30 Jahre Biene Maja: Willi, du hast unser Jungs-Leben geprägt!

Am Samstag vor dreißig Jahren lief die erste Folge "Biene Maja" im deutschen Fernsehen. Doch die Abenteuer der Zeichentrick-Biene und ihrer Insektenfreunde sind mehr als eine gewöhnliche Fernsehserie. Sie waren stilbildend für eine ganze Generation Jungs - für die Generation Willi. Jedenfalls hat Majas Freund Willi die Jungs unter 30 entscheidend geprägt. Elf Beweise, die zeigen, warum die heutigen Jungs sind wie sie sind: Willi ist schuld!
dirk-vongehlen

1. Wir haben Willis Selbstbewusstsein Die Geschichte: Die Tiere auf der Klatschmohnwiese formen in Folge 98 („Wie Willi diese Wiese rettet“) Kunstwerke aus Lehm. Der vermeintlich faule Willi hat sich selber in Übergröße hergestellt. Doch dann droht plötzlich Gefahr: Puck, die Stubenfliege, taucht auf „und erzählt aufgeregt von einer wilden Bienenhorde, die die Klatschmohnwiese überfallen will.“ In ihrer Not sehen Maja und ihrer Freunde nur eine Lösung, sie spielen den wilden Bienen vor, ein Schwarm gefährlicher Riesenbienen habe die Wiese überfallen. Maja bittet den Anführer der wilden Bienen um Hilfe, doch als dieser den überlebensgroßen Lehm-Willi sieht, bekommen die wilden Bienen „Angst und machen sich aus dem Staub. Die Wiese ist gerettet.“ Was hat das mit uns zu tun? Schon mal auf dem örtlichen Rummel oder beim Oktoberfest eine Horde von uns beobachtet. Erst hängen wir träge rum, die anderen (zum Beispiel unsere Eltern) halten uns sogar für faul, bis wir uns größer machen als wir sind. Und dann haben plötzlich sogar die Wilden Angst vor uns. Oder warum bitteschon gibt es sonst beim Rummel immer Streit?

Illustration: Julia Schubert

Fliegende Vorbilder: Maja und Willi, Foto: AP 2. Wir umsorgen unsere Freunde wie Willi Die Geschichte: In der dritten Folge der Serie landet die freche Maja in der Strafwabe, weil sie gegen die Bienevorschriften verstoßen hat. Sie will aber raus aufs Feld und fliegen. Was also kann man tun? „Der kleine faule Willi hilft. Ihm ist es egal, wo er schläft. Hauptsache, er kann schlafen. Willi tauscht sich durch einen Trick gegen Maja aus. Maja ist frei." Was hat das mit uns zu tun? Wir sind Rocker. Genau wie Willi oder eben wie Metallica. Die haben es musikalischer ausgedrückt, als sie sangen: Wherever I lay my head is home. Doch hinter dieser harten Einstellung des selbstlosen Willi steckt noch mehr: Wenn unsere Freundin einen Wunsch hat, tun wir alles, um ihn ihr zu erfüllen. 3. Wir packen (professionell) im Haushalt mit an Die Geschichte: „In der Falle“ lautet der Titel der Folge (85), in der Willi für das Honigfest einen köstlichen Honig mischen will. Er will unbedingt siegen, aber: „Er verrät selbst Maja nicht, woher er seinen Honig hat. Als er wieder einmal zu seinem geheimnisvollen Garten fliegt, gerät er in die Fänge einer fleischfressenden Pflanze. Eine Blattlaus prophezeit ihm einen qualvollen Tod.“ Zum Glück hat Flip eine Idee und Willi wird gerettet. Was hat das mit uns zu tun? Seit dem wir laufen können, wissen wir: Hausarbeit ist (auch) Männersache (in Folge 94 wird beispielsweise der Besuch der Königin vorbereitet. Maja organisiert alles und teilt die Aufgaben zu und, klar, „Willi ist für das Saubermachen zuständig“). Wir moderne Jungs sind keine Machos ist, wir kochen nicht nur selbstverständlich, wir haben – natürlich – den köstlichsten Honig. Auch wenn wir uns mit diesen eigenen Anforderungen womöglich in Gefahr bringen – und auf fremde Hilfe angewiesen sind. 4. Wir passen uns an unsere Umgebung an Die Geschichte: In der achten Folge machen Maja und Willi Ferien – für Bienen typisch auf dem Rücken eines Pferdes. Dort ist es wunderbar, doch niemand hat den beiden vom gefährlichen Pferdeschwanz erzählt. Willi wird böse getroffen und „fällt bewusstlos zu Boden. Natürlich räumen ihn die Ameisen weg: Alles was herumliegt wird weggeräumt. Bei den Ameisen kommt Willi wieder zu sich, im letzten Moment, und hält sich von nun an für eine Ameise." Was hat das mit uns zu tun? Schon mal von der Generation Praktikum gehört? Jedes Mitglied dieser Gruppe ist wie Willi bei den Ameisen. Es gilt für jeden von uns: Achte auf deine Umgebung und passe Dich an. In der globalisierten Gesellschaft ist es eh schwierig genug, einen Job zu finden. Wenn du also eine Aufgabe hast: nimm sie an; auch als Ameise. 5. Wir haben Ziele, sind aber nicht krankhaft ehrgeizig Die Geschichte: „Willi, der Nachtwächter“ heißt die Folge, in der die Bienen mit dem Problem des Diebstahls konfrontiert sind: „Im Lagerhaus der Bienen ist Honig gestohlen worden. Damit so etwas nicht wieder vorkommen kann, sollen die Wachen verstärkt werden. Willi meldet sich als Freiwilliger.“ Natürlich schafft Willi es nicht, die Nacht über wach zu bleiben. Er schläft ein und bemerkt nicht, dass wieder gestohlen wird. Daraufhin wird er „mit Schimpf und Schande davon gejagt. Er darf sich im Bienenstock nie mehr blicken lassen. Nun irrt der arme heimatlos gewordene Willi durch die Gegend und fühlt sich ungerecht behandelt. Schließlich kann es jedem einmal passieren, dass er nachts einschläft!“ Doch in all seiner Trauer macht er eine Entdeckung: Er enttarnt die Honigdiebe. Was das mit uns zu tun? Alles. Unser Lebensmotto ist Willi-Style: „Hinfallen ist keine Schande. Liegenbleiben hingegen schon.“ Wir haben gelernt: Wenn wir unsere Schwächen akzeptieren, kommt sogar manchmal unverhofft das Glück zu Hilfe. 6. Wir halten Kontakt zur älteren Generation Die Geschichte: In Folge 87 („Herr Besserwisser“) müssen sich die Freunde mit einem älteren Herrn auseinander setzen: Es ist der altersschwache Herr Besserwisser. „Maja hat Mitleid mit ihm und nimmt ihn mit zur Wiese, um ihn mit ihren Freunden bekannt zu machen. Dort aber fällt der Opa bald unangenehm auf, denn er weiß alles besser und belehrt jeden. Nur Willi kann ihn gut leiden und nimmt ihn vor den anderen in Schutz. Als Max, der Regenwurm, seinem Ärger über die Besserwisserei des Opas laut Luft macht, hört der das und geht beleidigt von dannen. Da aber ein Unwetter aufzieht, versuchen Maja und ihre Freunde ihn einzuholen, denn sie befürchten, dass er einem Sturm nicht standhalten kann. Der Wind hatte ihn schon von der Brücke gepustet.“ Die Freunde greifen ein und retten den alten Käfer. In einer Art Generationenvertrag kommen sie anschließend mit ihm überein, dass er verspricht, in Zukunft seine Besserwisserei zu unterlassen. Was hat das mit uns zu tun? Gegenfrage: Was ist die größte Herausforderung, vor der unsere Generation steht? Genau, einen fairen Ausgleich mit der älteren Generation zu finden. Natürlich hören wir unserem Opa oder unsere Oma zu, natürlich bemühen wir uns um einen neue Generationenvertrag. 7. In einer Beziehung achten wir auf Eigenheiten Die Geschichte: Die Folge 58 trägt den wunderbaren Titel „Hans und Heinz aus Mainz“ und erzählt die Geschichte von Flohakrobaten, die das Interesse der Klatschmohnwiese auf sich ziehen. „Plötzlich wollen alle versuchen, auch so wie die Flöhe zu hüpfen, und Alexander holt sogar sein Trampolin. Maja macht sich Sorgen um Willi, der nicht mehr arbeitet, sondern den ganzen Tag bei den Flöhen sitzt. Um die Flöhe dazu zu bringen, weiterzuziehen, lässt sich Maja etwas einfallen.“ Was hat das mit uns zu tun? Die Willi-Lektion ist klar: Bleibe - auch einer Beziehung - du selbst. Unser Flohzirkus heißt vielleicht Playstation und unsere Maja macht sich sorgen, weil wir nicht mehr zur Uni gehen, sondern den ganzen Tag bei den Flöhen, äh vor der Konsole sitzen, aber: So ist das nun mal. 8. Wir haben Angst vor Nachwuchs Die Geschichte: In Folge 15 und 16 müssen Maja und Willi (ungewollt) elterliche Pflichten erfüllen. Erst finden sie eine kleine heimatlose Raupe. „Sie hegen und pflegen sie und beginnen die Raupe gernzuhaben. Doch eines Tages müssen sie erleben, dass aus ihrer kleinen Raupe zuerst ein Monstrum und dann ein wunderschöner Schmetterling wird.“ Auch in Folge 16 („Ungebetene Gäste“) sehen sich die beiden plötzlich mit Nachwuchs konfrontiert: „Maja hat einem Käferpaar versprochen, auf die Brut aufzupassen. Armer Willi! Wenn er gewusst hätte, wie schwierig es ist, einen wilden Haufen kleiner Käfer zu hüten. Er wäre sicherlich an diesem Morgen erst gar nicht aufgestanden.“ Was hat das mit uns zu tun? Deutschland hat ein Nachwuchsproblem. In jeder Talkshow wird uns das vorgejammert. Aber wir wissen jetzt, wer dran Schuld ist: Willi. Von ihm haben wir gelernt: Kinder zu haben, ist ganz schön kompliziert. Deshalb beklagen die Politiker allüberall, dass das Land zu wenig Nachwuchs produziert, an der Käferbrut liegt’s. 9. Beim Sport lassen wir unsere Freundin lieber Zuhause Die Geschichte: Es dauert bis zur 19. Folge, bis Willi ein eigenes Hobby entwickelt. Er nutzt eine Liana als Trampolin und treibt so Bienen-Sport. Natürlich will Maja da auch mitmachen, „sie lernt dieses Spiel sehr schnell von ihm, aber wie so oft übertreibt sie natürlich maßlos und landet im Netz der braunen Spinne. Kurt, der dicke Käfer, hilft Maja gerade noch rechtzeitig." Was hat das mit uns zu tun? Wir behalten unsere Hobbys besser für uns, auch und gerade in einer Beziehung, sonst geht es uns wie Willi: wir nehmen unsere Freundin mit zum Tennis. Sie verdreht sich den Knöchel und lässt sich von Kurt in seinem Käfer heimfahren. Wir sind schließlich mit dem Rad gekommen und können nicht mehr tun, als zwei Fahrräder (unser eigenes und das von ihr) mühsam nach Hause zu schieben. 10. Wir bauen vor Die Geschichte: In der Folge „Wie Maja und Willi über den Winter kommen“ geht es um die Vorbereitung des Winterschlafs: „Es ist schon Herbst, und Willi friert und zittert, aber noch hält Maja nichts vom Winterschlaf. Ihre Devise heißt Bewegung, laufen, turnen, das hält warm.“ Willi willigt bibbernd ein, doch am Ende wird es immer kälter und die beiden haben kein Dach über dem Kopf, sie müssen bei den Maikäfern einziehen. Was hat das mit uns zu tun? Der kluge Willi baut vor – und wir auch. Wir kümmern uns frühzeitig um einen Unterschlupft für den Winterschlaf, für den Auslandaufenthalt, für den Urlaub und fürs Studium, sonst müssen wir womöglich bei den Maikäfern im dreckigen Wohnheim einziehen. 11. Wir sind vorsichtig bei gemeinsamen Reisen Die Geschichte: In Folge 30 („Die Fahrt“) und Folge 50 („Die Seefahrt“) gehen Maja und Willi auf Reisen: Erst ist einer Limonadenflasche: „Es ist ein schöner und warmer Sommertag. Für Maja gerade richtig, auf Entdeckungsflug zu gehen. Sie findet eine Flasche mit herrlichem Himbeersirup. Willi und Maja klettern in die Flasche und schlürfen genüsslich den süßen Sirup. Unglücklicherweise rollt die Flasche in den Bach und schwimmt mit der Strömung davon. Wie in einem U-Boot sitzen Maja und Willi in der Glasflasche gefangen. Willi ist wieder einmal entsetzt über Maja, die ihn durch ihre Abenteuerlust in die gefährlichsten Situationen bringt.“ Und in Folge 50 auf einem Blatt: „Ein Karpfen nähert sich ihnen und bringt das kleine Blattboot in Gefahr. Willi wird seekrank. Zum Glück beobachtet ein Schwimmkäfer die beiden Bienen und holt die Schildkröte Lisa Stumpfstiel zu Hilfe.“ Was hat das mit uns zu tun? Alles, was wir über Mädchen wissen, wissen wir von der wilden Maja. Deshalb: Gerade im Urlaub heißt es vorsichtig sein. Unsere Freundin entdeckt immer wieder neue Herausforderungen, aber wir müssen aufmerksam sein, sonst geht es uns wie Maja und Willi und wir sind am Ende auf die Hilfe von Lisa Stumpfstiel angewiesen, müssen daheim anrufen und darauf hoffen, dass ihre Mutter uns abholt – und sowas passt selbst dem genügsamen Willi nicht. Mehr über die Biene Maja im Netz: - Eine Übersicht über die Entstehung der Serie auf der Webseite des ZDF. - Beim KI.KA gibt es eine Inhaltsübersicht über alle 104 Folgen "Biene Maja"

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