Weg mit dem Grund- und Hauptschullehramt!

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Wenn es an Frauen fehlt, ist ein spezielles Förderprogramm meist nicht weit. Doch auch Männermangel kann zum Problem werden, an Unis zum Beispiel. Die wenigen Männer können keine Vorlesungen abklemmen. Denn dem Professor fällt es noch in einer 100-Frau-Veranstaltung auf, wenn der einzige fehlt, dem die Gesichtsrasur nicht peinlich ist. Zudem bindet der Dozent die Männer in jede Diskussion mit Geschlechterbezug ein – egal ob sie ihre Pubertätserfahrungen mit den Kommilitoninnen im Pädagogik-Seminar teilen möchten oder nicht. Die Mädchen fragen sich, warum der einzige Typ im Seminar auch noch stottert – nur weil er von den psychischen Nebenwirkungen seines verspäteten Peniswachstums erzählen soll. Echte Männer braucht die Uni. Meine Theorie: Namen machen Studenten. Um Männer anzuziehen, benötigen die Hochschulen Studiengänge mit Bezeichnungen, für die der herkömmliche Schwellkörperbesitzer sich nicht vor Freunden und Frauen schämen muss. Wer sich für einen tollen Typen hält, stellt sich auf einer Party ungern so vor: „Hallo du, also ich bin der Heinz-Jürgen und ich studiere Theaterästhetische Kommunikation mit dem Schwerpunkt Geschlechterbilder.“ Dann möchte ihn nämlich noch nicht mal eine haben, die selbst Theaterästhetische Kommunikation mit dem Schwerpunkt Geschlechterbilder studiert…

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„Meist schweißt es die Partner eher zusammen, wenn sie gemeinsam die Depression überstehen”, sagt Dr. Gabriele Pitschel-Walz.

Illustration: Julia Schubert

Foto: Girls' Day Ein Beispiel: An der Universität Hildesheim sitzen zu 77 Prozent Frauen in den Veranstaltungen, in einzelnen Studiengängen annähernd 90 Prozent. Da ich aus Hildesheim stamme, dachte ich erst, die vielen Frauen kämen der Stadt wegen an die Uni: Denn fallen Mädchen nicht oft auf Typen herein, die vorgeben, mehr zu sein als sie sind? Mit einer geschickten Eingemeindungspolitik hat sich Hildesheim über die 100.000-Einwohner-Grenze geschoben, von der an eine Stadt als Großstadt gilt. Wie heißt es in Hildesheim: Paris, München, New York, Rio, Hildesheim. Doch in Wahrheit ist Hildesheim eine langweilige Kleinstadt mit dem Charme eines Tante-Emma-Ladens: Viel ist nicht im Angebot. Dafür ist die Verkäuferin unfreundlich. Doch Hildesheims Großtuerei kann nicht der Grund für die vielen Frauen an der Uni sein: Denn warum gibt es dann in der Stadt auch eine Fachhochschule, wo das weibliche Geschlecht schwächer vertreten ist? Schädliches Hausfrauen-Image An der FH in Hildesheim kann man Bauingenieur werden. Die Gründe für den Frauenüberhang an der Universität heißen: Grund- und Hauptschullehramt, Kulturwissenschaften und Ästhetische Kommunikation. Gedöhns, für das Männer sich oft nicht zuständig fühlen. Genau das liegt an den Namen, nicht an den Fächern. Das belegt der Männermangel an der naturwissenschaftlichen Fakultät der Uni Hohenheim. Obwohl Männer angeblich naturwissenschaftlich besonders interessiert sind, sitzen zu 75 Prozent Studentinnen in den Seminarräumen. Denn statt Physik stehen in Hohenheim Lebensmittelchemie und Ernährungswissenschaft auf dem Stundenplan. „Die Ausbildung ist chemisch und medizinisch ausgerichtet“, so Uni-Sprecher Florian Klebs. „Mit Einkaufen und Kochen hat das alles nichts zu tun. Doch den Fächern haftet ein Hausfrauen-Image an.“ Hohenheim hofft auf Männer In der Ernährungswissenschaft sitzt im Vorlesungssaal zwischen 60 Studentinnen nicht selten nur ein Mann. Die Fakultät sucht so verzweifelt nach Männern, dass sie deshalb sogar einen Boys' Day ins Leben gerufen hat. Anders als beim bundesweit bekannten Girls' Day können sich hier in erster Linie männliche Oberstufenschüler über die Vorzüge der Ernährungswissenschaft informieren. Gemischte Gruppen arbeiten am kreativsten und sind auch schöner für die Frauen, findet die Uni. „Im Wettbewerb um die besten Studenten wollen wir die Besten von beiden Geschlechtern gewinnen“, betont Klebs. Doch dafür werden einige werbende Worte nicht ausreichen… Das Bundesinstitut für Berufsbildung hat in einer Studie herausgefunden, dass Berufsnamen großen Einfluss auf die Berufswahl haben. Warum sollte es bei Studiengängen anders sein? Aber wie müssen Studiengänge heißen, um Männer zu locken? Ich fordere: Schluss mit Grund- und Hauptschullehramt, her mit dem Bildungsingenieurswesen oder auch dem Human Ressources Development Management! Die Ernährungswissenschaft könnte zumindest Biochemie der Ernährung genannt werden. Oder braucht es für Männer vielleicht sogar den Burger Bachelor? „Die Uni möchte mehr Männer – aber wir wollen auch nicht den typischen Goldkettchenträger“, gibt Klebs zu bedenken. Einerseits verständlich. Andererseits steckt in jedem Mann ein bisschen Goldkettechenträger.

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