Die CD: Das universelle Geschenk

Im Zeitalter von Spotify & Co. werden kaum noch CDs verschenkt. Ein Fehler, wie unsere Autorin findet.
Von Veruschka Haas
Illustration: Federico Delfrati

Früher, als ich noch in der Schule war, hatte ich nie Probleme damit ein Geschenk zu kaufen, wenn ich auf eine Geburtstagsparty eingeladen war. Ich konnte einfach immer eine CD verschenken – Musik mag ja wirklich jeder. Dementsprechend erinnere ich mich an etliche Ausflüge in Saturn-Läden oder zu Media Markt, bei denen ich alleine oder mit einer Freundin zusammen nach einer passenden CD gesucht habe.

Eine CD ist nämlich das unkomplizierteste Geschenk, das es gibt. Es ist universell einsetzbar, gleichzeitig aber in so vielen verschiedenen Ausführungen erhältlich, dass es auch sehr persönlich sein kann. Mit ein bisschen Forschen und Überlegen kann man das Massenprodukt CD zu einem maßgeschneiderten Präsent machen.

Allerdings verliert in Zeiten von Spotify und anderen Streaming-Anbietern die CD immer mehr ihren Wert. Wieso sollte man jemandem eine CD schenken, der jedes Lied jederzeit über eine App auf seinem Handy streamen kann?

Überhaupt: Die wenigsten Menschen benutzen noch CDs oder haben ein Abspielgerät dafür. Wieso sollte man auch, wenn es mit einem über Bluetooth mit einem Lautsprecher verbundenen Handy so viel einfacher geht? Dort kann man dann auch schnell zwischen Songs, Alben und Künstlern wechseln. Bei CDs dauert der ganze Vorgang viel länger, man muss sich diese Arbeitsschritte erstmal auf der Zunge zergehen lassen: Als erstes muss man die CD aus der Anlage rausholen, dann zurück in ihre Hülle tun, die neue CD aus ihrer Hülle rausholen und dann in die Anlage stecken. Und um das alles zu tun, muss man auch noch von dem Platz, an dem man es sich gerade bequem gemacht hat, aufstehen. Und das spätestens alle 90 Minuten, wenn man nicht dem Repeat-Wahnsinn verfallen will. Nein, CDs sind tatsächlich umständlich. 

Wir sollten die CD auf keinen Fall aussterben lassen

Und trotzdem bin ich persönlich ja dafür, dass CDs wieder mehr Beachtung finden. Man kann ja weiterhin, wenn es schnell gehen soll, seine Musik über eine App hören. Aber ein paar CDs sollte man auf jeden Fall besitzen. Wir sollten die CD auf keinen Fall aussterben lassen.

Denn was verschenkt man den heutzutage anstelle von CDs? Ein Spotify-Abo? Bringt leider wenig, da die Person erstens wahrscheinlich schon eines hat und das zweitens ein relativ teures Geschenk wäre. Außer, man verschenkt ein temporäres Abo - das wäre dann aber kein besonders nachhaltiges Geschenk. 

Was also dann? Eine Playlist vielleicht? Die Idee ist nichts Neues. Schon vor Jahrzehnten haben die Menschen ihren Geliebten und Freunden Playlists zu besonderen Anlässen geschenkt. Doch während das damals noch richtige Arbeit bedeutete, da man die Lieder auf Kassetten aufnehmen musste oder erstmal auf CD brennen musste, ist das heutzutage weitaus einfacher. Nur der erste Schritt ist der gleiche: Man überlegt sich, welche Lieder auf der Playlist sein sollen. Mit ein paar Klicks hat man diese dann auf der Streaming-App erstellt, vielleicht noch ein Bild als Cover eingerichtet und dann teilt man sie - fertig.

Ich persönlich finde so eine Playlist liebloser als die Mix-CDs, die ich früher gemacht habe. Da war es schon viel schwieriger, die Lieder, die ich auf der CD haben wollte, überhaupt erst einmal zusammenzubekommen. Dafür musste ich sie ja erst einmal online gekauft haben oder die CD, auf der sie waren, besitzen. Dann ging es an das Brennen  und schlussendlich dauerte es meistens noch ein paar Stunden bis ich durch Malen, Schreiben und Kleben ein Cover für die Mix-CD und die Liste der Lieder auf ihr gebastelt hatte.

Auch sind CDs sehr viel schwieriger loszuwerden als eine Playlist. Die kann man einfach löschen, den Link verlieren oder vielleicht kündigt man auch einfach seinen Account bei dem Streaming-Dienst. Eine CD muss man hingegen wegwerfen, verkaufen oder überspielen, dafür muss man sich allerdings noch einmal bewusst mit ihr auseinandersetzen - was meistens dazu führt, dass man sie doch behält. Dementsprechend findet man oft viele Jahre später noch die geliebte Mix-CD oder das ehemalige Lieblingsalbum in einer Kiste wieder und kann sich darüber freuen.

 

Und auch Büchern und DVDs können aus meiner Sicht die CD als universales Geschenk nicht ersetzen. Dabei auf den Punkt den richtigen Geschmack zu treffen ist schwierig, nicht jeder liest gerne und außerdem ist beides in Zeiten von Netflix, Amazon Prime und zahlreichen anderen Ablenkungsmöglichkeiten nicht mehr so beliebt. Kleidung kann auch schnell schiefgehen, Blumen sind wiederum nicht besonders nachhaltig.

 

Es kann sein, dass ich einfach altmodisch veranlagt bin, aber ich finde man sollte unbedingt wieder anfangen, CDs zu verschenken. Nicht nur, damit wir wieder ein universelles Geschenk haben und ich weiß, was ich meinen Freunden in Zukunft schenken kann. Sondern auch, um das Medium CD nicht aussterben zu lassen.

 

Denn wenn ich mir eine Welt vorstelle, in der ich meine Lieblingslieder nicht mehr legal hören kann, nur weil die Lieder von einem Streaming-Dienst heruntergenommen wurden oder daran denke, dass Künstler teilweise ihre Musik gar nicht mehr auf CDs veröffentlichen, klingeln bei mir die Alarmglocken. Bei mir gehört es beim Aufräumen und Ausmisten schon fast dazu, alte CDs zu finden. Teilweise mögen es echt peinliche Alben sein, die ich mit zehn Jahren gehört hab. Aber teilweise sind es eben Erinnerungen an eine bereits vergagene Zeit aus meinem Leben.

 

Und das macht mir wieder sofort klar: CDs sind etwas echt Tolles. Und sollte dieses Medium untergehen, verlieren wir viel mehr als nur ein universelles Geschenk. Wir verlieren das Gefühl und die Erinnerungen, die mit der CD einhergehen. Also Leute - kauft wieder CDs, verschenkt wieder CDs, haltet die CD am Leben!

Und falls du doch keine CD verschenken willst, hier ein wenig Geschenk-Inspiration:

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