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Foto: astonishing/photocase

Ja, es ist eine Binsenweisheit, dass man Freundschaften pflegen muss, wenn man sie erhalten möchte. Wie Topfpflanzen: regelmäßig mit Getränken gießen, immer mal wieder die Blätter (gemeinsame Erfahrungen) abstauben und abgestorbene Äste (Exfreunde) abschneiden. Dennoch bleibt die Aussage wahr. Denn es sind nur die absoluten Ausnahmefreunde, die man monatelang nicht sieht, und dann trotzdem genau da weitermachen kann, wo man vor einem halben Jahr aufgehört hat.  

Die meisten Freundschaften brauchen dagegen regelmäßigen Kontakt. Wir müssen uns sehen und wissen, was im Leben des Anderen vorgeht. Wir müssen wissen, wo der andere steht, was ihn aufregt, was ihn froh macht. Wir müssen durchaus auch wissen, welche Haarfarbe die Freundin gerade hat und warum sie sich gestern mit ihrem Freund gestritten hat. Denn nur, wenn eine gewisse Vertrautheit da ist, kann man einander auch genug vertrauen, um ihn tiefer ins Leben rein zu lassen. Und erst dadurch entsteht tief empfundene Freundschaft. Zu blöd, dass das mit zunehmendem Alter immer schwieriger wird: Im Laufe unseres Lebens verlieren wir immer mehr Freunde – weil wir einfach nicht mehr genug Zeit aufbringen, uns nicht mehr oft genug mit ihnen treffen, nicht mal mehr telefonieren. Aber auch, weil sich unser Leben auseinanderentwickelt und die Unterschiede immer größer und deutlicher werden, bis sie irgendwann unüberbrückbar erscheinen.

Und seit kurzem kennen wir auch den genauen Zeitpunkt, von dem an uns die Freunde abhanden kommen: An der Aalto University School of Science in Finnland haben Forscher herausgefunden, dass wir mit 25 Jahren den größten Freundeskreis haben – und dass es danach nur noch bergab geht. Für ihre Studie untersuchten sie die Handy-Verbindungen von 3,2 Millionen Usern eines europäischen Anbieters aus dem Jahr 2007. Dabei untersuchten sie (anonymisiert), mit wie vielen Menschen jeder dieser Nutzer regelmäßig telefonischen Kontakt hatten.

Das Ergebnis: Mit 25 telefonierten Frauen und Männer mit den meisten Menschen. Und von da an geht es dann stetig bergab. Mit 39 Jahren gibt es wieder einen interessanten Schnitt: Von da an haben Frauen bis ins hohe Alter hinein mehr soziale Kontakte als Männer: Männer melden sich mit 39 Jahren im Monat ungefähr bei zwölf verschiedenen Menschen, Frauen bei 15.

Das klingt schrecklich traurig – und ist es auch.  Aber scheinbar unvermeidbar. Denn in der sogenannten Rush-Hour des Lebens, also zwischen 27 und 35 beladen wir unser Leben mit vielen Zeitfressern auf einmal: wir fangen an, ernsthaft zu arbeiten, führen ernsthafte Beziehungen, bekommen sogar ernsthaft Kinder. Und all das kostet in erster Linie: Zeit. Zeit, die wir nicht mehr für unsere Freunde aufbringen können. Und die deshalb dann leider irgendwann weg sind.

Einziger Trost: Einer Studie des MIT zufolge sind die Hälfte unserer Freunde sowieso gar keine echten. Wir müssen also darauf achten, die richtige Hälfte zu verlieren.  

chwa

Und weiter geht's mit guten und schlechten Freunden: