Frauen, Ausgehen, Spaß haben

Meine Theorie: Je höher der Frauenanteil in einem Club, desto langweiliger.
christina-waechter

Ich glaube, viele Mädchen verbinden mit Ausgehen vor allem eins: Flirten. Und wer einen potenziellen Partner finden will, geht da hin, wo sich seinesgleichen aufhalten, also auf Nummer Sicher. Und diese Nummer ist tendenziell fad. Steigt der Frauenanteil in einer Bar, verändert sich aber auch das Verhalten der anwesenden Herren. Die benehmen sich und geben sich Mühe, Sitte und Anstand nicht zu verletzen. Schließlich besteht plötzlich auch für sie die Chance, sich noch amourös zu betätigen. Das empfinden sie aber nicht unbedingt als angenehme Abendgestaltung, sondern als anstrengendes Gebaggere mit ungewissem Ausgang.

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Illustration: Julia Schubert

Es gibt auch Lokale, die von Anfang an mehrheitlich von Mädchen besucht werden. Das mag daran liegen, dass dort dreißig verschiedene Kakao-Sorten und exotische Säfte angeboten werden. Oder an dem immergleichen reizenden Oma-Ambiente inklusive Zimmer-Kamin. Dass in diesen Läden dann auch so viel passiert wie in einer Folge „Bob Ross – The Joy of Painting“, gehört irgendwie zwangsläufig dazu. Dabei verpassen diese Mädchen das, was doch eigentlich den Sinn des abendlichen Ausgehens ausmacht: Die Welt muss keineswegs explodieren und man muss sich auch nicht ins Koma saufen, um mit Fug und Recht behaupten zu können, man habe einen guten Abend erlebt. Der Reiz besteht darin, dass zumindest immer die Möglichkeit besteht, dass plötzlich ein Gast auf dem Tresen steppt, oder man mit einem Vorarlberger Bauernburschen Bruderschaft trinkt. So etwas passiert nicht oft, aber es passiert garantiert nie in Läden, die mehrheitlich von Mädchen besucht werden. Beim Ausgehen verfallen auch die coolsten Mädchen oft in üble Rollenklischees. Sie rotten sich zu gackernden Runden zusammen, die sich für die real existierenden Vorbilder der „Sex and the City“-Damen halten, weil sie schon einmal „Schwanz“ gesagt haben. Oder sie hängen am Ärmel ihres Freundes rum und beschweren sich über die anstrengende Musik, dass im Club geraucht wird oder die Tatsache, dass es schon später ist als abgemacht und man doch morgen früh aufstehen müsse. Alleine ausgehen, das machen Mädchen nicht. Das ist für sie nicht vorgesehen und wenn sie es doch einmal versuchen, merken sie schnell, warum sie bisher darauf verzichtet haben – sie werden vom Personal misstrauisch beäugt oder von Gästen blöd angemacht. Jungs dagegen dürfen vier Stunden am Tresen kleben, jede kleinste Bewegung aus dem Augenwinkel registrieren und werden trotzdem nicht für notgeile Soziopathen mit Alkoholproblem gehalten. Jungs sind ein fleischgewordenes Edward Hopper-Gemälde: Der einsame Großstadt-Wolf, der das Gewicht der Welt auf seinen Schultern trägt und nur durch einen Drink eine kleine Linderung der Seelenqualen erfährt. Um Missverständnissen vorzubeugen: Es geht hier nicht um Coolness. Langhaarige Maschinenbaustudenten, die in Zirbelstubenambiente zu Deathmetal ihre Mähne schütteln, sind nicht cool. Trotzdem verbringe ich in rustikalen Bars wie diesen die lustigeren Nächte, auch wenn die Musik das Trommelfell regelmäßig zum Hinterkopf zurrt und nicht einmal das Bier genießbar ist. Klar sind das keine Abende, an denen man sich von einer stressigen Woche erholen und gute Gespräche über die Beziehung führen kann. Aber diese Abende bleiben einem im Gedächtnis. In der eigenen Peer-Group kann man sich ja noch den Rest des Lebens schön rumkuscheln. Illustration: daniela-pass

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