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Modeunternehmen designt Overall für Menschen im Rollstuhl

Dafür gibt es viel Lob- aber auch Kritik, es handle sich dabei mehr um einen PR-Move.

Über Inklusion an Schulen oder am Arbeitsplatz wird relativ häufig diskutiert, aber über Gleichstellung in der Mode hört man nur sehr selten etwas. Vielleicht wird auch deshalb eine Meldung gerade so gefeiert.

Der englische Online-Versandhändler Asos hat einen wasserfesten Overall für Festivals herausgebracht, der auch für Rollstuhlfahrer geeignet ist. Das Teil wurde in Zusammenarbeit mit Chloe Ball-Hopkins entworfen, einer jungen britischen Bloggerin und Paralympics-Sportlerin, die seit ihrer Geburt im Rollstuhl sitzt.

Der Overall besitzt unter anderem eine Tasche an der Brust (fürs Handy oder Medikamente) und rund um die Hüfte herum einen Reißverschluss. Damit soll man dem Hersteller zufolge bei Bedarf auch nur die Hose oder nur das Oberteil tragen können– oder eben beides zusammen. Umgerechnet kostet der Festival-Onesie rund 56 Euro.

Das Überzeugende für Chloe an dem Overall ist, neben diesen kleinen Details, dass er eben nicht speziell für Menschen mit Behinderung gedacht ist: „Man bekommt immer das gleiche Modell, egal ob du es kauft oder ich - das ist der Punkt.“ Sie sagt, sie möchte „Mode machen, die für alle zugänglich ist“.

Wie die BBC berichtet, war der Grund für die Zusammenarbeit eine Mail von Chloe, die sie vergangenes Jahr an das Unternehmen geschrieben haben soll. Die 21-Jährige war demnach auf einem Festival, als es zu regnen begann um sie pitschnass wurde –  und danach, wie sie selber sagte, aussah, „wie wenn du deine Oma aus dem Pflegeheim holst“. Ein paar Monate tüftelten Chloe und Asos daraufhin gemeinsam an dem Overall, für den sie im Netz gerade häufig gelobt werden:  

Der Vorwurf, dass es sich dabei eher um eine Image-Kampagne des Unternehmens geht, taucht aber auch auf.

Die deutsche Bloggerin Laura Gelhaar, die selbst im Rollstuhl sitzt, sagte auf unserer Anfrage hin: „Mode für Menschen mit Behinderung zu designen, hat für mich eher den bitteren Geschmack einer Alibi-Veranstaltung fürs gute Gewissen des Unternehmens. Wenn Asos einen Schritt nach vorne gehen will — wie es selbst sagt — dann lässt das Unternehmen seine Mode selbstverständlich von Menschen mit Behinderung präsentieren, ohne dies groß anzukündigen.“ Sie selbst habe bislang jedenfalls nie Schwierigkeiten, sich „stylisch“ zu kleiden.  

Asos ist nicht einzige Firma, die Mode auf diesem Gebiet produziert. Rolitex aus Berlin zum Beispiel, oder Rollimoden aus dem baden-württembergischen Flein oder Rehamoden bieten ebenfalls Mode für Menschen mit Behinderung an.

pwe/nama