USA: Jung, männlich, ungebildet, arbeitslos

Und sowas von zufrieden dank der Spielekonsole!
Bild: dpa/Oliver Berg

In der offiziellen amerikanischen Arbeitsmarktstatistik gibt es eine Zahl, die Forscher gleichzeitig alarmiert und verwirrt: junge, schlecht ausgebildete Männer weigern sich trotz einer Wirtschaft, die sich langsam von der Rezession erholt, Jobs zu suchen. Was bisher damit erklärt wurde, dass die Wirtschaft nach der Rezession immer noch schwächelt und vor allem zu wenige Jobs für Menschen ohne weiterführende Qualifikationen, gerade in den männerdominierten Sparten wie Produktion, bereithält.

Doch Forscher der Unis Princeton, Rochester und Chicago haben jetzt einen weiteren Faktor für die hohe Arbeitslosigkeit in dieser Altersgruppe identifiziert: Computerspiele. 

Damit verbringt diese Altersgruppe nämlich einen Großteil der Zeit, die sie normalerweise im Job verbrächte. Vor der Rezession, die von 2004 bis 2007 dauerte, haben junge Männer dieser Schicht pro Woche 3,4 Stunden mit Computerspielen verbracht. 2011 bis 2014 waren es schon 8,6 Stunden pro Woche. Auch junge Männer mit College-Abschluss verbringen heute mehr Zeit mit Computerspielen als je zuvor. Doch sie haben dank ihrer Ausbildung bessere Chancen auf dem Arbeitsmarkt. Junge Frauen dagegen beschäftigen sich weitaus seltener mit Computerspielen. Wenn sie aus dem Arbeitsmarkt ausscheiden, tun sie das häufig, um sich weiterzubilden.

Arbeitslos und Spaß dabei

Was die Forscher an der Studie besonders verwirrt: Die jungen, ungebildeten Männer ohne Job scheinen mit der Situation sehr zufrieden zu sein. Zwar hat sich die Arbeitslosigkeit in der Gruppe der jungen Männer ohne höhere Bildungsabschlüsse von 9,5 Prozent im Jahr 2010 auf 22 Prozent im Jahr 2015 mehr als verdoppelt. Dazu kommt, dass erstmals seit den 1930er Jahren mehr junge Menschen mit ihren Eltern zusammenleben als mit ihren Partnern. Aber die Zufriedenheit dieser jungen, wenig gebildeten Menschen hat ebenso zugenommen – ganz gegen den allgemeinen Trend. Viele sehen schlicht keinen Sinn darin, sich für schlechtbezahlte Jobs ohne langfristige Perspektive aufzuarbeiten. Und verbringen ihre Zeit lieber mit Computerspielen, wo sie sicher mit einer „Belohnung“ rechnen können.  

„Und wo ist jetzt das Problem?“  könnte man den besorgten Forschern und Politikern zurufen. Doch diese gechillte Arbeitsverweigerung hat durchaus Auswirkungen auf den amerikanischen Markt. Denn da wird eine ganze Menge Potential verplempert, das sich monetarisieren ließe. 

Doch vor allem warnen die Forscher davor, dass dieser Rückzug ins Privatleben unschöne langfristige Auswirkungen auf das Leben der Slacker-Generation haben könnte. Denn wer als ungelernter Arbeiter in seinen Zwanzigern keine Arbeitserfahrung sammelt, hat es mit 30 noch viel schwerer, in den ersten Arbeitsmarkt hineinzufinden und muss sich mit schlecht bezahlten Nebenjobs zufrieden geben. Was wiederum, so die etwas gewagte Schlussfolgerung der Forscher, zu Depression und Drogenmissbrauch führen könnte – wie man in Regionen mit hoher Arbeitslosigkeit sehen könnte.

chwa 

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