18-Jähriger zeichnet alle seine 411 Mitschüler

Als Zeichen gegen Fremdenfeindlichkeit an seiner US-Schule.

Es hat ihn die vergangenen vier Monate viel Zeit gekostet, im Grunde seine gesamte Freizeit – aber er hat es geschafft: Phillip Soussou aus Bhat alle seine Schulkameraden gezeichnet. Alle. Das sind 411 Kohleportraits. Seine Abschlussarbeit im Fach Kunst. Und zwar vor einem ernsten Hintergrund.

"Unsere Gemeinschaft war zuletzt gespalten", sagte der 18-Jährige dem Boston Globe. "Diese Porträts sollten helfen, dass wir unsere Unterschiedlichkeit akzeptieren." Er hängte die Porträts in der ganzen Schule auf. Seine Schulkameraden durften ihr persönliches Bild mit nach Hause nehmten, viele weinten vor Rührung.

Die Boston Latin School, an der Soussou lernte, ist seit Monaten Thema in der Presse. Im Januar, am Martin Luther King Day, starteten zwei schwarze Schüler eine Social-Media-Kampagne unter dem Hashtag #BlackatBLS. Ihre Vorwürfe: eine feindliche Atmosphäre gegenüber Schwarzen an der Schule, abfällige Bemerkungen der Lehrer und rassistische Ausfälle ("Nigger") von Klassenkameraden auf Twitter. Der Bürgermeister von Boston, Marty Walsh, wolle die Vorwürfe dem Atlantic zufolge (hier der ausführliche Hintergrundartikel) nun prüfen lassen, die Schule gelobte Besserung.

Die Debatte um die Latin Boston School – bei der es eine Ebene grundsätzlicher ja um die Stellung von Schwarzen und Lateinamerikanern im US-Bildungssytem geht – ist symptomatisch für das Land. Das Bildungsdezernat der Stadt New York veröffentlichte im März die Zahlen für die Zulassungen zu den acht staatlichen Schulen der Stadt, die als Elite-Institute gelten – nur etwa drei Prozent der schwarzen Bewerber sowie etwa fünf Prozent der lateinamerikanischen Bewerber wurden zugelassen.  Kritiker vermuten, dass es in anderen Teilen der USA nicht besser aussieht. Die Boston Latin School gehört zu den Elite-Schulen des Landes, sie wurde 1635 gegründet und ist die erste öffentliche High School der USA.

fran 

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