Battle Rap mit Liebesbekundungen

Johnny Rakete und Kex Kuhl beleidigen einander – mit Komplimenten
Von Mirjam Uhrich

Es ist wie bei einem Boxkampf: Rote Seile halten die grölende Menge zurück. Im Ring stehen sich zwei Typen gegenüber. Der Linke geht zwei Schritte auf seinen Gegner zu, ballt die Hände zur Faust. Doch statt ihm eine reinzuhauen, sagt er nur: „Danke, Mann! Ohne dich würde ich masturbieren.“ Er schaut ihm tief in die Augen. „Ich schwör, ich wollte das immer schon mal sagen: Ey, ich find dich sehr toll. Ich steh auf deinen Bauch und ich find’s süß wie du dein ‚r’ rollst.“ Die Menge tobt, sein Gegner krümmt sich – vor Lachen.  

Das Video wird gerade im Netz gefeiert. Die beiden Typen sind Johnny Rakete und Kex Kuhl, Rapper und Meister im Dissen. Normalerweise. Je härter, desto besser. Beim Compliment Battle ist das anders: Ihre Schimpfwörter sind Komplimente. „Das Compliment Battle ist lustig, fast schon homoerotisch. Das ist eine gute Chance für Leute, die sich eigentlich nicht batteln würden, sich zu batteln“, erklärt Hanno Martius, einer der Organisatoren. 

Das Compliment Battle ist also die Cola light des Battle-Raps. Eine risikoarme Variante für gute Freunde. Und eine Chance, neue Leute für die Szene zu gewinnen. Dafür muss man nicht wissen, was „Punchlines“ oder „Written Battles“ sind. „Für Außenstehende ist das ganze Battle-Ding schwer zu verstehen. Das ist beim Compliments Battle anders“, sagt Hanno.

Drei Compliment Battles hat sein Label DLTLLY bisher organisiert. In München, Bochum und eben in Augsburg, mit Johnny Rakete und Kex Kuhl. Seit das Video online ist, kommen ständig Anfragen. Von neuen Fans und Festival-Betreibern. So bald wird es trotzdem kein Compliment Battle geben. Bei den eingefleischten Hip-Hop-Fans kommt das nämlich gar nicht so gut an. Im Netz gibt es Kritik. „Die meisten aus der Szene finden die brutale Auf-die-Fresse-Schiene besser. Compliment Battle ist ihnen zu übertrieben, zu viel Comedy. Das hat mit dem klassischen Sinn von Battle Rap nicht mehr viel zu tun“, erklärt Hanno die Sicht der Kritiker. Ihm gefallen die Compliment Battles, trotzdem sollen sie eine Ausnahme bleiben.

Der Freundschafts-Battle kommt aus England. Dort ist die Szene viel größer: Es gibt Rapper, die in Rollen schlüpfen, und Battles gegen das eigene Spiegelbild. In Deutschland treten erst seit zwei Jahren regelmäßig Rapper gegeneinander an. Mitten im Publikum, ohne Mikrofon. „Deutschland steckt noch in den Kinderschuhen“, sagt Hanno. Aber das soll sich bald ändern. Sein Label arbeitet schon an neuen Konzepten. „Vielleicht machen wir ein Wahlkampf-Battle. Ein lyrischer Boxkampf der Parteien, ohne Tabus.“  

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