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Warum waren so viele Menschen bei Obama?

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Am Donnerstagabend sehr nahe an der Siegessäule in Berlin lehnte sich ein englischsprachiger Reporter samt Mikrofon und Kameramann über den niedrigen Zaun, der den Pressebereich von der Barack Obama-Zuhörermeile auf der Straße des 17. Juni trennte. Er tippte einem blonden Mädchen von vielleicht 17 Jahren auf die Schulter, sie war mit ihren Eltern und ihrer Schwester und im neongelben Top zum Redefest Obamas gekommen. Die Familie musste früh dran gewesen sein, die Backen der vier waren von der Sonne leidlich rot gebacken. Also fragte der Reporter das Mädchen und die Familie, warum sie denn gekommen seien und die Antwort hieß: Wegen Obama. Also fragte er, was denn an Obama so besonders sei und die Umstehenden lauschten. Sie schienen in ihren Köpfen auf der Suche nach ihrer eigenen Antwort auf diese Frage zu sein. Es entstand eine seltsame Pause, ehe das Mädchen zu einer kleinen und diffusen Antwort anhob: „Weil er … cool ist?“ Der Reporter war irgendwie unzufrieden und wendete sich bald ab. Warum hatten sich gut 200.000 Menschen auf den Weg gemacht, um einen Politiker zu sehen, von dem die meisten in Wahrheit nur wenig wissen? Ein Reporter der FAZ, der für das Onlineportal seines Arbeitgebers den Tag verfolgte und der an jeder von Barack Obamas Haltestellen anzutreffen war (Kanzleramt, Auswärtiges Amt, Hotel Adlon, Straße des 17. Juni), mutmaßte, dass der Berliner an sich allein von dem Wort „Eintritt frei“ zu locken sei. Zwei Studenten vor dem Auswärtigen Amt wollten den Mann „in echt“ sehen, von dem sie schon sehr viel im Internet gesehen hatten. Viele US-Amerikaner waren da und verhehlten nicht, dass allein die Vorfreude auf den letzten Tag George W. Bushs der Grund sei, Obama zu unterstützen. Einer meinte dann noch, der Wunsch nach einem Wechsel an der Spitze der USA sei so groß, die Menschen würden zur Not auch Kermit dem Frosch zuhören. Aber irgendwie genügen diese Antworten nicht, um zu erklären, warum eine so große Menge an Menschen einem fremden Politiker die Aufwartung machte. Auf der Redemeile waren zwei Zuhörer zu belauschen, die versuchten herauszufinden, für welchen anderen Politiker sie ihren Sommerfeierabend gegeben hätten? Sie spielten viele Varianten, redeten über Bill Clinton, schon nett, Helmut Kohl, hm, schließlich über Kurt Beck und dann mussten sie lachen. Barack Obama ist relativ jung, schwarz, er hat einen großen Teil seiner Wahlkampfgelder über das Web gesammelt; dazu musste er sich eben jener Internet-Kultur anpassen, in der Botschaften nicht mittels Grundsatzreden sondern in dreiminütigen Clips vermittelt werden. Er beherrscht dieses trailergleiche Sprechen, das pathetische Stapeln von Argumenten, die in eine flirrende Conclusio mündet. Und am Ende denkt man, er hat alles gesagt. Auch wenn er dann doch nicht soviel gesagt hat. "Welche Ideen von Obama findest du gut?" Mit dieser Frage konnte man sich vor der Rede an der Siegessäule Genervtheit einhandeln. Wenige wussten Genaues. Nach der Rede war es für alle einfacher, eine Antwort zu finden. Schließlich sprach Barack Obama eine Reihe von Stichworten an - Klimawandel, Atomwaffen, Freiheit - die zumindest einen Hinweis auf seine Vorhaben gaben. Vielleicht aber ist der Grund für die Zuneigung der Zuschauer der Respekt vor seiner Leistung. Bei einer Fußball-EM interessiert man sich zu Beginn irgendwie für alle Teams ein wenig, für die Favoriten sowieso und für das eigene Lieblingsteam dann auch mehr. Im Lauf des Turniers setzen sich Teams durch und werden interessanter, bis im Finale zwei Mannschaften alle Blicke auf sich vereinen, ob man nun ihr Anhänger war oder nicht. Womöglich lässt sich so die Zuneigung zu Obama erklären. Die deutschen Medien haben im vergangenen Jahr das Faszinierende am politischen Wettbewerb in den USA entdeckt: Viele Kandidaten treten bei diesem Wettbewerb an, jede Runde haut es aber wieder welche raus. Über diesen Wettbewerb werden wir seit vergangenem Jahr so gut informiert wie noch nie. Bei den Demokraten dauerte der Kampf zudem sehr sehr lange, aber es war auch ein bisschen reizvoll, ihm zu folgen. Weil die Finalgegner Hillary Clinton und Barack Obama waren. Nach allem was man voraussagen kann – die Nominierung der Demokraten steht noch aus - hat Barack Obama nun dieses Mammutrennen gewonnen. Er hat im Lauf von eineinhalb Jahren nach und nach die Scheinwerfer auf sich gezogen. Das ist nicht mit einem Schlag geschehen. Für seine Zähigkeit bekommt er jetzt Respekt und Aufmerksamkeit und sehr viele Zuhörer sogar in Berlin. Vielleicht ist das eine Erklärung für das, was am Donnerstagabend war. Was meinst du? ******************************************************* BILDSEQUENZ (auf das Foto klicken, dann geht es los): Auf der Spur von Obama in Berlin - nachträglich gezoomt

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„Meist schweißt es die Partner eher zusammen, wenn sie gemeinsam die Depression überstehen”, sagt Dr. Gabriele Pitschel-Walz.

Illustration: Julia Schubert

Viele wollten mit ihren Digitalkameras am Donnerstag ein Bild des demokratischen Bewerbers um die US-Präsidentschaft machen. jetzt.de hat es auch versucht und ist, naja, so mittelweit gekommen. Zuhause sahen wir die Bilder durch und stellten fest, dass auf vielen erst wenig, dann aber, mit Hilfe des nachträglichen Zoomens, doch etwas zu sehen war. In der Bilderserie stellen wir Ursprungsbild und Zoombilder einander gegenüber. Am Ende entsteht ein anderes, ein seltsames Bildgefühl. Als verfolge eine Überwachungskamera den Kandidaten. Ein zweiter Blick auf den Obama-Besuch. Bild Bild Bild Bild Bild Bild Bild Bild Bild Bild Bild Bild Bild Bild Bild Bild Bild Bild Bild Bild Bild onloads[onloads.length] = makeImageLightbox; var myLightbox = null; function makeImageLightbox() { myLightbox = new JetztImageLightbox(); }

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