, Wurst- und Eier-Packungen oder Nutella-Gläsern markiert. Paranoid, könnte man zurecht meinen. Stimmungsrettend, meint er. Nur so würden Chris und sein Mitbewohner nicht mehr über den Inhalt ihres gemeinsamen Kühlschranks streiten.

Eine englische Security-Firma hat sich die Kühlschrank-Streitigkeiten jetzt zu eigen gemacht, berichtet der Guardian. Demnach bietet die Firma bald ein System mit Kamera an, das HD-Fotos knipst, sobald jemand sich auf 50 Zentimeter einem vorher bestimmten Objekt im Kühlschrank nähert. Das Foto wird dann dem eigentlichen Eigentümer per Mail geschickt, samt Warnung, dass dessen Essen oder Getränk von einem anderen benutzt wird. Und Ben & Jerrys, die Eismacher aus den USA, bieten ein Schloss an, das genau auf die geöffnete Eis-Packung passt, um diese vor dem Zugriff von Unberechtigten zu schützen.

Einerseits kann man da natürlich fragen: Was soll der Quatsch? Will man wirklich die Menschen überwachen, mit denen man nicht nur Kühlschrank, sondern auch den Lebensraum teilt? Andererseits könnten solche Ess-Sicherungs-Systeme halt Nutella-Brote retten. Und Beziehungen, Freundschaften und Wohngemeinschaften. Aber zu welchem Preis? Wenn man ehrlich ist, geht man dann doch lieber einmal mehr einkaufen, als sich ständig beim Essen stalken zu lassen. 

max

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