Lokalisten
Illu: Johannes Englmann

Lokalisten. Das war doch der Ort für Freunde. Und Freundesfreunde. Eine grüne Oase, gepflanzt im Jahr 2005, mitten hinein in das dunkle World Wide Web. Das war neben StudiVZ die Plattform, auf der man ein Profil anlegen, Fotos hochladen und Bekannte und Fremde stalken konnte. Dann kam Facebook. Und nun ist es so weit: Die Betreiber verkünden das Ende. Am 30. September wird Lokalisten mitsamt all den restlich verbliebenen Nutzerkonten und -daten gelöscht.

In der Auflösungsmail des Lokalisten-Teams ist zu lesen: "Unsere traurige Aufgabe ist es, Euch mitzuteilen, dass wir den Betrieb der Online-Plattform lokalisten.de zum 30.09.2016 einstellen werden." Schuld daran dürften wohl die gesunkenen Nutzerzahlen sein. Während diese in der Zeit nach dem Gründerjahr zunächst beständig stiegen (Juni 2007: 730.000 Nutzer, Mai 2010: 3,6 Millionen Nutzer), betrug die verbliebene Anzahl an Lokalisten im April 2016 nur noch 80.000.

Die Idee zu Lokalisten entstand in München: Jürgen Geleit, Andreas Hauenstein, Norbert Schauermann, Peter Wehner und Andreas Degenhart hatten sich 2005 die Plattform ausgedacht. Schon ein Jahr später sicherte sich die Pro Sieben Sat 1-Gruppe 30 Prozent der Anteile. Dann, 2009, verließen die Gründer ihre Erfindung ganz und überließen dem Medienunternehmen 90 Prozent ihrer Freundes-Freunde-Kette. Für 25 Millionen Euro.

Erst Ende Juni zitierte der Merkur noch die Antwort eines Lokalisten-Sprechers bezüglich der Frage, wie lange es die Social Media Plattform made in München noch geben werde, mit: "Wir haben in der Nische noch Platz. Wie lange noch, kann man nicht sagen. Wir werden das Netzwerk weiter betreiben. Für uns ist die derzeitige Reichweite okay." Aber: Alles, was einen Anfang hat, hat auch ein Ende. Das schreibt auch das Lokalisten-Team in der Servus-Mail. Und so hat wohl auch das "okay" von Pro Sieben Sat 1 sein Ablaufdatum überschritten.

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