Hooligans gegen Intelligenz

"Hunde raus aus Deutschland", "Hooligang gegen Salamisten", "Hooligans gegen Satzbau": Parodien von rechtem Gedankengut sind gerade extrem beliebt. Unser Autor sagt: Hört auf, euch in eurem eigenen aufgeklärten Humor zu suhlen!
sebastian-witte

„Mein Mampf!“ steht da in Frakturschrift. Darüber ein Foto von Adolf Hitler. Er schaut mit grimmiger Miene vom Bildschirm aus den User an. Witz kapiert? Sicher doch! Mampf. Kampf. Hahaha!

Zu finden ist das Bild auf der Facebook-Seite „Hooligans gegen Salamisten“. Hier feiert man Wurst-Witze mit politischem Hintergrund. Und die Anti-Salamisten sind mit ihrer Art von Protest-Humor nicht allein. Die Seite „Hunde raus aus Deutschland“ zum Beispiel warnt vor „Überhundung“ der Heimat oder fordert: „Deutsche kauft nicht bei Hunden!“. Phrasen und Plakate aus der rechten Szene werden hier ins Lächerliche gezogen. So weit, so gut. Oder?

Nein. Denn so inhaltsleer nationalistische und rechte Texte oder Wahlplakate ja sind, so sinnentleert zeigen sich auch viele Witz-Seiten, die auf Facebook immer mehr Zulauf bekommen. Für jeden, der Kalauer wie „der ewige Pudel“ verstanden hat, sind sie ein großer Spaß. Aber mehr auch nicht. Weil sie sich in ihrem eigenen Humor und Intellekt suhlen – anstatt wirklich etwas zu ändern.

Schaut her, wie klug und überlegen ich bin! Echter Dialog findet so aber nicht statt.

Manche Tierliebhaber bezeichnen „Hunde raus aus Deutschland“ als lächerlich, andere drohen den Administratoren sogar mit Vergasung und Kastration. Mit ihren Hassattacken enttarnen sie sich selbst als ignorante Idioten und Freunde von rechten Ideologien. Auch Hetze gegen Einwanderer ist dann schnell zu finden: „Bevor die Hunde abgeschafft werden, sollte lieber erstmal das eingewanderte Pack, dass (sic!) hier für lau lebt, raus!“ postet eine Teenagerin, deren Profilbild sie mit Piercings, bunten Haaren und Hundeblick zeigt. Gierig stürzt sich eine Gruppe von Lesern auf die Äußerung des Mädchens. Mit einer Mischung aus Moralpredigt und Flachwitz machen sie sich über den Post her. Sie stacheln sogar an, weil es ihnen Spaß macht.

Die „Hooligans gegen Satzbau“ treiben das Spiel noch etwas weiter. Sie übersetzen ausländerfeindliche Posts, die oft vor Rechtschreibfehlern wimmeln, in korrektes Hochdeutsch und posten sie erneut. Dann natürlich fehlerlos, aber mit einem kleinen Gag gespickt. Am Inhalt ändern sie nichts.

Bei all dem Gelächter der schlauen Online-Bürger ist das sehr traurig. Die „Hooligans gegen Satzbau“ erklärten in einem Interview vor kurzem: „Dass wir vermutlich die Urheber der Postings nicht erreichen, ist uns klar.“ Es sei nämlich sehr schwierig mit den Rechten zu reden. Also bleibt man eben unter sich und lacht.

Es ist das alte Spiel: Unter- gegen Oberschicht. Jedes der beiden Lager vergewissert sich im Internet seines eigenen Weltbilds. Die eine Seite liket die Auftritte der hetzerischen Parteien und schreit „Wir sind keine Nazis, aber …!“. Erklärte Feinde sind hier die Gutmenschen, die Politiker oder die gleichgeschaltete Presse. Die andere Seite reagiert mit Häme. Sie erstellt Seiten wie "Rhetorische Perlen von AfD- und NPD-Anhängern", folgt der Titanic bei Twitter und amüsiert sich prächtig.

Am Ende ist das Verhalten der scheinbar so aufgeklärten User verlogen und selbstgerecht. Sie schauen durch eine dicke Glaswand, die sie von den ganzen Wilden auf der anderen Seite trennt. Die selbsternannte Netz-Elite weist AFD-Anhänger, Neo-Nazis oder Verschwörungstheoretiker durch die Scheibe selbstgefällig auf deren Rechtschreibfehler hin oder sie blockt mit einem coolen Face-Palm-Foto ab, wenn die Wilden sich nicht gleich vom Guten überzeugen lassen. Sie kritisieren mangelnde Umgangsformen oder zeigen sich fassungslos, wenn menschenverachtende Posts ihren Feed kreuzen. Auf eine Diskussion, die beiden Seiten etwas Erleuchtung bringen könnte, haben sie aber keine Lust.

Sie könnten aufklären und erklären, nehmen sich dafür aber keine Zeit, sondern behalten ihr Wissen für sich selbst. Für einen kurzen Lacher und ein leichtes Gruseln vor der Unterschicht reicht es grade noch. Für mehr nicht. Dann lieber liken, folgen, teilen und der Peergroup zeigen, wie schlau man selbst ist und wie dumm die anderen sind. Es tut immer gut, zu wissen, dass man auf der richtigen Seite steht. I just came here to read comments. Na dann: Viel Spaß!

Text: sebastian-witte - Illustration: Sandra Langecker

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