Der Roboter, der alles kann

Springen, Pirouetten, Kniebeuge - und uns zum Gruseln bringen.

Genau ein Jahr ist es her, da hatten wir Mitleid mit einem Roboter. In einem Video der zu Google gehörenden Firma Boston Dynamics wurde deren neueste Maschine gepiesackt und getreten, hinterrücks geschubst. Wir gruselten uns ein wenig und fragten uns: Wann wird sich Atlas (so nannten sie den Opfer-Roboter) endlich gegen menschliche Nervensägen wehren können?

Die Antwort lieferte Boston Dynamics nun mit einem neuen Video – und einem neuen Roboter. 

„Handle“ heißt der und er kann im Unterschied zu Atlas rollen. Der gepiesackte Roboter anno 2016 war „nur“ in der Lage auf zwei Beinen zu gehen. Handle kommt hingegen ein bisschen daher wie ein großer Inline-Skater. Er ist etwa zwei Meter groß, hat zwei Arme, mit denen er bis zu 45 Kilogramm schwere Lasten tragen kann und seine Balance hält. Sein Torso, in dem Handles Steuerung untergebracht ist, ist schwenkbar.

Im Video geht’s erstmal damit los, dass Handle sich Transformers-mäßig aufrichtet. Das sieht zunächst etwas stockend aus, dieser Eindruck verflüchtigt sich aber nach wenigen Sekunden. Dann legt Handle los. Aufgerichtet erinnert er an ein Pferd, das sich gerade wiehernd auf die Hinterbeine bäumt. Nur, dass der Roboter viel gelenkiger ist. Handle dreht Pirouetten, beschleunigt, bremst ab, geht in die Knie wie ein Skiläufer im Slalom, oder macht einfach mal ganz lässig Trizeps-Push-ups.

Laut Hersteller erreicht Handle eine Geschwindigkeit von bis zu 15 Stundenkilometern, kann aus voller Fahrt 1,20 Meter hoch springen und verliert nie das Gleichgewicht. Treppen rauf oder unbefestigte Hänge runter – kein Problem für Handle.

Marc Raibert, Chef und Gründer von Boston Dynamics, erzählte dem US-Magazin IEEE Spectrum, seine Firma hätte schon länger die Idee verfolgt, einen rollenden Roboter zu bauen. Mit Atlas und dessen Torso als Ausgangspunkt hätten sie nach einem halben Jahr Bauzeit „etwas Funktionsfähiges“ vorzuweisen gehabt.

Handle kommt durch seine Rollen mit gerade mal zehn hydraulisch angetriebenen Gelenken aus. Dass er fährt, macht ihn effizienter als den gehenden Atlas. Der wiederum war auf seinen Beinen sicherer im unwegsamen Gelände unterwegs, während Handle nur auf ebenem Untergrund optimal funktioniert – denkt man. Denn seine beiden Arme dienen als Hybrid-Funktion zwischen Rädern und Beinen. "Indem wir beides kombinieren, bekommt Handle das Beste aus beiden Welten", sagt Raibert. 

Vor einem Jahr war der Mensch noch derjenige, der den Roboter piesackte. Handle schlägt in seinem Präsentationsvideo zwar nicht zurück – aber sorgt dafür, dass unser Gruseln zunimmt. Was wird dieser Roboter erst in zehn Jahren so drauf haben? 

max

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