Trumps Anwälte wollten angeblich eine 17-Jährige verklagen

Wegen einer Webseite, auf der man den Präsidenten kratzen kann. Mit Katzenpfoten - doch die Geschichte ist ein Fake.
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Screenshot kittenfeed.com

Lucy ist angeblich 17 Jahre alt und kommt aus San Francisco. Und die Geschichte, die sie dem Hollywood Reporter erzählte, schien ziemlich bemerkenswert, doch sie ist offensichtlich nicht wahr. Im Februar habe Lucy Bewerbungen für einige Jobs als Web-Entwicklerin geschrieben und hatte nebenher etwas Zeit, Langeweile und eine Idee: eine Webseite, auf der man mit virtuellen Katzen-Pfoten über vier Gesichter von Donald Trump kratzen kann. 

Warum? Der neue US-Präsident scheine erstmal tough zu sein, schreibt Lucy auf der Webseite, die sie dann aus Langeweile und Zeit-Überschuss programmierte. "Aber er wird schwächer mit jedem Kratzer." Also kann jeder Mensch auf der ganzen Welt seit etwas mehr als vier Wochen auf kittenfeed.com mit zwei Katzen-Pfoten über Trump-Visagen kratzen. Musikalisch unterlegt von Rick Astleys 80er-Jahre-Klassiker "Never gonna give you up". Nur: Auf der ganzen Welt interessierte Lucys Seite bislang kaum jemanden. Etwas mehr als tausend Klicks hatte sie. Bis sie plötzlich Donald Trumps Anwälte interessierte.

Ihre ursprüngliche Domain hatte trumpscratch.com gehießen, deswegen bekam Lucy am 1. März einen Brief von der Rechtsabteilung des wohl mächtigsten Mannes der Welt. Sie habe die Urheberrechte der "weltweit bekannten" Trump-Marke verletzt, stand darin. Also nannte Lucy ihre Seite anders – und bekam einen zweiten Brief. Dieses Mal, weil auf der Homepage ein Amazon-Artikel verlinkt war: ein Anti-Trump-Shirt. Seit Lucy den entsprechenden Link entfernte, habe sie nichts mehr von den Anwälten gehört, erzählte sie dem Hollywood Reporter

"Ich möchte den Leuten klarmachen, dass wir einen Präsidenten haben, dem wirklich wichtiger ist, was die Leute über ihn denken, statt sich mit wirklich substanziellen Dingen zu beschäftigen", sagte Lucy dazu. Sie könne nicht fassen, dass Trump sich die Zeit nehme, über seine Fernsehshows zu twittern oder seine Anwälte beauftrage, sich mit harmlosen Internetseiten zu beschäftigen.

"Die Tatsache, dass er sogar als Präsident noch Leute beschäftigt, die Blödelkram wie meinen verbieten sollen, ist unfassbar", sagte Lucy. "Ernsthaft, das einzige, was man auf meiner Seite machen kann, ist ihn mit Katzenpfoten zu schlagen. Ein Präsident sollte keine Zeit haben, sich über so etwas Gedanken zu machen." Lieber solle er sein Land anständig führen.

So sehr Lucy sich über die Klage-Androhungen auch geärgert haben mag, sie hatten für sie auch etwas Positives: Ihre Seite wurde inzwischen schon fast 50.000 Mal geklickt. Eine Geschichte, die sie in ihren zukünftigen Bewerbungsgesprächen ziemlich gut erzählen kann.

Aber auch eine Geschichte, die wohl nicht stimmt. Der Hollywood Reporter hat sie inzwischen von seiner Homepage genommen. Die Trump-Anwälte hätten sich inzwischen bei dem Portal gemeldet und bekräftigt, sie hätten niemals eine solche Anzeige aufgesetzt.

max 

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