Der moderne Junge macht Mädchen von sich abhängig - putzend

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Vätermonate. Zwei Monate daheim bei Kind, Windeln und Herd statt im Büro. Nicht wenige Männer schreien bei dieser Vorstellung empört auf. Sie sehen ihren Status als Mann und Ernährer in Gefahr. Diese Männer haben nichts verstanden. Überhaupt nichts. Sie werden auf kurz oder lang aussterben. Denn die Nachfrage regelt das Angebot. Die schlaueren Männer haben nämlich auch geschrieen. Aber vor Freude. Noch ein Bereich wird ihnen da überlassen. Einfach so, und sogar noch bezahlt.

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Illustration: Julia Schubert

Illustration: dirk-schmidt In Wirklichkeit ist es so: Jahrtausende hat sich der Mann sein Weibe untertan gemacht. Hat es am Herd festgebunden, während er auf die Jagd ging, die Quantenphysik erforschte oder Pläne für tolle Kriege austüftelte, in denen es oft „Bumm“ machen sollte. Denn wenn der Mann nach Hause kam, hatte er in erster Linie Hunger. In zweiter Linie Verlangen nach einem frischbezogenen Bett in einem frischgeputzten Schlafzimmer. Das hatte das Weib zu besorgen. Bald brauchte der Mann sein Weib nicht mehr festbinden, es hatte verstanden: „Weglaufen bringt nichts. Wie soll ich mich dann ernähren? Wenn ich keinen Mann habe, der vom Jagen Fleisch mitbringt, der beim Forschen Preisgelder gewinnt, der aus dem Krieg ein Bein weniger, dafür aber vier Orden mitbringt? Ich bin ja von ihm abhängig.“ Irgendwann wurde alles anders. Die Weiber nannten sich nun Frauen und dachten: „Soll ich meine Tochter nur zum Putzen und Kochen gebären? Und wozu soll ich meinen Sohn gebären? Nur, damit er sich ein Bein wegschießen lässt?“ Bald dachten die Frauen nicht nur so, sie sagten es auch so. Und selbst die dümmsten Männer mussten einsehen, dass die Frauen da irgendwie Recht haben. Also wurde alles anders gemacht. Den Jungs wurde beigebracht, wie man ein Bad putzt und warum an Käsespätzle unbedingt ein wenig Muskatnuss gehört. Die Mädels wurden ermutigt, doch auch mal Physik-Leistungskurs zu wählen. Und siehe da, sie waren gar nicht schlecht: Mädchen wie Jungs. Inzwischen sind die Kinder erwachsen und wohnen in der Stadt, einige von ihnen auch zusammen. Bei manchen streitet man sich, wer die Aufgaben erledigen muss, die früher das Weib gemacht hat. Bei anderen, bei den Paaren mit den schlauen Männern, kocht der Junge das Abendessen – er hat auch mittlerweile gelernt, dass man danach aufräumen muss. Der Junge putzt, einmal im Monat auch unter dem Bett, wäscht, flickt und holt die Haare aus dem Abfluss der Dusche, weil das Mädchen das so ekelig findet. Es macht dem Jungen auch nicht wirklich viel aus. Beim Putzen kann er herrlich an gar nichts denken, seit jeher eine seiner Lieblingsbeschäftigungen. Die Mädchen sind stolz auf ihre fortschrittlichen Jungs. Doch während sie ihren Mamas und ihren Freundinnen am Telefon berichten, was der Freund am Wochenende für eine tolle Lasagne gemacht hat, ahnen sie nicht, dass sie einem perfiden Plan aufgesessen sind. Die Jungs haben vom wilden Leben ihrer Väter und Vorväter gehört, nicht zuletzt von ihren Müttern und Großmüttern. Von den Zeiten, in denen die Frau nicht einfach weglaufen konnte, wenn der Mann zu oft betrunken nach Hause kam. Also sagen die Jungs: „Bleib sitzen, Prinzessin. Den Abwasch schaff` ich leicht alleine.“ Oder: „Soll nicht besser ich kochen? Weißt du nicht mehr, wie du letztes Mal hast alles anbrennen lassen, und wir den Topf wegscheißen mussten?“ Das Mädchen bleibt sitzen und hat ein bisschen ein schlechtes Gewissen. Erst wenn der Junge eine Zeit nicht da ist, im Urlaub oder zur Arbeit in einer anderen Stadt, bemerkt das Mädchen die Taktik des Jungen. Wenn sie einsam den fünften Tag in Folge Buchstaben-Suppe löffelt, singt sie traurig ein Lied von Stereo Total vor sich hin: „Ich habe Hunger, denn du bist nicht mehr da.“ Dann ruft das Mädchen den Jungen an. Die Küche ist inzwischen richtig dreckig, doch das Mädchen weiß nicht, wo der Junge den Schrubber abstellt. Dem Jungen gefällt das prächtig: Das Mädchen kann nicht weglaufen, es würde nach verstärktem Fertigsalat-Konsum an Mangelerscheinungen sterben. Oder in der ungeputzten Dusche festkleben. Das Mädchen ist vom Jungen abhängig, so wie es Oma von Opa war. Nicht finanziell, sondern ernährungs- und putztechnisch. Das Mädchen weiß das auch, und so kann der Junge jetzt samstags sagen: „Ich geh` jetzt Fußball schauen, denn ich habe schon den ganzen Tag geputzt.“ Das Mädchen kann nicht mal meckern. Schlaue Jungs freuen sich also auf die Vätermonate. Sie können zwar nicht stillen, aber das kriegen sie auch noch irgendwie hin. Und ihr, Prinzessinnen, bleibt doch sitzen. Wir machen das schon. Kein Thema, echt nicht.

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