Was, wenn plötzlich niemand mehr Fleisch äße?

Ein Videoclip spielt dieses Szenario durch.

Esst weniger Fleisch! Ist besser für die Umwelt – das hört man seit Jahren von allen Seiten. Aber was heißt "besser für die Umwelt" konkret? Was wäre, wenn sich alle Menschen gleichzeitig entschließen würden, Vegetarier zu werden? Die Klimagasemissionen durch die Lebensmittelherstellung würden um 63 Prozent verringert. Das argumentiert zum Beispiel Marco Springmann, Mitarbeiter an der Oxford-Uni, in einer aktuellen Analyse.  

Auch das Team vom "AsapScience" stellt sich diese Frage gerade, und spielt das Gedankenexperiment in einem Video durch. "AsapScience" ist ein kanadisches Wissensportal im Netz. Mehr als eine Million Menschen haben den Clip innerhalb von drei Tagen aufgerufen. Ein paar Beispiele aus ihrem Szenario: Wenn morgen plötzlich alle Menschen Vegetarier wären, würden 20 Milliarden Hühner, 1,5 Milliarden Kühe und jeweils mehr als eine Milliarde Schafe und Schweine nicht mehr gebraucht. Dadurch würden 33 Millionen Quadratkilometer Land frei, auf denen die Tiere zurzeit gehalten werden. Das entspricht in etwa der Fläche Afrikas.  

Zwar wären von den freigewordenen Feldern viele für den Ackerbau nicht geeignet – man könnte Böden aber aufbereiten, so "AsapScience". Fleischverzicht würde auch unseren Wasserverbrauch um 70 Prozent senken: Um ein Kilo Rindfleisch zu produzieren, brauche man 15.000 Liter, für ein Kilo Salat nur 300.

Fleischverzicht wäre also ein Weg, die Umwelt zu schonen. Im Alltag wäre es aber komplizierter. Kritiker betonen seit langem, dass auch Vegetarier das Klima belasten können, etwa, wenn sie viel (vor allem von weit her importierte) Sojaprodukte konsumieren. Für die Nutzpflanze werden Wälder gerodet. Sie wird meist als Futter für Tiere verwendet, aber eben auch für Tofu oder Fleischersatzprodukte. Manche warnen, dass bestimmte vegetarische Produkte deshalb nicht klimafreundlich sind (mehr dazu in diesem Guardian-Artikel von 2010).

Wie tief Fleischkonsum in unserer Kultur verankert ist, zeigt das Gedankenspiel von "AsapScience" eben auch. Wirtschaftlich und sozial wäre ein abrupter Verzicht auf Fleisch kaum umsetzbar. "AsapScience" zufolge wären dann mehr als eine Milliarde Menschen ohne Job. Vor allem in den Entwicklungsländer lebten viele kleine Farmer von der Tierhaltung.  

Aber das Gedankenspiel ist ja auch radikal – und macht so deutlich, dass schon weniger Fleischverzehr die Natur entlasten würde. Doch der Verbrauch ist zum Beispiel in China in den vergangenen Jahrzehnten stark gestiegen. Grund ist laut "AsapScience" der gewachsene Wohlstand in der Bevölkerung.

fran

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