Hilfe, die 90er kommen!

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1. Die ewigen Clintons Am dritten November 1992 gewinnt der smarte Baptist William Jefferson „Bill“ Clinton die Präsidentschaftswahlen in den USA und regiert das Land bis 2001. Heute kokettiert er im kleinen Kreis damit, dass er 2008 wieder ins weiße Haus einziehen wird. Und zwar an der Seite seiner Frau, der Senatorin Hillary Clinton, die vermutlich 2008 Präsidentin werden möchte. Falls es damit nicht klappt, liebäugelt Clinton auch gelegentlich mit dem Posten des UN-Generalsekretärs – als Nachfolger von Kofi Annan. 2. Take That-Reunion Im Juli 1991 gelingt der britischen Band Take That mit der Single "Do What You Like" der Durchbruch. Richtiger Erfolg stellte sich erst mit der Coverversion "It Only Takes A Minute" ein. Der Rest ist Hysteriegeschichte, die 1994 ihren Höhepunkt erreicht. Es folgen der Ausstieg von Robbie William und 1996 das Ende der prägendsten Boyband der 90er-Jahre – anläßlich der Trennung werden Notfalltelefone für verzweifelte Fans eingerichtet. Im Herbst 2005, nach fast zehn Jahre Trennung, geben die Mitglieder bekannt, Take That wieder zu vereinen. Allerdings ohne Robbie Williams der inzwischen solo zum Superstar avanciert war. Im Frühjahr 2006 gibt es eine Tour durch England, die innerhalb von 30 Minuten bereits ausverkauft ist. 3. Das politische Erbe wird spürbar Zum Wort des Jahres 1997 wird „Reformstau“ gewählt. Dahinter verbarg sich eine der wichtigsten Aufgaben, die die rot-grüne Koalition zu bewältigen hatte, die 1998 unter Gerhard Schröder die Arbeit aufnimmt. Die damals angestoßenen Reformen und die von Schröder durchgepeitschte Agenda 2010, die lange beherrschendes Schlagwort der deutscher Innenpolitik war, geriet in Vergessenheit bis, tja, bis Angela Merkel vor wenigen Tagen feststellte, das ebenjene Reformanstrengungen aus den 90er-Jahren nun endlich zu wirken beginnen. 4. Henry Maske schlägt zurück Im Jahre 1990 kämpft der fünfmalige DDR-Boxmeister Henry Maske zum ersten Mal als Profi und arbeitet sich 1993 bis zum IBF-Weltmeister vor. Diesen Titel verteidigt Maske bis 1996, dann verliert er gegen den Amerikaner Virgil Hill und verabschiedet sich mit viel Pathos und der Platin-Hymne „Time to Say Goodbye“ in den Ruhestand. Fortan fungiert er unter anderem als Franchisenehmer von McDonald-Restaurants. Das spektakuläre Comeback des Henry Maske wird im Februar oder März 2007 in München stattfinden und zwar aus niederem Beweggrund: Rache. Sein damaliger Niederschläger Hill nämlich, konnte überraschend noch einmal den Titel des WBA-Weltmeister (42) erboxen - deswegen will Maske nun erneut gegen ihn in den Ring steigen. 5. Comeback der Arbeitslosenquote Juli 1996: 10,6 % Juli 2006: 10,5 % 6. Was ja nie weg war: Kate Moss Inline-Skates Günther Jauch bei Stern TV Sneaker Mobiltelefone Satellitenfernsehen Nazis

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„Meist schweißt es die Partner eher zusammen, wenn sie gemeinsam die Depression überstehen”, sagt Dr. Gabriele Pitschel-Walz.

Illustration: Julia Schubert

7. Klinsi am 24.06.1990 Klinsi am 24.06.2006 8. Kevin Costners Filme Hits: 1990 - Der mit dem Wolf tanzt 1991 – JFK 1991 – Robin Hood 1992 – Bodyguard 1993 – Perfect World 1994 – Wyatt Earp 1995 – Waterworld Flops: 1996-2005 Und jetzt: Bodyguard 2 (Start 12.10. 06, aber ohne Whitney!) 9. Tamagotchi Zur Ertüchtigung aller pädagogischen Bedenkenträger bringt die Firma Bandai Mitte der 90er-Jahre ein piepsendes Plastikei auf den Markt, das als virtuelles Haustier unter dem Namen Tamagotchi die Pausenhöfe eine Saison lang dominiert. So schnell wie der Hype um das Spiel entsteht, verschwindet er wieder. Nach acht Jahren Ruhe kündigt Bandai Anfang 2004 eine Neuauflage mit dem Namen Tamagotchi Plus an und verkauft wie in alten Zeiten pro Woche 100.000 Stück davon. Im März 2006 folgt die dritte Generation des Geräts unter dem Namen "Tamagotchi Connexion". 10. Grunge-Karo kommt wieder

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„Meist schweißt es die Partner eher zusammen, wenn sie gemeinsam die Depression überstehen”, sagt Dr. Gabriele Pitschel-Walz.

Illustration: Julia Schubert

Links an Kurt Cobian, rechts in der aktuellen Diesel-Kollektion. 11. Stuckrad-Barre schreibt für jetzt Als Popstar der jungen deutschen Literatur wird der 24-jährige Benjamin von Stuckrad-Barre nach dem Erscheinen seines Debütromans „Soloalbum“ gefeiert. Davor und danach schreibt er als freier Autor für das jetzt-Magazin, das jeden Montag in der SZ liegt. Auf den schnellen Aufstieg des S.-B. folgt die Schwemme der Popliteratur, ein langsam bröckelndes Interesse an seiner Person und sein Exil in der Schweiz . Jetzt ist er wieder da und schreibt am Montag auf der aktuellen jetzt.de-Zeitungsseite über sein neues Projekt. 12. Tankerunglücke Angefangen mit der Exxon-Valdez-Katastrophe im Jahr 1989 gibt es in den neunziger Jahren nahezu jedes Jahr ein schweres Tankerunglück und Ölteppiche werden zu Einrichtungsgegenständen. Mitte August 2006 schafft es nach langer Zeit mal wieder eine ordentliche Ölpest in die Tagesschau: Der vor der Küste von Guimaras gesunkene Tanker «Solar I» hat bisher rund 200 000 Liter Öl verloren und verschmutzt große Abschnitte der philippinischen Küste. 13. Tiramisu Es ist das Mode-Dessert der frühen 90er-Jahre, was zur Folge hat, dass die Nachrichtenspalten der Lokalteile regelmäßig von Kaffeekränzchen berichten, die mit kollektiver Salmonellenvergiftung ins Krankenhaus eingeliefert werden. (siehe Bild)

SZ vom 17. Mai 1997 Abgelöst wird der saftige Nachtisch irgendwann von der Panna Cotta oder gleich vom Molkedrink. Aber jetzt: was bringt der blutjunge (19) und obergestylte Praktikant hannes-kerber heute zu seinem Abschied in die Redaktion? Ein Tiramisu! Und was für ein kräftiges Exemplar!

jetzt.de-Küche vom 25. August 2006 Let’s call this the Tiramisu-Comeback! 14. Was in den 90ern geblieben ist: Yes-Törtchen Britpop & Drum’n'Bass Celine Dion Diesel-Only-The-Brave-T-Shirt Diana Corel Draw Jugoslawien 15. Horst-Humor Die Rapper von Blumentopf begackern sich auf ihrer aktuellen Single über den Namen "Horst" mit Textzeilen wie „nichts schützt davor ein Horst zu sein“ und „Diagnose: Horst“. Die Rocker von Mando Diao präsentieren auf dem gerade erschienen Album einen Track mit dem Titel „Good Morning Herr Horst“. Horst als Inbegriff des witzigen deutschen Namens gereicht also allenthalben zur Belustigung. Problem nur, das die „Horst = Spack“ - Welle bereits 1997 mit dem Buch „Horst der Held“ einen langweiligen Höhepunkt erreicht. Sie wird damals übrigens abgelöst von den „Helga“-Rufen auf Festivals.

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