Indie-Band Yacht verkauft angeblich geleaktes Sextape

Und das entpuppt sich als billiger PR-Hoax.
Foto: Bec Lorrimer

Jona Bechtolt und Claire L. Evans sind zwei New Yorker mit einer ziemlich coolen Band namens Yacht. Seit 2002 machen die beiden Pop der ungegwöhnlicheren Art, haben Platten auf dem Hipness-Garantie-Label DFA Records veröffentlicht und sind dabei immer knapp unter der Schwelle zum Mainstream geblieben. Dass die beiden auch privat ein Paar sind, war nie ein Geheimnis.

Nun aber sollte dem Paar genau das passiert sein, was eigentlich wesentlich berühmteren Promi-Paaren "vorbehalten" ist: Ein privat gefilmtes Sextape hatte seinen Weg ins Netz gefunden – sagte zumindest die Band. Am Montagabend veröffentlichten Yacht auf ihrer Facebook-Seite ein langes Statement, auf Twitter angekündigt mit den Worten "ihr solltest das zuerst von uns hören":

Das Video, hieß es da, habe aufgrund "einer Serie von technischen Fehlern und einer moralisch erbärmlichen Person" seinen Weg ins Netz gefunden. Man wolle sich für das Drehen eines privaten Sextapes nicht rechtfertigen müssen, schließlich wisse jeder, wie schwierig es sei, Romantik in einer Langzeitbeziehung aufrechtzuerhalten, gerade wenn man auch beruflich zusammenarbeite.

Außerdem rief die Band ihre Fans dazu auf, sich das Video nicht anzusehen. Es handele sich dabei nicht um einen "leckeren Skandal", sondern um "Ausbeutung".  Man hoffe, dass die Fans ihnen treu bleiben, egal, was sie im Netz zu sehen bekämen, teilte die Band mit, ihr Geschmack im Bett sei nämlich ziemlich speziell.

Nachdem die Fans in hunderten Kommentaren ihr Mitleid und ihre Wut zum Ausdruck gebracht hatten, legten Yacht dann nach: Da das Video nun so oder so im Netz sei, könne man ja wenigestens daran verdienen! Unter fuck.teamyacht.com könne man nun angeblich das Video für schlappe 5 Dollar kaufen, wenn man es denn unbedingt sehen müsse.

Diese Aktion wurde von vielen Websites als beste Reaktion auf einen private Leak gefeiert. Anstatt sich klein zu machen und zu schämen, gingen Yacht an die Öffentlichkeit und  machten das beste aus einer maximal unangehmen Situation – Hut ab!

Das Traurige daran: Wenn die Informationen des Online-Magazins Jezebel  stimmen, war das Ganze ein Fake.  Sie zitieren aus einer Email, die sie Jona Bechtolt und Claire L. Evans zuschreiben: "For the upcoming music video for our song, “I Wanna Fuck You Til I’m Dead,” we’re faking a sex tape leak. In the days leading up to the video’s release, we’re going to pretend we were hacked, share and delete confessional social media posts on the subject of our privacy, then try to “get out in front of it” and sell the sex tape, fake a server crash, etc."

Und so wirklich gesehen hat das Video noch niemand. Der Bezahllink auf fuck.teamyacht.com scheint jedenfalls nicht zu funktionieren und außer Miranda July hat noch kein Mensch etwas über den Inhalt des Videos geschrieben. Und wie die sich dazu äußerte, klang auch eher witzig als betroffen:

Später meldete sich auch die PR-Abteilung der Band auf Twitter und erklärte, nichts mit der Aktion zu tun zu haben: 

Die vermeintlich coolste Aktion im Umgang mit Sexvideos war also wohl ihr genaues Gegenteil: Ein Pseudo-Skandälchen auf Kosten tatsächlich Betroffener und ein ziemlich billiges Ausnutzen des Mitgefühls ihrer Fans, gerechtfertigt durch irgendein Post-Content-Kunst-Gefasel. Oder vielleicht auch eine Kampagne gegen die Prekarisierung von Indie-Bands, die ja auch schon im Facebook-Post thematisiert wurde.

 

Eigentlich hielten wir Jona Bechtolt und Claire L. Evans für zu cool für sowas – und hatten deshalb ironischerweise gehofft, dass es das Tape gibt.

 

qli

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