Statt Messi zu treffen, muss Murtaza fliehen

In Afghanistan war er nach dem Internet-Hype bedroht worden.
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Foto: Rahmat Gul / AP

Die Fotos von Murtaza Ahmadi gingen Anfang dieses Jahres, wie man immer so schön floskelig sagt, um die Welt. War im Fall des Fünfjährigen aber wirklich so: Die Bilder von Ahmadi, wie er Fußball spielt und dabei ein selbstgebasteltes Trikot von Lionel Messi trägt, verbreiteten sich übers Internet von seiner Heimat in Afghanistan bis ans andere Ende der Welt – nach Barcelona, wo der echte Messi kickt. Es gab sogar Spekulationen, dass Murtaza sein Idol würde treffen können. Dass Messi überlege, nach Afghanistan zu reisen.

Kaum vorstellbar, welchen Hype eine solche Reise des mehrfachen Weltfußballers ausgelöst hätte. Letztlich schickte er "nur" ein echtes, unterschriebenes Trikot von sich. Doch das allein reichte, um einen negativen Hype in Afghanistan auszulösen: Ahmadi und seine Familie erhielten Drohungen. Schließlich mussten sie fliehen.

"Unser Leben in Afghanistan wurde zum Elend", sagte Murtazas Vater Mohammad Arif der Presseagentur AP. Immer wieder habe seine Familie Drohanrufe bekommen. Sie hätten Afghanistan nicht verlassen wollen, aber die Drohungen seien immer heftiger geworden. Murtazas Cousin Wahid sagte der DPA: "Wir hatten Angst, dass Gangster oder die afghanische Mafia Murtaza entführen und ein hohes Lösegeld fordern."

Die achtköpfige Familie Ahmadi sei daraufhin erst in die Hauptstadt Pakistans, nach Islamabad, geflüchtet. Dort hätten sie zunächst bei der spanischen Botschaft Visa beantragt, denn Murtasa wolle immer noch Lionel Messi in Spanien treffen. Die Familie habe aber auch in Pakistan um den UN-Flüchtlingsstatus ersucht. Weil in Islamabad die Lebenskosten aber zu hoch waren, seien sie inzwischen ins fast 900 Kilometer entfernte Quetta weitergezogen, wo sie nun seit einem Monat bei Verwandten leben. "Wir glauben nicht, dass wir nach Afghanistan zurückkehren können", sagte der Vater.

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Illustration: Julia Schubert

"Ich habe meinen ganzen Besitz verkauft und habe meine Familie außer Landes gebracht, um das Leben meines Sohnes und das der anderen Familienmitglieder zu schützen."

 

Es sei eine schwierige Zeit für die Familie, sagte Ahmadi. "Wir waren so glücklich, als Messi Murtaza sein Geschenk geschickt hat. Jetzt ist alles wieder so schwierig."

 

max

 

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