"Hoffentlich zerrt uns die Polizei nicht von der Bühne"

Warum der deutsche Musiker Mellow Mark in Saudi-Arabien auftritt.
Interview: Matthias Fiedler

Illustration: Julia Schubert

Der deutsche Musiker Mellow Mark, bürgerlich Mark Schlumberger, tritt am Dienstag mit seiner Band Mellow Maroc beim dreiwöchigen Janadriyah-Kulturfestival in Saudi-Arabiens Hauptstadt Riad auf – Deutschland ist dort in diesem Jahr Ehrengast. Im Interview erzählt er, warum er in ein Königreich reist, das Massenhinrichtungen vollstreckt und wie er die Saudis mit deutschen Songs begeistern will.  

jetzt: Mark, warum trittst du ausgerechnet in Saudi-Arabien auf?

Mark Schlumberger: Warum nicht?

Weil das Königreich zum Beispiel regelmäßig Menschenrechte verletzt und erst Anfang Januar 47 Personen hingerichtet hat.

Gerade deshalb fahren wir zum Kulturfestival nach Riad. 

Um ein Zeichen zu setzen?

Die Idee ist nicht, mit dem Finger auf Menschenrechtsverletzungen zu zeigen, sondern über die Musik zu erzählen, welches Kulturverständnis wir in Deutschland haben. Wie wir Freiheit verstehen.

Die Deutschen nehmen sich nach wie vor die Freiheit, Waffen nach Saudi-Arabien zu liefern.

Wer meine Musik kennt, weiß auch, welche Position ich dazu vertrete. Waffenexporte, getrieben von wirtschaftlichen Interessen – das ist für mich eine der Hauptursachen für die Flüchtlingswellen aus dem Nahen Osten.

Deine Songs thematisieren oft den Kampf gegen Krieg und globale Ungerechtigkeit, sind aber meist auf Deutsch geschrieben. Meinst du, die Message kommt beim Arabisch sprechenden Publikum an?

Klar. Bei Songs wie "Revolution" wird ja schnell deutlich, worum es geht. Bei anderen Titeln erklären wir vorher kurz in Englisch, welchen Grundgedanken das Stück hat.

Könnten sozialkritische Stücke die Saudis nicht vor den Kopf stoßen? 

Glaube ich kaum. Zum Festival kommen ja auch internationale Besucher. Und im Publikum werden hoffentlich viele junge Menschen stehen, Teenager, Schüler, Studenten. Die kennen sich meist gut mit ausländischen Künstlern aus und können deren Song-Texte einordnen.

Und wenn nicht?

Wir setzen auf den Dialog mit lokalen Musikern und Künstlern. Natürlich wäre es gut, Hardliner zu bekehren. Aber vor allem wollen wir mit unserer Musik zeigen, dass Deutschland ein weltoffenes Land ist und natürlich auch die deutsche Sprache promoten.

Letzteres ist ein Hauptanliegen eures Auftraggebers, dem Goethe-Institut. Warum hat man euch dort für den Auftritt in Saudi-Arabien engagiert?

Wir waren schon 2012 in Ägypten und 2013 im Irak für das Goethe-Institut auf Festivals unterwegs. Die Verantwortlichen waren mit unserer Arbeit zufrieden. Wir rappen und singen ja nicht nur, sondern veranstalten auch Hip-Hop-Workshops.

Wie muss man sich so einen Workshop vorstellen?

Sehr spontan! Wir tauschen uns mit Leuten über Rhythmen und Gesang aus, zeigen, wie wir Musik machen und welches Equipment wir benutzen. 

Laute Instrumente werden in der Öffentlichkeit in Saudi-Arabien teils kritisch gesehen. Haben euch die Veranstalter Vorschriften gemacht?

Nein. Aber ich weiß, dass Gitarren ein Problem sein können und wir haben zwei dabei. Hoffentlich zerrt uns die Polizei nicht von der Bühne. 

 

Wie sehr sorgst du Dich um Eure Sicherheit in Riad?

Da mache ich mir keine Gedanken, eher bin ich neugierig und gespannt, wie wir vom Publikum aufgenommen werden. Fast wäre der Trip nach Saudi-Arabien ja geplatzt.

 

Warum?

Unser Auftritt ist an den Besuch des deutschen Außenministers Frank-Walter Steinmeier geknüpft. Den hatte die Opposition für seine Reisepläne nach Saudi-Arabien bekanntlich kräftig gescholten, weshalb lang nicht feststand, ob er überhaupt fliegt. Erst vor zwei Wochen haben wir erfahren, dass es klappt.

 

Wirst du Steinmeier treffen?

Geplant ist nix. Aber wäre witzig, ihn im Publikum zu sehen.

 

Welches Projekt beschäftigt dich in Deutschland gerade?

Wir haben Mitte Januar eine neue Version der Single "Zuflucht" veröffentlicht, ein Statement gegen Hass, Hetze und rechte Gewalt. Das Video dazu haben wir gerade erst fertig gedreht. War sechs Monate harte Arbeit, aber hat sich gelohnt.

 

Klingt nach einer Herzensangelegenheit.

Ist es auch. Die Stimmungsmache gegen Ausländer und Flüchtlinge hierzulande muss unbedingt aufhören.

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