„Wegen Donald Trump werden wir getötet werden“

Prophezeit der Filmemacher Michael Moore – und warnt vor einer amerikanischen Version des Reichstagsbrands.
Foto: Yana Paskova /AFP

Michael Moore scheint nicht aufgeben zu wollen. Der US-Regisseur und Oscar-Gewinner wird seit der Präsidentschaftswahl in seiner Heimat als so etwas wie ein Prophet angesehen: Moore hatte Donald Trump vor Monaten schon gewinnen sehen – als alle Umfragen und Prognosen etwas anderes behaupteten. Seit der Wahl am 8. November tingelt Moore von Talkshow zu Talkshow und hebt in "Ich hab's euch doch gesagt"-Manier den Finger. Er weist kontinuierlich darauf hin, wie dumm seiner Meinung nach die Wahl Trumps für die USA und die Welt ist. Gestern verfasste Moore seinen bislang populärsten Facebook-Post dazu.

"Hey Donald Trump, sind Sie besorgt?", hatte er vor ein paar Tagen einleitend gefragt. "Ich meine: Sie sind noch nicht Präsident. Nicht bis 12 Uhr mittags am 20. Januar 2017." Das seien fünf lange Wochen, die Trump verrückt machen müssten. Schließlich habe der Milliardär in seinem Buch "The Art of the Deal" einst geschrieben, Deals müssten so schnell wie möglich abgeschlossen werden, bevor der Geschäftspartner zu viel Zeit zum Nachdenken bekomme und es sich anders überlege. Moore will diese fünf Wochen offensichtlich nutzen, um seine Mitbürger auf den letzten Drücker noch zum Nachdenken zu bringen. Es ist in den USA zwar noch nie passiert, aber theoretisch doch möglich, dass der Wahlmänner-Ausschuss seine Wahl im Nachhinein noch ändert. Etliche Aktivisten setzen sich deswegen momentan dafür ein und versuchen, die Wahlmänner zu beeinflussen.

"Wegen Donald Trump werden wir getötet werden", überschrieb Moore seinen aktuellen Post, der seitdem viral geht und mehr als 30.000 Mal geteilt wurde. "Eine Woche ist vergangen, seit Donald Trump zugegeben hat, nur bei 'zwei oder drei' seiner täglichen Sicherheits-Briefings gewesen zu sein", schreibt Moore. Dabei gebe es kein wichtigeres Treffen für einen Präsidenten, als diese 20 Minuten, in denen er jeden Morgen von seinen Geheimdiensten informiert wird, wo gerade Bedrohungen für die USA lauern. "Er kann um 5 Uhr morgens über Fernsehshows twittern", schreibt Moore. "Aber für die Sicherheit seines Landes hat Trump keine Zeit."

Das werde sich rächen, prophezeit der Filmemacher, der mit seiner Dokumentation "Fahrenheit 9/11" die Geschäftsverbindungen der Familie des damaligen Präsidenten George W. Bush zu arabischen Geschäftsleuten kritisch hinterfragte und dazu beitragen wollte, dass Bush 2004 nicht wiedergewählt wird. Damit ist Moore gescheitert. 

In seiner Doku hatte er sich ausführlich mit den Anschlägen auf das World Trade Center beschäftigt. Nun schreibt Moore: "So, meine lieben Amerikaner, wenn der nächste Terroranschlag passiert – und er wird passieren, das wissen wir alle – werdet ihr sehen, dass Donald Trump inmitten der zu verhindernden Toten und Zerstörungen jeden beschuldigen wird außer sich selbst." Trump werde Verfassungsrechte aussetzen und in einen Krieg gegen jeden ziehen, den er für bedrohlich hält.

Und niemand werde sich daran erinnern, dass Trump der wachsenden Bedrohung keine Beachtung geschenkt habe, als er seine Sicherheits-Briefings schwänzte und stattdessen Golf spielte, sich mit Prominenten traf oder bis früh morgens wach blieb, um über Fernsehsendungen zu twittern. "Wissen Sie, ich denke ich bin schlau", hatte Trump bei Fox News auf die Frage geantwortet, warum er diese Briefings schwänze. "Ich brauche nicht jeden Tag das Gleiche zu hören." Das war am 11. Dezember. "Vergesst dieses Datum und seine Anmaßung nicht", schreibt Moore, "wenn wir nächstes Jahr unsere Toten beerdigen."

"Wenn der nächste Terroranschlag passiert, sind Sie es, den das amerikanische Volk verantwortlich machen wird"

Moore sagt, er wisse, wovon er rede. In "Fahrenheit 9/11" behandelt er auch den Moment, in dem George W. Bush eine Sicherheitswarnung aus dem Weißen Haus erhielt. Am 6. August 2001, als er gerade einen Urlaubs-Monat in Texas verbrachte, habe Bush nur einen kurzen Blick auf das Papier geworfen, das mit "Bin Laden entschlossen, einen Anschlag in den USA auszuführen" überschrieben war. (Ein Foto dieses Moments hat Moore auch als Bebilderung seines Facebook-Posts benutzt.) Dann sei Bush zum Fischen gegangen. Der damalige Präsident habe seine Ranch nicht verlassen, um zurück zur Arbeit zu gehen und sein Land zu beschützen. Er blieb volle vier Wochen fern. In der fünften Woche dann attackierte Bin Laden die Türme des World Trade Centers.

Es sei eine Sache, einen Präsidenten zu haben, der am Steuer einschläft. Aber es sei etwas komplett anderes, einen Präsideten zu haben, der sich weigert, das Steuer überhaupt zu übernehmen, schreibt Moore. Dann wendet er sich direkt an den designierten US-Präsidenten. "Wenn der nächste Terroranschlag passiert, sind Sie es, den das amerikanische Volk dafür verantwortlich machen wird. Es war Ihr Job, aufzupassen, das Land zu beschützen. (...) Denken Sie bloß nicht, wir lassen Sie eine aktuelle Version des Reichstags-Brands benutzen als Entschuldigung, unsere bürgerlichen Freiheiten und unsere Demokratie abzuschaffen." Genau das hatte Adolf Hitler 1933 getan, der den Brand des Berliner Regierungssitzes nutzte, um die Verfassung außer Kraft zu setzen und seine nationalsozialistische Diktatur zu erschaffen.

Dieser Vergleich macht Moores Angriff natürlich besonders heftig. Und zeigt mal wieder, wie vergiftet die Debatte zwischen Trump-Fans und -Gegnern ist. Denn auch Moore argumentiert hier (und in weiten Teilen seines Posts) ja weniger mit Fakten. Auch er will seine Follower – kaum anders als Trump selbst – hauptsächlich über ein diffuses Angstgefühl erreichen, über ihre Furcht vor einem eventuell drohenden Terroranschlag, den der zukünftige Präsident nicht verhindern werde.

max 

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