Eine Sicherheitsnadel soll Minderheiten Sicherheit signalisieren

Kritiker bezweifeln jedoch die Wirksamkeit dieser kleinen Geste.

In den Tagen nach Donald Trumps Wahl ging die Zahl der gemeldeten Übergriffe auf Migranten, Afroamerikaner und andere Mitglieder von Minderheiten steil nach oben. Schüler berichteten von und filmten Mitschüler, die ihnen „build that wall“ entgegenbrüllten; andere zeigten beschmierte Autos; ein Senator in New York entdeckte im Flur seines Wohnhauses Hakenkreuze. Und über Nacht tauchten auf Mauern, Kirchen und anderen Orten Hakenkreuze und Parolen wie „Make America White Again“ auf.

Als Reaktion darauf haben einige Menschen in den USA begonnen, eine Aktion zu übernehmen, die in England entstanden war, nachdem die Briten im Juni für den Brexit gestimmt hatten. Danach waren auch dort die Zahlen der Übergriffe auf Muslime und andere Mitglieder von Minderheiten steil angestiegen.

Eine junge Amerikanerin, die zu dem Zeitpunkt in London lebte, wollte ein Zeichen setzen, mit dem sie den unterdrückten Minderheiten vermitteln wollte, dass sie bei ihr in Sicherheit seien. Schnell kam sie auf die Idee, eine Sicherheitsnadel (englisch: safety pin) an den Revers zu tragen und forderte alle Briten es ihr gleichzutun. Wer Übergriffe nicht dulden und seinen Mitbürgern ein Gefühl der Sicherheit vermitteln will, sollte anfangen, eine Sicherheitsnadel gut sichtbar am Revers oder an anderer Stelle zu tragen. Diese Sicherheitsnadel sollte vermitteln „Egal, wer du bist, egal, woran du glaubst: bei mir bist du sicher“.

Für die „Erfinderin“ dieser Aktion bedeutet das Anlegen einer Sicherheitsnadel noch mehr. Im Guardian erklärte sie die Geisteshaltung, die dahinterstehen sollte: „Wenn du die Sicherheitsnadel anlegst, heißt das für mich dass du versprichst, aufzustehen. Es kann nicht nur eine leere Geste bleiben. Du versprichst, einen Unterchied zu machen. Du könntest zum Beispiel aufnehmen, was passiert, die Polizei rufen oder den Busfahrer dazu bringen, anzuhalten.“ 

Damit widmete sie einen Gegenstand um, der in den 1970er Jahren zum ersten Mal von Punks aus dem Nähkasten rausgeholt und als Symbol für Anarchie und Perspektivlosigkeit umgedeutet worden war (und das schon damals schnell zum Modeaccessoire avancierte). 

Seitdem die Sicherheitsnadel Symbol der Solidarität geworden ist, haben sich verschiedene Möglichkeiten, das zu tragen, etabliert: Manche haben die Sicherheitsnadel als Ohrring getragen, andere haben sie sich sogar tätowieren lassen.

Und die Vogue machte sich zuletzt mit einer Bilderstrecke zum Gespött, auf der sie sehr Zielgruppen-affin zeigte, wie man auf modische Art die Sicherheitsnadel in das tägliche Outfit integrieren könne. Mit einer Jeansjacke von Marc Jacobs beispielsweise (für 695 Dollar), ein Kleid des Designers Christopher Kane mit vorinstallierten Sicherheitsnadeln (zum einmaligen Schnäppchenpreis von 1995 Dollar), oder eine Alexander McQueen-Minitasche (für 1795 Euro) 

#safetypin

Ein von Just A Fangirl 💕 IM TRASH 📎📎 (@peridot.falls) gepostetes Foto am

Allerdings wird diese Form der Solidarität nicht von allen Menschen gutgeheißen. Denn Kritiker sagen, sich eine Sicherheitsnadel an den Kragen zu heften sei sehr bequem, vor allem aber für die meisten eher eine Maßnahme, sich selbst besser zu fühlen. Weiße sollten sich lieber nicht auf diesem Symbol ausruhen, sondern tatsächlich aktiv etwas gegen die Unterdrückung der Minderheiten unternehmen. Auch wenn diese Maßnahmen nicht ganz so sichtbar sind wie eine Sicherheitsnadel am Revers. 

chwa

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